Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender von Lanxess, verfolgt ambitionierte Klimaschutzziele. (Bildquelle: Lanxess)

Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender von Lanxess, verfolgt ambitionierte Klimaschutzziele. (Bildquelle: Lanxess)

„Im Pariser Klimavertrag hat die Weltgemeinschaft beschlossen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Das erfordert massive Anstrengungen aller Beteiligten. Mit unserem neuen Ziel, 2040 klimaneutral zu sein, werden wir unserer Verantwortung als globaler Spezialchemie-Konzern gerecht. Gleichzeitig sind wir künftig für unsere Kunden ein noch nachhaltigerer Partner“, sagte Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender von Lanxess. Zudem verwies er auf die langfristige Kostensenkung durch mehr Ressourceneffizienz: „Klimaschutz ist ein Business Case“, so Zachert.

Strategie zur Senkung von Emissionen

Der Konzern setzt an drei Stellschrauben an, um bis 2040 klimaneutral zu werden.

  • Klimaschutzprojekte mit großem Reduktionshebel initiieren:  Lanxess setzt in den kommenden Jahren Sonderprojekte um, die zu einer signifikanten Reduzierung von Treibhausgasen führen sollen. So baut der Konzern am Standort Antwerpen, Belgien, derzeit eine Anlage zur Zersetzung von Lachgas. Die neue Anlage geht 2020 in Betrieb und reduziert die jährlichen Emissionen des Treibhausgases um rund 150.000 Tonnen CO2e. Nach der Installation einer zweiten Ausbaustufe im Jahr 2023 wird der CO2e-Ausstoß um weitere 300.000 Tonnen sinken. Darüber hinaus stellt der Konzern die Energieversorgung seiner indischen Standorte vollständig auf regenerative Quellen um. Der Konzern baut dort die Versorgung mit Biomasse und Solarenergie massiv aus und verzichtet künftig auf den Einsatz von Kohle und Gas. Dadurch sinkt der CO2e-Ausstoß gemäß Lanxess ab 2024 um weitere 150.000 Tonnen. Mit diesen Projekten und weiteren Maßnahmen will die Gruppe ihren CO2e-Ausstoß bis 2025 insgesamt um 800.000 Tonnen und wird dafür bis zu 100 Millionen Euro investieren. 
  • Emissionen und Wachstum entkoppeln: Lanxess ist auf Wachstumskurs. Doch trotz steigender Produktionsmenge soll der Ausstoß von Treibhausgasen in den einzelnen Geschäftsbereichen sinken. Neben technischen Effizienzmaßnahmen spielen veränderte Governance-Instrumente eine Rolle: So wird der Einfluss auf die CO2e-Bilanz zum Investitionskriterium bei organischem Wachstum und Akquisitionen. Geschäftsbereiche, die ihre Treibhausgas-Emissionen überdurchschnittlich stark senken, haben so einen direkten finanziellen Vorteil. Darüber hinaus wird die CO2e-Reduktion zum Bewertungskriterium im Bonussystem für Führungskräfte und Vorstand.
  • Prozess- und Technologieinnovationen stärken: Um bis 2040 klimaneutral zu werden, überarbeitet Lanxess bestehende Produktionsverfahren. So will der Konzern seine Verbundstrukturen weiter verbessern, etwa im Bereich Wärmeaustausch zwischen den Betrieben oder bei der Abluftreinigung. Andere Verfahren müssen erst noch im großtechnischen Maßstab entwickelt werden. Der Konzern richtet daher seine Forschung stärker auf klimaneutrale Prozess- und Technologieinnovationen aus.

Politik muss Beitrag leisten

„Mit unserer Klimainitiative machen wir ein Angebot an die Politik. Das können wir aber nur realisieren, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft.“ Mit Blick auf das derzeit laufende Gesetzgebungsverfahren zur Umsetzung des Klimapakets der Bundesregierung sagte Zachert: „Engagierter Klimaschutz darf nicht unsere Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Das muss die Politik bei der konkreten Ausgestaltung ihres Klimapakets berücksichtigen.“ Insbesondere mahnte Zachert an, im funktionierenden europäischen Emissionshandel eine Doppelbelastung der Industrie durch nationale Systeme zu vermeiden. Diese ist momentan noch im aktuellen Gesetzentwurf über ein nationales Emissionshandelssystem für Brennstoffemissionen (BEHG) enthalten. „Kurzfristig brauchen wir wieder wettbewerbsfähige Energiepreise, und langfristig werden wir nur dann substanzielle klimaneutrale Lösungen erzielen können, wenn auch erneuerbare Energien in ausreichender Kapazität und zu industriegerechten Preisen vorhanden sind.“

50 Prozent weniger Treibhausgase seit Gründung des Unternehmens

Auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit ist Lanxess seit seiner Gründung deutlich vorangekommen. Von 2004 bis 2018 hat der Konzern den Ausstoß von Treibhausgasen nach eigener Auskunft halbiert – von rund 6,5 Millionen Tonnen CO2e auf etwa 3,2 Millionen Tonnen CO2e. Einen substantiellen Beitrag dazu hat etwa die 2009 in Betrieb genommene Lachgas-Reduktionsanlage in Krefeld-Uerdingen geleistet.

 

Zur Messung seiner klimarelevanten Emissionen betrachtet LANXESS den Ausstoß der im Kyoto-Protokoll definierten Treibhausgase und rechnet mit ihrer Treibhauswirksamkeit im Vergleich zu Kohlenstoffdioxid (CO2e). Dabei bezieht der Spezialchemie-Konzern die Emissionen aus der eigenen Produktion (Scope 1) und aus fremden Energiequellen (Scope 2) in die Berechnung ein.