Die Industrie hat sich freiwillig verpflichtet, den Rezyklatanteil in Verpackungen signifikant zu erhöhen. Im Bild ein Produktbeispiel, in dem Rezyklate verarbeitet wurden. (Bildquelle: Bigler)

Die Industrie hat sich freiwillig verpflichtet, den Rezyklatanteil in Verpackungen signifikant zu erhöhen. Im Bild ein Produktbeispiel, in dem Rezyklate verarbeitet wurden. (Bildquelle: Bigler)

Die IK-Mitgliedsunternehmen haben sich selbst ehrgeizige Ziele für eine bessere Kreislaufführung ihrer Produkte gesetzt. Von der Politik erwarten sie, dass diese zwar die Ziele vorgibt, die Umsetzung allerdings den Unternehmen überlässt. So arbeitet die Industrie im Rahmen der Circular Plastics Alliance bereits intensiv an der Umsetzung des Ziels, bis 2025 mindestens 10 Mio. Tonnen  Kunststoff-Rezyklate einzusetzen.

Die IK erwartet von der Politik Impulse für die Entwicklung funktionierender Märkte für recycelte Kunststoffmaterialien, welche die von der kunststoffverarbeitenden Industrie benötigten Mengen und Qualitäten liefern können. Sie setzt sich dabei für marktwirtschaftliche Maßnahmen zur Steigerung des Einsatzes von Recyclingmaterialien ein. Mindestquoten für Rezyklate in bestimmten Produkten hält die Industrie dagegen für den falschen Weg. „Bei vielen Verpackungen kann nicht gewährleistet werden, dass Rezyklate in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass für etwa 44 Prozent der Verpackungen strenge Vorgaben für die Lebensmittelsicherheit gelten, die einem Einsatz von Rezyklaten stark einschränken“, gibt Schmidt zu bedenken. „Es gibt andere Möglichkeiten, den Rezyklateinsatz effektiv zu fördern, etwa über finanzielle Anreize.“

Eine bessere getrennte Sammlung von Kunststoffverpackungen ist ein weiterer Schlüssel zur Steigerung der Kreislaufwirtschaft. „Wir fordern ehrgeizige Ziele für die getrennte Sammlung von Kunststoffabfällen und den beschleunigten Ausstieg aus der Deponierung“, so Dr. Schmidt. „Das angekündigte europaweit einheitliche Modell zur getrennten Sammlung ist begrüßenswert.“

Plastiksteuer und Produktverbote: Rückschritt für den Klimaschutz

Kritisch sieht die IK vor allem die geplante Abgabe auf nicht recycelte Kunststoff-verpackungsabfälle. „Aufgrund der fehlenden Zweckbindung entzieht die Abgabe insbesondere Staaten mit schwacher Recyclinginfrastrukturdringend benötigte Investitionsmittel, um sich auf die veränderten Bedingungen der Kreislaufwirtschaft einzustellen“, erläutert IK Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann.

Auch Verbote haben laut Ik das Potenzial, dem Klima mehr zu schaden als zu nutzen. „Wer Kunststoffverpackungen für Gemüse oder Obst verbietet, ignoriert, dass diese Produktgruppe fast 30 Prozent bei den Lebensmittelverlusten ausmachen“, erklärt Engelmann weiter. „Verpackungen tragen nachweislich dazu bei, eben diese Lebensmittelverluste zu reduzieren. Hinzu kommt, dass Kunststoffverpackungen im Fall von Verboten in der Regel durch andere, schwerere Materialien ersetzt werden, was unter Klimaaspekten oftmals schädlich ist.“

Chancen für die Industrie

Der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft ist eingebettet in den Green Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Dezember vorstellte und in dessen Mittelpunkt der Übergang zu einer klimaneutralen, zirkulären Wirtschaft bis 2050 steht. Innerhalb der Kunststoffverpackungsindustrie haben die dort adressierten Themen bereits Priorität, beispielsweise beim Setzen eigener ambitionierter Recyclingziele für 2025: 90 % recycling- oder mehrwegfähige Verpackungen (heute 75 % sowie 1 Mio. t Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen in Deutschland (heute 400.000 t). Mit den Leitfaden Eco Design von Kunststoffverpackungen leistet die Industrie einen zusätzlichen Beitrag zur angekündigten Strategie für nachhaltige Produkte. „Für die Kunststoffindustrie bringt der angestoßene Wandel auch neue Chancen: Wie kein anderes Material werden Kunststoffe schließlich für die klimaneutrale Wirtschaft gebraucht, ob als Rotorblätter von Windenergieanlagen oder als energie- und ressourcensparende Verpackungen für Lebensmittel und andere Produkte“, so Dr. Isabell Schmidt. „Wir arbeiten mit Hochdruck am Schließen der Kreisläufe und Neudenken unserer Produkte.“