Taiwan hat sich zu einem bedeutenden Maschinenexporteur entwickelt. Im Jahr 2018 führte die Branche gemäß Angaben der Taiwan Association of Machinery Industry (Tami) insgesamt Anlagen im Wert 27,208 Mrd. US-Dollar aus. Die Maschinen werden an zahlreiche Industriezweige geliefert, wobei Werkzeugmaschinen mit 13,4 % den größten Anteil ausmachten, gefolgt von Maschinen für die Chip- und Halbleiterfertigung mit 11,5 Prozent. Einen wichtigen Beitrag (4,3 %) steuerten aber auch die Hersteller von Anlagen für die Kunststoff- und Gummiverarbeitung bei. 2018 exportierten sie Maschinen im Wert von 1,171 Mrd. USD, 0,6 % mehr als im Jahr 2017. Bei einer Exportrate von 82,1 % belief sich der Wert der in Taiwan hergestellten Kunststoff- und Gummimaschinen total auf 1,427 Mrd. USD.

Zwar zollt die Branche, wie der gesamte internationale Maschinenbau, derzeit der abflauenden Weltkonjunktur Tribut – von Januar bis August 2019 gingen die Exporte von Kunststoff- und Gummimaschinen aus dem Inselstaat gegenüber der Vorjahresperiode um 16,9 Prozent zurück. Dennoch scheint die Branche gut aufgestellt, auch weil sie dabei ist, ihren Kundenkreis weiter zu internationalisieren. Bereits im Jahr 2018 nahmen die Exporte von Kunststoff- und Gummimaschinen an den Nachbarn China um 14,2 Prozent ab, dieser Rückgang konnte aber durch steigende Verkäufe in anderen Ländern und Regionen kompensiert werden. Die Ausfuhren in das wichtige Abnehmerland Japan zum Beispiel legten 2018 um 18,6 %, die in die USA um 18,1 % zu. Bemerkenswert ist der Anstieg der Exporte nach Deutschland um 85,1 Prozent, wodurch sich der Anteil des Ziellandes Deutschland an den Ausfuhren immerhin auf 1,2 % verdoppelte. Nummer Eins im Ranking der Zielländer taiwanischer Kunststoff- und Gummimaschinen blieb gleichwohl China (18,1 %), gefolgt von Vietnam (12 %).

Smarte Spritzgießfertigung

Die Podiumsteilnehmer beim Taiwan Expert Talk auf der K 2019 (Bildquelle: Ralf Mayer/Redaktion Plastverarbeiter)

Die Podiumsteilnehmer beim Taiwan Expert Talk auf der K 2019 (Bildquelle: Ralf Mayer/Redaktion Plastverarbeiter)

Passend zur Ausrichtung auf hochentwickelte Märkte und Schwellenländer setzen die taiwanischen Unternehmen auf Modernisierung und State-of-the-art-Produkte. Im Fokus stehen dabei aktuelle Kernthemen wie Nachhaltigkeit und Smart Manufacturing. „Die taiwanische Branche ist gut gerüstet für die Anforderungen angesichts Industrie 4.0 und nötiger Systemintegration“, betonte Hui Li Chiu, Direktor der Abteilung für Industrie-Marketing der taiwanischen Handelsförderungsorganisation Taitra (Taiwan External Trade Development Council) beim Taiwan Expert-Talk auf der K 2019. Mit einem Kontingent von rund 120 Ausstellerfirmen zeigte der Inselstaat eine starke Präsenz in Düsseldorf. Stellvertretend für die Branche präsentierten vier Unternehmen bei dem Expert-Talk ihrer Produktstrategien und aktuellen Exponate. Dazu gehörte die Fu Chun Shin Group (FCS), ein etablierter Hersteller von hydraulischen und servohydraulischen Spritzgießmaschinen. Den Anforderungen der Branche begegnet das Unternehmen mit dem innovativen Produktionsmanagementsystem IMF4.0 (Intelligent Manufacturing). Es führt auf Grundlage des internationalen Kommunikationsprotokolls OPC sowohl Werkzeugmanagement, Maschinenmanagement und Materialverwaltung zusammen und ermöglicht damit die unmittelbare Anzeige von OEE-Informationen (Overall Equipment Efficiency). Der Produktionsleiter kann den Produktionsstatus sofort erfassen. Die Effizienz wird damit maßgeblich verbessert, wie Hank Wu, Marketing Manager von FCS, in Düsseldorf betonte.

Mit einer unternehmenseigenen Produktionsmanagement-Plattform punktet auch die Huarong Group: Der taiwanische Hersteller von Spritzgießsystemen stattet seine Maschinen mit einer Factory Management Platform (HFM) aus, die Echtzeit-Informationen der Produktion vollständig autonom erfasst und bereithält, inklusive Frühwarnsystem bei auftretenden Anomalitäten. Gemäß Huarong-Plastics-Manager Ryan Hsjao können Produktionen damit intelligent automatisiert und optimal kontrolliert werden. Konventionelle Systeme, die vielmals oft noch auf manuell auf Papier erfassten Informationen der Mitarbeiter beruhen, würden künftig von solchen datenbankbasierten und systemübergreifenden Systemen abgelöst und führten die Kunststoffindustrie auf ein neues Effizienzniveau, prognostizierte Hsjao.

Als weiteres Leuchtturm-Unternehmen aus Taiwan präsentierte sich bei dem Expert-Talk der Spritzgieß-Systemhersteller Multiplas. David Wu, General Manager von Multiplas, beschrieb das Konzept smarter Fertigungszellen, die einen sehr hohen Automatisierungsgrad aufweisen. Das Unternehmen baut beispielsweise vollautomatisierte Produktionsanlagen für Schuhsohlen und realisierte sechsachsigen Roboterapplikationen innerhalb einer Produktionszelle.

Lösungen für das Kunststoffrecycling

Den Nachhaltigkeitsgedanken, den die taiwanesische Branche ebenfalls verfolgt, repräsentierte auf der Podiumsveranstaltung David Lo, Marketing Manager von Polystar. Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, baut der Recyclingmaschinen-Hersteller derzeit im Süden Taiwans, in Tainan, ein neues Produktionswerk, Polystar hat in seinen Maschinen den Prozessschritt vom Verdichter zum Extruder weiter optimiert. Eine Kombination aus Vakuumpumpvorrichtungen verbessert zudem das eingesetzte Doppelentgasungssystem. In der Filtration setzt das Unternehmen auf eine Zwei-Wege-Filtration mit hydraulischer Kontrolle, die einen kontinuierlichen Betrieb während eines Filterwechsels erlaubt.

„Taiwanische Firmen sind absolut konkurrenzfähig, sowohl hinsichtlich der Qualität und der Innovationskraft, als auch beim Preis“, fasste Ching-Yun Huang, Direktor des Taipei Representative Office in Deutschland, zusammen, der beim Expert-Talk die Rolle der taiwanischen Unternehmen in der Kunststoff- und Kautschukindustrie hervorhob.

Kontakt

Taiwan Trade Center Düsseldorf, Düsseldorf

https://duesseldorf.taiwantrade.com

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Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de