Günter Stephan, Head of Mechanical Recycling bei Borealis Circular Economy Solutions (links) und Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, Head of Product Management bei Lindner (rechts) freuen sich auf weitere gemeinsame Recycling-Projekte. (Bildquelle: Lindner)

Günter Stephan, Head of Mechanical Recycling bei Borealis Circular Economy Solutions (links) und Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, Head of Product Management bei Lindner (rechts) freuen sich auf weitere gemeinsame Recycling-Projekte. (Bildquelle: Lindner)

Trifft man Günter Stephan, Head of Mechanical Recycling bei Borealis Circular Economy Solutions, wird schnell klar, dass der Konzern die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Als eines der ersten großen Unternehmen in der Kunststoffbranche erwarb Borealis im Jahr 2016 mit MTM Plastics einen Kunststoffrecyclingbetrieb. Zwei Jahre später wurde mit dem österreichischen Unternehmen Ecoplast ein weiterer Kunststoff-Aufbereiter Teil der Borealis Gruppe. Nun arbeitet man weiter daran, die Entwicklung der Circular Economy voranzutreiben. „Wir finden Kunststoff ist ein fantastischer Werkstoff, der viel zu schade ist, um weggeworfen zu werden“, erklärt Stephan, „deshalb setzen wir mit unseren Partnern entlang der Wertschöpfungskette konkrete Maßnahmen, um die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in unserer Branche in einem größeren Maßstab umzusetzen.“ Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Durch vereintes Know-how entstehen immer höherwertige Granulate und innovative Produkte, wie das hundertprozentige Regranulat Purpolen, das sich für die Herstellung von Consumer-Markenartikel eignet.

Mechanisches Recycling ist ökologisch effizient

Laut Stephan ist derzeit das mechanische Recycling die öko-effizienteste Methode, um die Prinzipien der Circular Economy umzusetzen. Dazu nutzt Borealis auch die Erfahrungen und Technologie von etablierten Unternehmen der Recyclingindustrie wie Lindner Recyclingtech, dem österreichischen Spezialisten für Zerkleinerungstechnik und Abfallaufbereitung. „Aus Prozesssicht beginnt das Recycling beim Aufbereiter mit der Zerkleinerung, Sortierung und Reinigung von Abfällen“, erklärt Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, Head of Product Management bei Lindner, „als einer der führenden Anbieter von Systemlösungen in diesem Bereich wissen wir, dass es bei der Kreislaufwirtschaft auch stark auf die wirtschaftliche Komponente des gesamten Prozesses ankommt. Gerade deshalb sind Kooperationen mit Unternehmen aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette besonders wichtig. Nur wenn alle Aggregate und Prozesse gut aufeinander abgestimmt sind, lässt sich hochqualitatives, mit Primärmaterial vergleichbares Regranulat kosteneffizient herstellen.“

Partnerschaft für wirtschaftlichen Erfolg

Wie solche Kooperationen aussehen können, zeigt die Projektgruppe Circumat. Die Mitglieder dieses Zusammenschluss, das Landes-Abfallverwertungsunternehmen LAVU, das Transfercenter für Kunststofftechnik (TCKT), die Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) und die Industriepartner Erema, Greiner Packaging, Innplast Kunststoffe, Lindner und Borealis mit MTM Plastics haben es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam technisch anspruchsvolle Produkte aus Rezyklat zu entwickeln und damit neue Anwendungsbereiche aufzuzeigen. Als Pilotprojekt wurde der Recycling-Öli realisiert.

Rezyklat im Praxiseinsatz

Der Altspeiseöl-Sammeleimer Recycling-Öli besteht zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Post-Consumer-Hartkunststoff und erfüllt die hohen technischen Anforderungen. (Bildquelle: Lindner)

Der Altspeiseöl-Sammeleimer Recycling-Öli besteht zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Post-Consumer-Hartkunststoff und erfüllt die hohen technischen Anforderungen. (Bildquelle: Lindner)

Der Öli ist ein Mehrweg-Eimer für die Sammlung von Altölen aus Haushalten und der Gastronomie im DACH-Raum und bestand bisher aus Polypropylen-Neumaterial. Durch die Zusammenarbeit ist es nun gelungen, einen Eimer aus 100 Prozent recyceltem Post-Consumer-Hartkunststoff herzustellen, der dieselben Anwendungseigenschaften wie der alte, aus Primärmaterial hergestellte Behälter hat. Beispielsweise muss der Eimer bis 400 kg Druckkraft formbeständig und bis 80 °C hitzebeständig sein sowie eine Maßgenauigkeit von ± 1/10 mm aufweisen. Der Recycling-Öli wird zukünftig nach und nach den bestehenden Öli ersetzen. „Das Projekt Recycling-Öli hat gezeigt, was mit alten Kunststoffen durch Upcycling möglich ist. In Zukunft werden wir sicher noch mehr spannende Anwendungsgebiete und neue Produkte aus hochwertigen Rezyklaten sehen“, fasst Scheiflinger-Ehrenwerth abschließend zusammen.

[ega]