Blick in den Aufbereitungsprozess von Kunststoffabfällen. (Bildquelle: alle Mtm Plastics)

Blick in den Aufbereitungsprozess von Kunststoffabfällen. (Bildquelle: Mtm Plastics)

Mit dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne werden haushaltsnah gebrauchte Verkaufsverpackungen gesammelt, deren überwiegende Mehrzahl aus Kunststoff besteht. Einige andere Dinge landen auch in der Sammlung, zum Beispiel Müll, der dort nicht hineingehört und entsorgt werden muss. Oder auch solche, die zwar aus Kunststoff bestehen, aber keine Verkaufsverpackungen darstellen. In Summe werden über dieses duale Abfallsystem im Jahr rund zwei Millionen Tonnen Kunststoffe eingesammelt. Das ist – neben weiteren kunststoffhaltigen Stoffströmen wie Gewerbeabfälle oder Sperrmüll – die wesentliche Quelle für Kunststoffrecycler, um daraus marktfähige Rezyklate herzustellen. Abnehmer sind Kunststoffverarbeiter, die zunehmend von ihren Kunden gedrängt werden, Recyclingkunststoffe in deren Produkten unterzubringen. Was die Kunststoffverarbeiter von den Recyclingbetrieben wollen, sind in der Regel sogenannte hochwertige Regranulate, die sich kaum bis gar nicht von Neuware unterscheiden. Geht das überhaupt mit dem Input aus dem Gelben Sack? Klare Antwort: Ja und Nein.

Fangen wir mit dem Nein an: Recycler können zwar viel, aber nicht zaubern. Das heißt, aus Müll können sie auch keine hochwertigen Produkte herstellen. Und Müll im Sinne von „nicht recyclebar“ ist in der Ballenware mit Kunststoffabfällen aus dem Gelben Sack reichlich vorhanden. Das fängt mit dem Anliefern nicht spezifikationsgerechter Ballenware an. Untersuchungen von GBP Quality haben für den Zeitraum September 2018 bis März 2019 bei den geprüften Ballen zahllose Abweichungen von den vereinbarten Spezifikationen festgestellt. Das heißt, dass der festgelegte Anteil an verwertbarem Material („Gutmaterial“) regelmäßig unterschritten und der zulässige Störstoffanteil bei 80 Prozent der Proben überschritten wird. Das bedeutet nicht nur eine geringe Ausbeute, sondern auch einen vermehrten Aufwand an Nachsortieren und Entsorgen von Reststoffen. Recycler kommen mit den wirtschaftlichen Folgen solcher Verunreinigungen nur klar, wenn sie mit ihren Lieferanten, den Sortieranlagen, finanzielle Kompensationen vereinbaren.

Schwarz ist problematisch

Regranulate in verschiedenen Farben. (Bildquelle: Mtm Plastics)

Regranulate in verschiedenen Farben. (Bildquelle: Mtm Plastics)

Weiter geht es mit der Zusammensetzung der Verpackungen, die ein Recycling erschweren bis unmöglich machen. Aus einer schwarzen Flasche kann kein transparentes Kunststoffgranulat hergestellt werden. Sie kann bisher nicht einmal sortiert werden, weil schwarze und sehr dunkle Oberflächen das beim optischen Sortieren eingesetzte Licht absorbieren. Der Einsatz von sortierfähigem Schwarz löst das Problem auch nicht, denn nicht alle Sortierer können dieses besondere Schwarz schon technisch aussortieren. Außerdem entstehen mindestens zwei weitere schwarze Rezyklatströme (PE und PP), für die erst einmal ein Markt entwickelt werden müsste. Die optischen Sortierverfahren sind zudem sehr ineffizient und umso teurer, je kleiner die auszusortierenden Zielmengen sind. Um die Zielqualität, in diesem Fall schwarze PP- und schwarze PE-Verpackungen, zu erzeugen, muss der Verlust vergleichsweise großer Mengen an anderen Gutmaterialien in Kauf genommen werden. Bei allem anerkennenswerten guten Willen, recyclinggerechtes Design sieht anders aus.

Auch Farbpigmente im Allgemeinen und gasende Druckfarben, die ausschließlich aus Marketingüberlegungen eingesetzt werden, stellen ein großes Problem für die Rezyklatqualität dar, denn sie können mit der vorhandenen Recyclingtechnik nicht entfernt werden. Ein Weiteres ist der vielfach vorzufindende Materialmix in Verpackungen: Insbesondere die Kombinationen von Kunststoffen mit Papier mindern die Recyclingfähigkeit erheblich. Was sie erhöht, ist das unbedingte Vermeiden festverklebter Verbindungen aus inkompatiblen Materialien, also von Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) mit PVC, PET, Polyamid (PA), PVDC und eben mit Papier. Solche Zusammensetzungen üblicher Mehrschichtverpackungen führen im Recyclingprozess zu geringeren Ausbeuten und letztlich vor allem zu Qualitätseinbußen beim Endprodukt.

Verbundmaterialien sind schwierig

Wie es besser geht? Wer „Design for Recyclability“, wie die aktuelle Forderung der Recycler lautet, ernst nimmt, konzentriert sich bei der Verpackungsentwicklung auf einige wenige Polymertypen wie PE, PP und, für Getränkeflaschen, PET. Lassen sich Verbunde nicht vermeiden, muss zumindest das verwertbare Hauptmaterial der Verpackung über 90 Gewichtsprozent ausmachen.

Auch auf Füllstoffe wie Kreide, die aus Kostengründen eingesetzt werden, sollten Verpackungskonstrukteure verzichten, weil sie die Dichte der Verpackung verändern und so im Recyclingprozess ausgeschieden werden. Und der Erfolg beim Trennen entscheidet letztlich über die Ausbeute, die wiederum die Wirtschaftlichkeit des Recyclings beeinflusst. Borealis, Wien, und Mtm Plastics, Niedergebra, haben dazu einen Designkodex erstellt, der die gängigen Anforderungen an die Gestaltung von Kunststoffverpackungen übersichtlich zusammenfasst.

Darin ist die sogenannte Restentleerbarkeit enthalten. Sind Verpackungen nicht vollständig entleert, so verursachen die Substanzen einen unangenehmen Geruch des Regranulats, der ein wesentliches Hemmnis beim Einsatz dieser Werkstoffe darstellt. Ob der Inhalt einer Verpackung vollständig verbraucht werden kann – woran nicht nur der Verbraucher, sondern auch der Abfüller eigentlich ein Interesse haben sollte – liegt letztlich an der Formgebung. Erlaubt diese nicht das vollständige Entleeren, fallen beim Recycler mehr Reinigungsaufwand und damit mehr Kosten an, um sein Produkt marktfähig zu machen. Ganz abgesehen davon: Die Ökobilanz einer nicht restentleerbaren Verpackung wird durch Produktreste im Verwertungsstrom selbstverständlich auch ruiniert.

Und es geht doch

Kommen wir zum Ja auf die Frage, ob aus Kunststoffabfällen aus dem Gelben Sack Hochwertiges entstehen kann. Die beschriebenen Hürden auf dem Weg zu einem marktgängigen Regranulat sind Alltagsgeschäft von Recyclern. Regranulate der geforderten Qualität herzustellen, erfordert einen aufwändigen Aufbereitungsprozess, der nach dem Stand der besten verfügbaren Technik wie folgt aussieht: Nach dem Shreddern des aufgegebenen Materials und der Windsichtung werden die Kunststoffe vermahlen, gewaschen, nach Dichte getrennt und schließlich getrocknet, bevor sie in den Extruder gelangen. Dort wird eine Kunststoffschmelze erzeugt, die homogenisiert, doppelt vakuum-entgast und gefiltert wird. Das danach erzeugte Regranulat wird getrocknet und nochmals homogenisiert. Die alltäglich zu bewerkstelligende Kunst, marktgängige Produkte zu fertigen, besteht darin, die Kosten für das zusätzliche Aufbereiten und die Störstoffentsorgung sowie für die geringe Ausbeute mit dem Produktpreis auszubalancieren.

Kreislaufwirtschaft wird erwartet und gefordert

Auch Endverbraucherprodukte gibt es aus Recyclingkunststoff.

Auch Endverbraucherprodukte gibt es aus Recyclingkunststoff. (Bildquelle: Mtm Plastics)

Doch auch solche Kunstgriffe werden nicht reichen, die künftigen Herausforderungen zu bewältigen. Dazu zählen insbesondere die Vorgaben des Gesetzgebers. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene werden deutlich höhere Mengen an recycelten Kunststoffen gefordert. Allein um die Recyclingquoten des deutschen Verpackungsgesetzes zu erfüllen, muss in den nächsten Jahren die Recyclingmenge in etwa verdoppelt werden. Das bedeutet, dass auch die Recyclingkapazitäten sich nahezu verdoppeln müssen, denn die aktuellen Recyclinganlagen sind ausgelastet. Der Ausbau hat zwar schon eingesetzt, doch muss noch wesentlich mehr geschehen. Allerdings werden die erforderlichen Investitionen nur getätigt, wenn ausreichend zu recycelnder Input zu erwarten ist. Die seit 20 Jahren nur sehr moderat wachsende Abfallmenge wird in den nächsten Jahren sicher nicht signifikant zunehmen. Insofern wird es darum gehen, aus dem vorhandenen Kunststoffabfall mehr recyclingfähige Bestandteile auszusortieren.

Dafür steht heute, nachdem die Rosinen durch die Artentrennung gewissermaßen herausgepickt wurden, im Wesentlichen eine große Menge an vollflächig bedruckten, oftmals kleinformatigen, mehrschichtigen, durchgefärbten und mehr oder weniger mit Füllgutresten kontaminierten Funktionsverpackungen zur Verfügung. Um daraus hochwertige Regranulate herzustellen – was prinzipiell geht – müssen die bereits beschriebenen Empfehlungen beim Verpackungsdesign berücksichtigt werden. Doch auch auf den weiteren Stufen der Wertschöpfungskette sind Optimierungen erforderlich. Beim Erfassen und Sortieren genauso wie auf der Stufe des Verwertens. Die Qualität der Regranulate muss noch besser werden, um dafür weitere Märkte zu erschließen.

Die grundlegenden Entscheidungen fallen allerdings beim Design. Hier ist ein vermehrtes Umdenken bereits zu beobachten. Überzeugungsarbeit ist offenbar noch bei Marketingfachleuten zu leisten. Diese formulieren aus ihrer Sicht Anforderungen etwa an Farbigkeit und Brillanz, erkennen aber die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit noch nicht als unverzichtbar an. Der Einsatz von „sortierfähigem“ Schwarz ist nur ein Beispiel dafür. Das muss sich dringend ändern, wenn Kreislaufwirtschaft wirklich funktionieren soll.

Über den Autor

Arne Jost

ist Regional Sales Manager France & Belgium bei Mtm Plasics in Niedergebra.