Konzernzentrale in Köln (Bildquelle: Lanxess)

Konzernzentrale in Köln (Bildquelle: Lanxess)

Die starken Ergebnisse in den Segmenten Advanced Intermediates, Specialty Additives und Performance Chemicals glichen den Rückgang im Segment Engineering Materials, verursacht insbesondere durch die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie, aus. Vorteilhafte Wechselkurseffekte, vor allem aus dem US-Dollar, unterstützten das Ergebnis. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen für das Gesamtjahr erreichte erstmals in der Unternehmensgeschichte 15,0 Prozent, nach 14,4 Prozent im Vorjahr. (EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen)
„Nach unserer Neuausrichtung haben wir im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld des Jahres 2019 die erste echte Bewährungsprobe bestanden. Lanxess ist profitabler und stabiler denn je“, so Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender des Kölner Konzerns. „Selbst in diesen herausfordernden Zeiten haben wir unsere Marge auf einen neuen Höchstwert gesteigert und die finanzielle Basis für neue Wachstumsprojekte weiter gestärkt. 2020 widmen wir uns besonders dem margenstarken Bereich Consumer Protection und neuen Anwendungen im Bereich Batterietechnologie.“  Den Geschäftsbereich Leather weist Lanxess zum 31. Dezember 2019 als nicht fortgeführtes Geschäft aus. Umsatz und operatives Ergebnis – sowie die entsprechenden Vorjahreswerte – wurden angepasst. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung erwägt der Konzern, den Geschäftsbereich zu veräußern. 2019 hatte der Konzern bereits das Chromchemikalien-Geschäft und seinen Anteil an der Chromerzmine abgegeben.
Das Konzernergebnis aus fortzuführendem Geschäft lag bei 240 Mio. EUR und damit um 14,9 Prozent unter dem Vorjahreswert von 282 Mio. EUR. Belastet wurde es insbesondere durch Sonderaufwendungen für die Neuausrichtung des Organometall-Geschäfts. Mit Einrechnung des Lederbereichs halbierte sich der Konzerngewinn auf 205 Mio. EUR.

Neues Segment Consumer Protection

Auf seinem Wachstumskurs will Lanxess künftig einen stärkeren Fokus auf verbrauchernahe Schutz-Produkte legen und passt daher ab sofort seine Segmentstruktur an. Die Geschäftsbereiche Saltigo, Liquid Purification Technologies und Material Protection Products bilden das neue Segment Consumer Protection. Zum Portfolio dieses Segments zählen beispielsweise Wirkstoffe für die Agro- und Pharmaindustrie, für Insektenabwehrpräparate und Desinfektionsmittel sowie Technologien zur Aufbereitung und Reinigung von Wasser. „Unsere Consumer-Protection-Produkte zeichnen sich durch attraktive und stabile Wachstumsraten aus. Gleichzeitig verschafft uns unsere langjährige Expertise in diesen vielfach stark regulierten Märkten einen Wettbewerbsvorteil“, sagte Zachert. Das Segment Consumer Protection tritt an die Stelle des bisherigen Segments Performance Chemicals. Gleichzeitig wird der Geschäftsbereich Inorganic Pigments ab sofort im Segment Advanced Intermediates geführt.

Kunststoffe büßen ein, Additive behaupten sich

Eckwerte des Geschäftsjahres 2019 (Bildquelle: Lanxess)

Eckwerte des Geschäftsjahres 2019 (Bildquelle: Lanxess)

Drei von vier fortzuführenden Segmenten konnten 2019 ihr Ergebnis steigern. Dies gilt auch für den Additivbereich:Trotz schwächerer Nachfrage aus der Automobilindustrie und der Beendigung margenschwacher Lohnfertigungsverträge hielt das Segment Specialty Additives den Umsatz mit 1,97 Mrd. EUR nahezu auf Vorjahresniveau . Dafür sorgten vorteilhafte Wechselkurseffekte und ein starkes Geschäft im Geschäftsbereich Polymer Additives. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich, auch unterstützt durch Kostensynergien aus der Chemtura-Integration, um 2,9 Prozent auf 353 Mio. EUR. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen stieg auf 18,0 % nach 17,3 % im Vorjahr.

Die Entwicklungen im Segment Engineering Materials (Hochleistungskunststoffe und Polyurethane) hingegen waren durch die schwächere Nachfrage aus der Automobilindustrie geprägt. Vorteilhafte Wechselkurse konnten dies nur wenig abschwächen. Auf den Umsatz drückten zudem niedrigere Verkaufspreise aufgrund gesunkener Rohstoffkosten. Er sank um 8,0 % auf 1,45 Mrd. EUR. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag bei 238 Mio. EUR und damit um 10,9 % unter dem Vorjahreswert. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen lag mit 16,4 Prozent nur leicht unter dem Vorjahreswert von 16,9 Prozent.

Lithium-Projekt: Pilotanlage im Testbetrieb

Das Projekt zur kommerziellen Gewinnung von batteriefähigem Lithium am US-Standort El Dorado/Arkansas, das Lanxess zusammen mit seinem Partner Standard Lithium gestartet hat, ist weiter vorangekommen. Lanxess betreibt am Standort drei Anlagen zur Herstellung von Bromprodukten. Das Brom wird dabei aus der am Standort geförderten Sole gewonnen, die auch Lithium enthält. Standard Lithium hat ein innovatives Verfahren für die Extraktion von hochreinem Lithium direkt aus Solen entwickelt. Auf dem Werksgelände wurde eine Pilotanlage errichtet und Anfang März 2020 in Betrieb genommen. Erste Erkenntnisse zur technologischen Machbarkeit erwartet Lanxess bis zur Jahresmitte 2020.

Ausblick 2020: operativ stabil, aber Coronavirus belastet

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet der Konzern mit einer stabilen operativen Geschäftsentwicklung. Durch Effekte aus der Coronavirus-Epidemie erwartet er jedoch im Gesamtjahr eine Belastung des operativen Ergebnisses zwischen 50 und 100 Mio. EUR. Insgesamt rechnet Lanxess daher mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 900 Mio. und 1,0 Mrd. EUR. Für das erste Quartal 2020 geht der Spezialchemie-Konzern derzeit von Belastungen aus der Coronavirus-Epidemie von rund 20 Mio. EUR aus.