Sind mit dem Verlauf der dritten Moulding Expo zufrieden: Markus Heseding, Ulrich Kromer von Baerle und Jens Lüdtke (von links). (Bildquelle: Messe Stuttgart)

Sind mit dem Verlauf der dritten Moulding Expo zufrieden: Markus Heseding, Ulrich Kromer von Baerle und Jens Lüdtke (von links). (Bildquelle: Messe Stuttgart)

Ulrich Kromer von Baerle, Sprecher der Geschäftsführung der Messe Stuttgart, drückte bereits in der Eröffnungspressekonferenz die Zufriedenheit des Veranstalters aus. „Die Moulding Expo ist im Messekalender der Werkzeug-, Modell- und Formenbauer zu einem festen Termin geworden. Auf dem Branchentreffpunkt werden neue Ideen entwickelt, künftige Projekte besprochen und damit faktisch neue Produkte geschaffen“, sagt Kromer von Baerle. Die Branche richtet sich immer mehr mit neuen Projekten und Ideen auf die Messe aus. So fiel mit Messebeginn der Startschuss für die Initiative Fairness+ des VDMA und der Marktspiegel Werkzeugbau wurde erstmalig präsentiert.

Fairness+ – Ein Plus für alle

„Werkzeug-, Modell- und Formenbauer, Lieferanten von Metallbearbeitungstechnologien, Einkäufer und Teilefertiger: Weil auf der Moulding Expo alle Akteure unserer Branche zusammenkommen, ist sie der perfekte Rahmen, die Fairness Initiative Fairness+ des Werkzeugbaus zu präsentieren“, sagt Markus Heseding, Geschäftsführer VDMA Präzisionswerkzeuge, Frankfurt. „Darin verpflichten wir uns zu fairem Handeln im Rahmen unserer Geschäftsbeziehungen und laden unsere Partner entlang der Wertschöpfungskette ein, sich uns anzuschließen. Denn wenn alle an einem Strang ziehen, können unsere Industrien gemeinsam ihre Spitzenposition auf dem Weltmarkt ausbauen.“ Was will die Initiative erreichen? Nachhaltigen, gemeinsamen und wirtschaftlichen Erfolg aller Partnerindustrien sowie deren Zukunftsfähigkeit sicherstellen. Die produktionstechnischen Kernkompetenzen sollen bewahrt und ausgewogene, vertragliche Regelungen für Lieferanten und Einkäufer hergestellt werden. Außerdem wird eine wirtschaftlich gebotene Risikobegrenzung aller Vertragspartner angestrebt.

Von der Branche für die Branche

„Der Marktspiegel Werkzeugbau ist eine Initiative, die von vielen Unternehmen aus der Branche getragen wird“, sagt Jens Lüdtke, Leiter Tebis Consulting und Vorstandsmitglied der Genossenschaft Marktspiegel Werkzeugbau. Die Initiative wurde im Februar dieses Jahres durch Tebis Technische Informationssysteme, Martinsried, Gindumac, Kaiserslautern, Claho, Garmisch-Partenkirchen, und dem VDWF, Schwendi, gestartet, um die Zukunftsfähigkeit im Werkzeug-, Modell- und Formenbau zu fördern. Über ganzheitliche Unternehmensanalysen sollen Vergleichsmöglichkeiten, Markttransparenz und Handlungsempfehlungen geschaffen werden. Die Teilnehmer der genossenschaftlich organisierten Initiative erhalten einen ganzheitlichen Individualreport zum Ist-Stand ihres Unternehmens. Der Marktspiegel Werkzeugbau wird alle zwei Jahre zur Moulding Expo erscheinen und die Trends und Zukunftsentwicklungen aufzeigen.

Den Nachwuchs einbinden

Prof. Dr.-Ing. Steffen Ritter erläutert das Projekt Mex Box. Florian Niethammer, Projektleiter Moulding Expo, ist sichtlich zufrieden mit der Umsetzung des Messe Give-aways. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Prof. Dr.-Ing. Steffen Ritter erläutert das Projekt Mex Box. Florian Niethammer, Projektleiter Moulding Expo, ist sichtlich zufrieden mit der Umsetzung des Messe Give-aways. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Die Mex Box, eine Brotzeitdose als Give-away, wurde vom Veranstalter initiiert und zusammen mit einem 21-köpfigen Studententeam der Fachrichtung Maschinenbau an der Hochschule Reutlingen in Serie gebracht. „Die Produktentwicklung war sehr aufwändig“, beschreibt Prof. Dr.-Ing. Steffen Ritter, Professor an der Hochschule Reutlingen, die Anfänge des Projekts. „Wir haben an der Hochschule bislang kein Werkzeug gestemmt, das komplexer als dieses war.“ Elf erfahrene Branchenpartner unterstützten das Projekt Mex Box von der ersten Idee bis zur Live-Produktion vor Ort. Die in das Projekt involvierten Studenten waren vor Ort für die Produktion der Mex Box verantwortlich und standen den Besuchern für das Beantworten von Fragen zur Verfügung.

Streiflichter vom Messebesuch

Aus einer PU-Leichtbauplatte gefertigtes und hochglänzend beschichtetes Designmodell. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Aus einer PU-Leichtbauplatte gefertigtes und hochglänzend beschichtetes Designmodell. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Ebalta Kunststoff, Rothenburg ob der Tauber, präsentierte eine für Urmodelle und Designmodelle entwickelte Leichtbauplatte aus Polyurethan. Die Plattenware (Dichte 0,70 g/cm³, HDT 78 ±3 °C) besitzt ein sehr feines Gefüge, eine dichte Oberfläche, ist gut bearbeit- und beschichtbar. Selbst hochglänzende Oberflächen können mit diesem Material am Designmodell dargestellt werden. Dadurch besitzen die Modelle bereits annähernd die Endoberflächenqualität des späteren Produkts.

Turbotherm zur externen, partiellen Temperierung von Spritzgießwerkzeugen. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Turbotherm zur externen, partiellen Temperierung von Spritzgießwerkzeugen. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Die vierjährige Entwicklungszeit ist geschafft und Varioplast, Ötisheim, hat mit Turbotherm sein Verfahren zur variothermen Werkzeugtemperierung am Markt eingeführt. Die kompakte Temperiereinheit wird vom Handlingssystem ins bestehende Werkzeug eingefahren. In wenigen Sekunden (5-15 K/s Temperaturanstieg) werden die Bereiche aufgeheizt, die sich am Bauteil kritisch darstellen würden, wie beispielsweise Bindenahtstellen. Die Entnahme des gespritzten Teils kann parallel zum Aufheizvorgang erfolgen. Bei Bedarf können die Düsen und die Auswerferseite zeitgleich beheizt werden. Die Glockeneinheit zum Aufheizen der Kavität wird spezifisch an das herzustellende Produkt angepasst. Über eine Euromap-Schnittstelle kommuniziert die Einheit mit der Maschinensteuerung. Im dritten Quartal dieses Jahres geht ein weiteres Projekt mit dieser Temperiertechnologie in Serie.

Einfallkern zur zeitsparenden Fertigung von Hinterschnitten und Gewinden. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Einfallkern zur zeitsparenden Fertigung von Hinterschnitten und Gewinden. (Bildquelle: Simone Fischer/Redaktion Plastverarbeiter)

Das Entformen von Hinterschneidungen und Innengewinden mit Einfallkernen präsentierte Knarr, Helmbrechts. Die Kerne werden artikelspezifisch ausgelegt und können auch in mehrkavitätigen Formen eingesetzt werden. Abhängig vom verarbeiteten Werkstoff wird die Materialpaarung von Segmenten und Kern ausgewählt und gegebenenfalls eine Beschichtung aufgebracht. Werden im Werkzeug Einfallkerne eingesetzt, so ist die Gesamtzykluszeit deutlich geringer, da die Zeit zum Ausspindeln des Kerns entfällt.

Insgesamt lässt sich die dritte Moulding Expo mit 12.942 Besuchern aus 59 Ländern als Erfolg verbuchen. Zahlreiche Foren und Sonderschauen boten den Besuchern neben den Produkten der Aussteller Raum für Diskussionen und regen Austausch. Die Messe Stuttgart gibt als Termin für die vierte Moulding Expo den 8. bis 11. Juni 2021 bekannt.

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Über den Autor

Simone Fischer

ist Redakteurin Plastverarbeiter.

simone.fischer@huethig.de