Dr. Jürgen Ude (l.), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt, überreichte die Awards in Halle/Saale an die drei Preis-träger (Mitte v. l. n. r.) Mika Hurri (Arctic Biomaterials Oy, Tampere/Finnland, 3. Preis), Christoph Glammert (Biofibre, Altdorf, 1. Preis) und Anselm Gröning (Nölle Kunststofftechnik, Meschede, 2. Preis). Peter Putsch (r.), Vorstand des ausschreibenden Polykum, gratulierte den Gewinnern im Namen der Jury. Bildquelle: alle Polykum/Uwe Köhn

Dr. Jürgen Ude (l.), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt, überreichte die Awards in Halle/Saale an die drei Preis-träger (Mitte v. l. n. r.) Mika Hurri (Arctic Biomaterials Oy, Tampere/Finnland, 3. Preis), Christoph Glammert (Biofibre, Altdorf, 1. Preis) und Anselm Gröning (Nölle Kunststofftechnik, Meschede, 2. Preis). Peter Putsch (r.), Vorstand des ausschreibenden Polykum, gratulierte den Gewinnern im Namen der Jury. Bildquelle: alle Polykum/Uwe Köhn

Peter Putsch, Vorsitzender der Polykum – Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland, Merseburg

Peter Putsch, Vorsitzender der Polykum – Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland, Merseburg

Nach der Auftaktveranstaltung des Biopolymer Processing Kongress 2018 war die Messlatte bereits sehr hoch gelegt. Zum zweiten Biopolymer Porcessing Kongress in Halle Ende Mai waren 120 Teilnehmer aus 12 Ländern angereist. Ein internationales Publikum für ein international gestaltetes Vortragsprogramm. In den Vorträgen gingen die Experten verschiedenen Fragen nach: Mit welchen Verfahren lassen sich biobasierte, bioabbaubare Kunststoffe besonders schonend verarbeiten? Können Masterbatches zum Färben von Kunststoffen 100% „bio“ sein? Nach welchen Verfahren wird die Kompostierbarkeit von Bio-polymeren getestet und zertifiziert? Welche Faktoren machen den Markterfolg bioabbaubarer Kunststoffe aus? Ist eine Welt ohne Kunststoffmüll denkbar?

Verarbeitung von Biokunststoffen

Zur Eröffnung des Kongresses betonte der Oberbürgermeister der Stadt Halle, Dr. Bernd Wiegand, wie wichtig es ist gerade beim Thema Plastik über Halbwahrheiten aufzuklären. Dafür sei der Kongress sehr hilfreich und die Standortwahl genau richtig. Denn die Region Halle zeichne sich durch eine vielseitige und erfolgreiche Forschungs- und Innovationslandschaft aus. Und nicht nur das. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht könne der Standort mit einer sehr guten verkehrstechnischen Anbindung, auch mit dem Flughafen Leipzig/Halle punkten.

Das Vortragsprogramm eröffnete Udo Mühlbauer von Ude Inventa-Fischer, der über den Anlagenbau für Polymilchsäure referierte. Auch wenn Biokunststoffe derzeit nur ein Prozent des weltweiten Anteils der Kunststoffproduktion ausmachen, erwartet die Branche ein erhebliches Wachstum, gerade im Verpackungsmarkt. Stärkstes Produktionspotenzial sieht Mühlbauer in China, weil dort die Rohstoffe leichter und in ausreichenden Mengen verfügbar sind. In seinem Vortrag stellte er auch eine nachhaltige Alternative zur PET vor. Doch der Bottleneck für die Produktion des Polyethylendicarboxyfuranoat oder kurz PEF liegt derzeit in der Verfügbarkeit des pflanzenbasierten Synthesebausteins Furandicarbonsäure.

Daniel Schönleitner von FDU-Hotrunner aus Nußbach erläuterte in seinem Vortrag die Vorteile des Einsatz der Flat Die Unit (FDU. Bei der FDU handelt es sich um ein neuentwickeltes Heißkanal-Düsensystem für Spritzgießwerkzeuge. Der Strömungskanal in der Düse ist dabei auf eine Flachdüse projiziert. Damit strömt der Kunststoff gleichmäßig verteilt durch einen definierten langen Spalt in die Kavität ein, anstatt durch einen kleinen Punktanguss. Die FDU eignet sich besonders für den Einsatz von Polyolefinen. Die Düse reduziert die Zykluszeit und verbessert die Bauteilqualität. Bei bereits finalisierten Projekten konnten Zykluszeitreduktionen bis zu 26 % und Druckabfallwerte von bis zu 300 bar erreicht werden, stellte Schönleitner dar.

Auch durch eine geeignete Rezeptur, lässt sich die Verarbeitung von PLA optimieren. Wie dies gelingt, stellte Andre Rapthel von BYK, Schkopau, in seinem Vortrag dar. Mit verschiedenen Additiven lässt sich die Schmelzeviskosität erhöhen, wobei die richtige Dosierung maßgeblich ist.

Bericht aus der Praxis

Dr. Kristin Riedel vom Folienwerk Wolfen gab einen Einblick in die Praxis der Biokunststoffverarbeitung. Im Folienwerk laufen sieben Extrusionsanlagen, die Folien bis zu neun schichten herstellen können. Das eingesetzte PLA kann auf den bestehenden Anlagen verarbeitet werden. Allerdings, so betont Riedel, hat es einiges technischen Know-how benötigt, um die optimalen Bedingungen zu finden. Dafür investierte das Unternehmen in neue Trocknertechnolgie, denn das hitzempfindliche PLA lässt sich nur bei 45 °C trocknen, statt bei den für PET üblichen 140 °C. Die produzierten PLA-Folien sind wie das Ausgangsprodukt vergleichsweise empfindlich und spröde. Mit Additiven lassen sich diese Nachteile verbessern und der Trend zu nachhaltigen Produkten ebnet den Weg für weiter Anwendungen. Wie beispielsweise die Folien, mit denen Chipkarten beschichtet werden und die das Folienwerk nach Frankreich und Dänemark liefert.

Passend zum Thema präsentierte Marco Siekmann von Digicolor, Herford, ein System zur materialgerechten Trocknung von Biokunststoff. Adsroptionstrockner erzeugen deutlich weniger Eigenwärme, so dass eine Trocknung bei 35 bis 55 °C von bis zu 280 kg PLA pro Stunde möglich ist.
Den zweiten Tag eröffneten Vorträge über Marktstrategien. Die Farbgebung von Biokunststoffen war Thema des Vortrags von Dr. Bert Käbisch, Grafe, Blankenhain. Außerdem stellten die Preisträger des Biopolymer Innovation Awards ihre Produkte vor.

Dr. Etwina Gandert

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert

ist Redakteurin Plastverarbeiter.

etwina.gandert@huethig.de