Das Unternehmen konzipiert die einbaufertige Lösung für eine prozesssichere, materialschonende und materialsparende Formteileherstellung. (Bildquelle: Günther)

Das Unternehmen konzipiert die einbaufertige Lösung für eine prozesssichere, materialschonende und materialsparende Formteileherstellung. (Bildquelle: Günther)

Der Silikon-Markt bis 2025 durchschnittlich jährlich um 3,9 Prozent wachsen. Der Werkstoff hat den Vorteil, dass er nachbearbeitungsfrei ist und man ihn vollautomatisch verarbeiten kann. Günther Heißkanaltechnik kann auch auf eine 20-jährige Expertise in der Kaltkanaltechnologie verweisen. Im Rahmen der weltgrößten Kunststoff Messe K das Unternehmen legt einen Messeschwerpunkt auf das neue Portfolio an innovativer Technik rund um die Silikon- und LSR-Verarbeitung.

Hightech-Materialeigenschaften bei rationeller Fertigung

Produkte aus Liquid Silicone Rubber (LSR) sind aufgrund der universellen Materialeigenschaften vielseitig einsetzbar. In der Automobilindustrie reicht dies beispielsweise von Schalterabdeckungen und Schutzkappen über Membranen für Zentralverriegelungen bis hin zu Scheinwerferabdichtungen. Die Elektrotechnik nutzt das Material als Schaltmatten oder Anodenkappen bis hin zu Elektrosteckern oder als Schutzmaterial für Leiterplatten. Auch in der Medizintechnik werden LSR-Komponenten etwa als Herzkatheter, Trink- und Beruhigungsschnuller, Kontaktlinsen oder Beatmungsmasken verwendet. Dichtringe, Strahleinsätze oder Dichtungen für Mischbatterien sind Anwendungen aus der Haushalts- und Sanitärtechnik. Die Lebensmittelindustrie schätzt die physiologische Unbedenklichkeit bestimmter zugelassener Typen sowie die Sterilisierbarkeit mittels Hitze oder Gamma-Strahlen, aber auch, dass der Werkstoff geschmacks- und geruchsneutral ist.

Hans-Peter Resler, Technical Advisor LIM bei Enbi Plastics BV, erklärt die Besonderheiten der LSR-Verarbeitung. (Bildquelle: Harald Wollstadt)

Hans-Peter Resler, Technical Advisor LIM bei Enbi Plastics BV, erklärt die Besonderheiten der LSR-Verarbeitung. (Bildquelle: Harald Wollstadt)

Dank der Weiterentwicklung der Werkstoffeigenschaften eröffnen sich zunehmend neue Anwendungsgebiete, weiß Hans-Peter Resler, Technical Advisor LIM bei Enbi Plastics BV in Holland zu berichten, der den Markt von Beginn an begleitet. Enbi Plastics versteht sich als Wissensvermittler und Co-Creator im Bereich Kunststoff- und Silikonprodukte. „Gerade die Materialeigenschaften wie Dauertemperatur-Beständigkeit im Bereich von -50 C bis 230 C oder annähernd unveränderte gummimechanische Eigenschaften über den gesamten Temperatur-Einsatzbereich machen den Werkstoff so interessant. Die fast konstanten elektrischen Eigenschaften, hervorragende Alterungs- und Witterungsbeständigkeit sowie Ozon- und UV-Stabilität sind ebenso zu nennen, wie die zusätzlichen Material-Einstellungsmöglichkeiten wie beispielsweise ölausschwitzend (selbstschmierend), verminderte Entflammbarkeit, erhöhte Transparenz oder eine erhöhte Shore-A-Härte.“

Die hohe Kunst der Wärmebeherrschung

Mit derselben Leidenschaft, mit der Günther Heißkanalsysteme konstruiert, konfiguriert man in Frankenberg auch Kaltkanallösungen zur LSR-Verarbeitung. Der Einsatz von von Kaltkanalsystemen des Herstellers stellt eine hohe Verfügbarkeit, eine signifikante Einsparung von Material, bestmögliche Zykluszeiten und eine gleichmäßige, ausgezeichnete Qualität der produzierten Formteile sicher. Die Kaltkanaldüsen weisen eine gute thermische Trennung zur heißen Formplatte auf. Damit wird eine Wärmeübertragung vermindert und eine frühzeitige Vernetzung unterbunden. Die schwimmende Lagerung der Nadelführung oder des Düsenstücks trägt darüber hinaus zu einer hervorragenden Kompensierung der Wärmeausdehnung bei. Um ein Optimum bei der thermischen Trennung zur heißen Düsenhalteplatte sicherzustellen, sind alle Düsenköpfe mit einer Isolationsscheibe ausgerüstet. Die beheizte Düsenhalteplatte ist ebenfalls mit einer Isolationsplatte ausgestattet, um die Wärmeausstrahlung möglichst gering zu halten. Der metallische Kontakt der Nadelführung zum beheizten Werkzeugeinsatz ist auf ein Minimum ausgelegt, um möglichst wenig Wärme in die Kaltkanaldüse zu transportieren. „Da hat Günther sehr viel Erfahrung und Know-how gesammelt und intelligent verwertet,“ merkt Resler aus Sicht eines LSR-Experten an. Des Weiteren ist der Düsenschaft mit einem Dichtring ausgeführt, was eine zusätzliche Leckagesicherheit bewirkt.

Die Düsen können entweder einzeln oder in einem Sammelgehäuse für engere Nestabstände mit gemeinsamem Zu- und Ablauf zum Einsatz kommen. Dank der variablen Nadelhub-Einstellung können Füllunterschiede leicht ausgeglichen werden. Das wartungsfreundliche, balancierte Kaltkanal-Verteilersystem weist eine schonende Führung im Schmelzekanal auf. Konzipiert ist das System so, dass es für die Reinigung leicht demontiert und geöffnet werden kann. Ebenso ist im Bedarfsfall ein schnelles und einfaches Austauschen der standardisierten Verschleißteile wie Düsenstück, Nadelführung, Nadeln und Dichtungen möglich.

Für komplexe Anwendungen

Beim Einsatz von Kaltkanalsystemen in der LSR-Verarbeitung lassen sich mittels Durchflussregulierung die Kavitäten gleichmäßiger befüllen. Unterschiedliche Positionierungen der Nadel haben unmittelbaren Einfluss auf das Füllverhalten: Je größer der Öffnungshub der Nadeln, umso mehr Material kann fließen. (Bildquelle: GÜNTHER)

Beim Einsatz von Kaltkanalsystemen in der LSR-Verarbeitung lassen sich mittels Durchflussregulierung die Kavitäten gleichmäßiger befüllen. Unterschiedliche Positionierungen der Nadel haben unmittelbaren Einfluss auf das Füllverhalten: Je größer der Öffnungshub der Nadeln, umso mehr Material kann fließen. (Bildquelle: GÜNTHER)

Zum Kaltkanalsystem-Portfolio des Unternehmens gehören die Einzel-Nadelverschluss-Kaltkanaldüse 5NEW80, die Einzel-Kaltkanaldüse 5DEW80, die System-Kaltkanaldüse TYP NKW und die System-Kaltkanaldüse Typ NMW sowie der Schrittmotor SMA 10 für komplexe Anwendungen mit bis zu vier verschiedenen Nadelpositionen pro Zyklus. Über das Steuergerät DPE können bis zu 16 Schrittmotoren hochpräzise angesteuert werden. Zudem kann mit dem Steuergerät die Position jeder einzelnen Verschlussnadel im Werkzeug individuell eingestellt werden. Weiter gehören zum Kaltkanal-Portfolio des Unternehmens auch der Schiebemechanismus Typ ANES sowie der pneumatische Mehrfachnadelantrieb Typ ANEH. Das Unternehmen bietet aber auch eine komplette Kalte Seite an, die als Normalie zugekauft werden kann und sich effizient in die entsprechenden Werkzeuge integrieren lässt.

Auf der K 2019 wird das Unternehmen neben seiner innovativen Kaltkanaltechnologie auch weitere Neuigkeiten präsentieren. Mit der Produkteinführung der BlueFlow-Heißkanaldüse setzte das Unternehmen auf der K2010 neue Maßstäbe in punkto Energiesparen und eines besonders schlanken Düsenaufbaus. Nun gibt es neun Jahre nach der Erst-Präsentation der „Blauen Düse“ Neuigkeiten zur Blueflow-Produktreihe, die aber erst auf der Messe gezeigt werden.

Im Rahmen der K wird das Unternehmen aber auch den Relaunch des CADHOC-System-Designers, des Konfigurationsprogramms für Einzelkomponenten bis hin zu kompletten Heißkanalsystemen, vorstellen. Über die Zeit hat man die Anregungen der Anwender gesammelt, die sich jetzt im Relaunch widerspiegeln. So wurde nicht nur die Usability des Konfigurationsprogramms verbessert, sondern es wurden auch neue Speicherfunktionen für die Konfigurationen implementiert. Damit hat der Anwender seine durchgeführten Konfigurationen immer zur Hand und kann sie bei Bedarf als Vorlage für neue Auslegungen nutzen. Weitere Features des CADHOC-System-Designers werden auf der K Messe der Öffentlichkeit präsentiert.

 

K 2019: Halle/ Stand  1/C44

 

Über den Autor

Horst-Werner Bremmer

ist Leiter Anwendungstechnische Beratung und Vertrieb bei Günther Heisskanaltechnik in Frankenberg (Eder).