Befragt hat Composites Germany alle Mitgliedsunternehmen der drei großen Trägerverbände AVK, Composites United und VDMA-Arbeitsgemeinschaft Hybride Leichtbau Technologien. Um für Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Erhebungen zu sorgen, gab auch in diesem Halbjahr keine Änderungen bei der Befragung. Erhoben hat die Wirtschaftvereinigung überwiegend qualitative Daten in Bezug auf die aktuelle und künftige Marktentwicklung.

Bewertung der Geschäftslage kühlt sich weiter ab

(Bildquelle: Composites Germany)

Composites-Index – Derzeitige generelle Geschäftslage (Bildquelle: Composites Germany)

Nachdem die Bewertung der aktuellen Geschäftslage bereits bei den letzten Befragungen eher zurückhaltend ausgefallen war, setzt sich dieser Trend auch in der aktuellen Erhebung fort. Die Befragten bewerten die generelle Geschäftslage für alle drei erfassten Regionen – Deutschland, Europa, weltweit – weiterhin negativ. Die Einschätzung erreicht damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung im Januar 2013.

Insgesamt bewerten 37 Prozent der Befragten die generelle Geschäftslage in Deutschland als sehr negativ oder eher negativ. In der vorangegangenen Befragung hatte dieser Wert bei lediglich 26 Prozent gelegen. Die wenig optimistische Bewertung des generellen Marktumfeldes hält somit an.

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Bewertung der aktuellen Geschäftslage weltweit (Bildquelle: Composites Germany)

Auch die Bewertung der Geschäftslage des eigenen Unternehmens ist vielfach weniger optimistisch. So bewerten etwa ein Drittel der Befragten die Lage ihres eigenen Unternehmens als eher negativ oder sogar sehr negativ. Hierbei zeigen sich je nach Region – Deutschland, Europa, weltweit – nur wenig Unterschiede.

Zukunftserwartungen hellen sich leicht auf

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Einschätzung der zukünftigen eigenen Geschäftslage (Bildquelle: Composites Germany)

Die Zukunftserwartungen der Unternehmen hellen sich demgegenüber im Vergleich zur letzten Befragung etwas auf. Die Befragten blicken sowohl für die Entwicklung der generellen, also auch er eigenen zukünftigen Entwicklung eher positiv in die die Zukunft. Die Entwicklung der eigenen Geschäftslage wird dabei nochmals optimistischer bewertet als die der generellen Geschäftslage.

Investitionsklima trübt sich ein

Im Gegensatz zu dieser eigentlich leicht optimistischen Sichtweise zeigen sich die Indikatoren für das Investitionsklima rückläufig. So gehen beispielsweise nur noch 29 Prozent der Befragten von einem steigenden Engagement ihres Unternehmens im Bereich Composites aus. Bei der letzten Befragung lag dieser Wert noch bei 37 Prozent. Über 60 Prozent der Befragten gehen von einem gleichbleibenden Engagement aus. Dementsprechend ist beispielsweise der Anteil derjenigen, die von Personalfreisetzungen für ihr Unternehmen ausgehen von acht Prozent auf über 20 Prozent gestiegen.

GFK als wichtigster Werkstoff

(Bildquelle: Composites Germany)

Wachstumstreiber – Material (Bildquelle: Composites Germany)

Bewerteten die Befragten bereits im Rahmen der letzten Markterhebung Asien als Weltregion, aus der die wesentlichen Wachstumsimpulse für das Composites-Segment zu erwarten sind, so setzt sich dieser Trend weiterhin fort. Europa und Deutschland verlieren, gemessen an den Nennungen, leicht gegenüber Asien.

Werkstoffseitig zeigt sich eine zentrale Änderung. Wurde von den Befragten bislang stets CFK als Material genannt, aus dessen Umfeld die wesentlichen Wachstumsimpulse für den Composites-Bereich zu erwarten sind, so wird aktuell erstmals GFK als wichtigster Werkstoff genannt.

Composites-Index weiterhin auf niedrigem Niveau

Der Composites-Development-Index gibt den Einschätzungen folgend vor allem im Bereich der aktuellen Bewertungen deutlich nach. Im Hinblick auf die zukünftigen Erwartungen pendelt er sich leicht ein oder nimmt sogar leicht zu.

(Bildquelle: Composites Germany)

Wachstumstreiber – MaterialComposites-Development-Index (Bildquelle: Composites Germany)

Betrachtet man aber die Bewertungen im Detail, beispielsweise die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage, so schätzen nach wie vor fast zwei Drittel der Befragten die Situation positiv ein. Das Bild trübt sich zwar ein, ist aber noch nicht als negativ zu bewerten.

Die anhaltende Abschwächung des Index, vor allem in Hinblick auf die Bewertung der aktuellen Situation beziehungsweise des Marktumfeldes muss dennoch sehr ernst genommen werden. Denn es zeigt weiterhin ein hohes Maß an Unzufriedenheit über verschiedene Wirtschaftsstandorte und -regionen hinweg. Dies scheint sich zu manifestieren scheint. Bislang ist es politisch anscheinend nicht gelungen, das wirtschaftliche Umfeld innerhalb des sehr internationalen Composites-Marktes positiv zu beeinflussen.

Die Auswirkungen einzelner gesamtwirtschaftlich negativer Entwicklungen wie Brexit, Zollpolitik der USA, Handelsstreitigkeiten führender Wirtschafts- und Industrienationen und Handelseinschränkungen mit China sowie eine stark nachlassende Wachstumsdynamik haben entscheidenden Einfluss auch auf die Composites-Produktion und -Verarbeitung. Vor allem der Mobilitätsbereich sei derzeit von enormen Umbrüchen und Unsicherheiten geprägt, so die Studie. Es bleibe zu hoffen, dass eine Beruhigung der Wirtschaft generell oder auch eine Entwicklung in anderen, eventuell aufstrebenden Wirtschaftsbereichen zu einer Verbesserung des Marktumfeldes beitragen können. Die Befragten jedenfalls schauen wieder etwas optimistischer in die Zukunft.

Die nächste Composites-Markterhebung erscheint im Juli/August 2020. (jhn)