Dr. Stefan Gräter und Dr. Andreas Kicherer zeigen eine Probe von Pyrolyseöl und damit hergestellten Kunststoff vor dem Steamcracker. (Bildquelle: BASF)

Dr. Stefan Gräter und Dr. Andreas Kicherer zeigen eine Probe von Pyrolyseöl und damit hergestellten Kunststoff vor dem Steamcracker. (Bildquelle: BASF)

Storopack, ein global tätiges Unternehmen für Schutzverpackungen und technische Formteile, produzierte aus Styropor P Ccycled Isolierverpackungen für temperaturempfindliche, pharmazeutische Produkte, Boxen zum Transport von Frischfisch sowie Schutzverpackungen für Elektrogeräte. „Für Styropor gibt es bereits verschiedene Recyclingmöglichkeiten, und durch Chemcycling kann der Recyclinganteil weiter erhöht werden“, sagt Storopack-Geschäftsführer Hermann Reichenecker. Südpack, ein führender Produzent von Folienverpackungen in Europa, stellte eine PA-Folie und eine PE-Folie her, die zu einer speziell versiegelten Mozzarella-Verpackung verarbeitet wurden. Mehrschichtverpackungen gelten bisher als eingeschränkt recyclingfähig. „Durch Innovationen wie Chemcycling kommen wir der Lösung der Probleme der Recycelbarkeit von flexiblen Verpackungen näher“, so Johannes Remmele, Geschäftsführer von Südpack.

Gleiche Qualität wie Neuware

„Solche Pilotprojekte mit Kunden aus verschiedenen Industrien zeigen, dass Produkte auf Basis von chemisch recycelten Rohstoffen über die gleiche hohe Qualität und Leistungsfähigkeit verfügen wie Produkte aus Neuware“, sagt Jürgen Becky, Senior Vice President BASF Performance Materials. „Chemcycling, bei dem der Anteil des recycelten Materials über den Massenbilanzansatz dem Endprodukt rechnerisch zugewiesen wird, kann unseren Kunden helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“. Die zertifizierten Produkte sind durch den Zusatz „Ccycled” gekennzeichnet. Die nun präsentierten Prototypen sind Teil der laufenden Pilotphase des Chemcycling-Projekts. BASF hat sich zum Ziel gesetzt, Pyrolyseöl aus Kunststoffabfällen zu verarbeiten, die derzeit nicht recycelt werden, wie beispielsweise gemischte oder verunreinigte Kunststoffe. „Wenn es gelingt, das Projekt zur Marktreife zu entwickeln, kann ChemCycling als innovative Ergänzung zu bestehenden Prozessen für Recycling und Wiederverwertung zur Lösung des Plastikmüllproblems beitragen“, sagt Stefan Gräter, Leiter des Chemcycling-Projekts bei BASF.

Potenzial des chemischen Recyclings

Das große Potenzial von chemischem Recycling bestätigt die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie vom Dezember 2018: Werden etablierte und neue Recyclingverfahren wie das chemische Recycling kombiniert, halten die Experten bis 2030 eine weltweite Recyclingquote für Kunststoffe von 50 Prozent für möglich (heute: 16 Prozent). Der Anteil des chemischen Recyclings könnte dann von derzeit einem Prozent auf rund 17 Prozent ansteigen, was der Verwertung von 74 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen entspricht.

Von der Pilotphase bis zur Marktreife müssen jedoch noch verschiedene Aspekte geklärt werden. Die existierenden Technologien zur Umwandlung von Kunststoffabfällen in Recycling-Rohstoffe müssen weiterentwickelt und für die Nutzung im großindustriellen Maßstab angepasst werden, um eine durchgängig hohe Qualität des Pyrolyseöls sicherzustellen. BASF prüft derzeit verschiedene Optionen, wie der Produktionsverbund des Unternehmens langfristig mit kommerziellen Mengen an Pyrolyseöl versorgt werden kann. Damit chemisches Recycling im Markt Akzeptanz findet, müssen darüber hinaus Regulierungsbehörden das Verfahren offiziell als Recycling anerkennen.

 

Halle/Stand 5/C21/D21