Um das Wegwerfen von Lebensmitteln nicht weiter in die Höhe zu treiben, kann auf Verpackungen aus Kunststoff nicht verzichtet werden. Sie erhöhen die Lagerstabilität und Haltbarkeit von schnell verderblicher Ware. Leider werden die verschiedenen Aspekte im Umgang mit Kunststoff in den Massenmedien überwiegend negativ dargestellt und nicht hinreichend erläutert. Um das bessere Verständnis der nachwachsenden Generationen für Kunststoffverpackungen zu fördern, sollte in den Abschlussklassen (9, 10 und 12) wenigstens einmal pro Monat in eine Stunde „Umweltwirtschaft in Haushalten“ investiert werden. Denn für den richtigen Blickwinkel ist Aufklärung unerlässlich.

Die Deutschen sind Europameister

Deutschland belegt mit 220,5 kg produziertem Verpackungsmüll pro Einwohner und Jahr einen traurigen Spitzenplatz in Europa. Zum Vergleich: Der EU-Mittelwert liegt bei 167,3 kg. Im Angebot der Lebensmittelmärkte befinden sich immer mehr kleine Verpackungen für Singlehaushalte. Dies führt zu einer großen Angebotsauswahl von beispielsweise Käse und Wurstwaren. Anfangs waren in der Regel 200 bis 300 g Ware verpackt. Das Ausweiten des Sortiments von verschiedenen Sorten in Kleinmengen wird vom Verbraucher gut angenommen. Allerdings wird für 80 g Aufschnitt nahezu die gleiche Menge Verpackungsmaterial benötigt wie für 200 bis 300 g, denn die kleinere Menge wird großflächiger präsentiert. Damit steigt nicht nur die Auswahl des Sortiments, sondern zwangsläufig die Menge des anfallenden Kunststoffabfalls.

Das neue Verpackungsgesetz soll den Verpackungsmüll reduzieren beziehungsweise den Packmittelnutzen verbessern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen „5-Punkte-Plan“ mit Maßnahmen für weniger Kunststoff und mehr Recycling vorgestellt. Dieser sieht gesetzliche und freiwillige Maßnahmen zum Vermeiden von Kunststoff vor. Es soll mehr Ware unverpackt angeboten und an der Frischetheke das Einwiegen in private Mehrwegbehälter ermöglicht werden. Dass Folienverpackungen dem Produktschutz dienen und der Lebensmittelverschwendung vorbeugen, wird dabei nicht bedacht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Diskussionen sind die Gesundheitsrisiken durch Kunststoffverpackungen. So wird beispielsweise angeführt, dass die im Kunststoff enthaltenen Additive auf die Lebensmittel oder unter Sonneneinstrahlung/Erwärmung auf das in die PET-Flasche abgefüllte Getränk übergehen. Ohne die Kunststoffverpackungen wurde das Füllgut im unverpackten Zustand sofort oder zeitnah verderben. Erst durch das in PET-Flaschen abgefüllte Wasser kann zum Beispiel in Ländern der Dritten Welt sichergestellt werden, dass Säuglingsnahrung keimfrei zubereitet werden kann. Somit leisten die Kunststoffverpackungen einen wichtigen Beitrag, um die Weltbevölkerung ernähren zu können.

Veränderung und Umdenken notwendig

Die Transport- und Verpackungsvorschriften der produzierenden Betriebe müssen dahingehend verändert werden, dass in Sekundärverpackungen vermehrt Rezyklate eingesetzt werden dürfen. Außerdem müssen die Recyclingbetriebe auf den neusten Stand der Technik aufgerüstet werden, um ein vernünftiges Trennen des Kunststoffabfalls zu ermöglichen. Bei PET funktioniert dies seit Jahren, indem aus dem PET-Abfall unter anderem funktionale Sport- und Outdoorkleidung hergestellt wird. Ein weiteres Beispiel sind Bauprodukte oder auch Kunststoffhülsen, deren Rohstoffe ein französisches Recyclingunternehmen aus Post-Consumer-Abfällen herstellt.

Recycling ist der richtige Weg raus aus der Packmitteldiskussion. Die Inverkehrbringer von Verpackungen, die Supermärkte, müssen ihre Ansprüche verändern und die Endkunden aufklären. Wo wäre es einfacher, als weltweit über die Plattform der Supermärkte den Verbraucher zu informieren und aufzuklären, warum sich etwas ändern muss?

Ansätze für Rezyklateinsatz vorhanden

Verpackungsfolien sind häufig mehrlagig aufgebaut, sodass sie nicht als sortenreines Produkt recycelt werden können. (Bildquelle: Pierre Lorenz)

Verpackungsfolien sind häufig mehrlagig aufgebaut, sodass sie nicht als sortenreines Produkt recycelt werden können. (Bildquelle: Pierre Lorenz)

Ein gängiger Aufbau von am Markt erhältlichen Nudelverpackungen besteht aus OPP (orientiertem Polypropylen) – Druckfarbe – Klebstoff – OPP. Hier wäre denkbar, die äußere Schicht OPP aus Regeneraten herzustellen, da nur die innere Schicht das Lebensmittel und somit ursprüngliche Ware berührt. Leider kann dieser Ansatz aufgrund des aktuell geltenden Europäischen Verpackungsgesetz nicht umgesetzt werden. Ansatzmöglichkeiten wären denkbar hier ein rPET einzusetzen, aber hier ist weder das Verpackungsgesetz noch unser Recycling-Aufbereitungsfluss aktuell in der Lage dies abzubilden.

Neuentwickelte Lösungen müssen die Hürde des EU-Verpackungsgesetzes nehmen, bevor sie am Markt eingesetzt werden können. (Bildquelle: Pierre Lorenz)

Neuentwickelte Lösungen müssen die Hürde des EU-Verpackungsgesetzes nehmen, bevor sie am Markt eingesetzt werden können. (Bildquelle: Pierre Lorenz)

Die Beispiele zeigen, dass Ideen, Regenerate zielführend einzusetzen, vorliegen, auf denen sich aufbauen lässt. Sie müssen allerdings auch gefördert werden und bekannt sein. Stetige Absprachen mit den Einkäufern der Folien produzierenden Extrusionsbetriebe helfen, direkten Einfluss auf die Rohstoff- und Rezyklatauswahl zu nehmen. Basierend darauf können optimierte Folienqualitäten entwickelt und bestimmt werden.

Nicht zuletzt muss der Verbraucher informiert sein. An dieser Stelle kommt wieder die Idee ins Spiel, die Aufklärungsarbeit bereits in den Schulen beginnen zu lassen. Hierfür sind jedoch Gespräche mit den Schulministerien sowie der Kultusministerkonferenz notwendig, um das Projekt „Lehrfach Umweltwirtschaft“ in die Lehrpläne der Länder aufzunehmen. Der Kontakt ist aufgebaut, jedoch wurde noch kein Termin für ein erstes Treffen vereinbart. Kommt es zur Einführung dieses Unterrichtsfaches, sollte der Unterricht durch einen Experten aus der Praxis begleitet werden. Der Weg wird sich lohnen, machen wir den ersten Schritt.

 

 

Titelbild: Im Haushaltsmüll befinden sich verschiedenste Verpackungen, die es zu recyceln gilt. (Bildquelle: Yuli/adobe.stock.com)

 

Über den Autor

Pierre Lorenz

ist Technical Service Flexible-, Rigid Packaging Central, Northern Europe, bei Resinex in Zwingenberg.