René Ziswiler, Leiter der Industriemessen der Messe Luzern (Bildquelle: Messe Luzern)

René Ziswiler, Leiter der Industriemessen der Messe Luzern (Bildquelle: Messe Luzern)

Die Swiss Plastics Expo findet drei Monate nach der K 2019 statt. Auf den ersten Blick erscheint diese Terminwahl problematisch. Wie positioniert sich die Messe in Luzern auch im Hinblick auf die zeitliche Nähe zu dem großen internationalen Branchenevent?

 René Ziswiler: Auf der K stellen nur rund 30 Auftragsfertiger aus, was etwa einem Prozent des gesamten Ausstellerkontingents entspricht. Im Unterschied dazu die Swiss Plastics Expo: Bei uns sind sehr viele Auftragsfertiger vor Ort, die über eigene Entwicklungs-, Konstruktions- und Formenbau-Abteilungen verfügen. Das heißt, wir sprechen zu 70 Prozent Besucher an, die aus den verschiedenen Absatzmärkten wie etwa der Medizintechnik oder dem Apparatebau kommen – also zum Beispiel Hersteller von Kaffeemaschinen, die keine eigene Kunststofffertigung haben.

Die Kunststoffindustrie – auch die schweizerische – befindet sich derzeit in einer schwierigen konjunkturellen Situation. Glauben Sie, dass dies einen Einfluss auf die Zahl der Besucher oder die Stimmung auf der Messe haben kann?

„Wir führen die Besucher zu den zehn für sie relevantesten Ausstellern.“

Ziswiler: Die Swiss Plastics Expo kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir sehen in der Schweiz ein eindeutiges Bild: Firmen, die konstant in ihre Entwicklung investiert haben, denen wird diese Delle wenig anhaben. Die Besucherzahlen sagen zudem nichts darüber aus, ob sich auf der Messe die richtigen Menschen getroffen haben oder ob dank der Messe Projekte beschleunigt wurden. Wir veranstalten nebst der Swiss Plastics Expo auch Kleinstmessen, wie etwa die Swiss Medtech Expo mit 1.500 Besuchern oder eine Messe für die Additive Fertigung in der gleichen Größenordnung. Diese Events könnte man 30 Mal in die neue Halle 1 der Messe Düsseldorf packen. Und trotzdem: Die Besucher und Aussteller sind voll des Lobes. Wir müssen uns unbedingt von der quantitativen Optik lösen. Nur auf Grösse und das Branding zu setzten, birgt Gefahren. Das hat ja gerade in Deutschland einigen grossen Messen den Kopf gekostet.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem neuartigen Website-Konzept?

Ziswiler: Unser neues Messekonzept, das in Europa einzigartig ist, verfolgt im Prinzip das gleiche Ziel wie Google. In einer Suchanfrage zum Stichwort Spritzguss erscheinen 1.2 Millionen Einträge. Google setzt aber alles daran, mir die zehn für mich relevantesten Inhalte anzuzeigen.  Das heißt, mir werden  Inhalte vermittelt, nach denen ich gar nicht explizit gesucht habe. Wir gehen auf unserer Messewebsite ähnlich vor: Wir führen die Besucher zu den zehn für sie relevantesten Ausstellern. Also zu denjenigen Anbietern, die ihre aktuellen Probleme lösen können – auch wenn sie diese Aussteller noch gar nicht kannten.

„Das Thema Nachhaltigkeit setzt ein radikales Umdenken voraus, und wir wollen den Zugang dazu bieten.“

Das Thema Nachhaltigkeit/Kreislaufwirtschaft nimmt auf der Swiss Plastics Expo einen breiten Raum ein. Welche konkreten Impulse, denken Sie, können schweizerische Unternehmen auf der Messe in Hinblick auf eine nachhaltige Betriebsführung erhalten?

Ziswiler: Es geht eben nicht um die eigene Betriebsführung, also um die Innensicht. Beim Thema Nachhaltigkeit kommt es primär darauf an, zu erkennen, was die Kunden verlangen. Nur diejenigen Firmen, die dies verstehen, werden den Sprung langfristig schaffen. Letztendlich geht es darum, wie man mit Konzepten für die Kreislaufwirtschaft Geld verdienen kann. Genau da setzen wir mit unserem Konzept an: Das Thema Nachhaltigkeit setzt ein radikales Umdenken voraus, und wir wollen den Zugang dazu bieten. Wir realisieren dies mit:

  • Unternehmen (mehrheitlich Start-ups), die nicht unbedingt eine Kunststoff DNA haben aber den Wechsel zur Nachhaltigkeit unterstützen können
  • ganz konkreten Praxisbeispielen von Ausstellern sowie 36 Fachreferaten allein zum Thema Nachhaltigkeit.

Über uns

Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de