Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen, ist überzeugt, dass mit geschlossenen Kreisläufen das Müllproblem gelöst werden kann. (Bildquelle: VDMA)

Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen, ist überzeugt, dass mit geschlossenen Kreisläufen das Müllproblem gelöst werden kann. (Bildquelle: VDMA)

Die globalen Herausforderungen für geschlossene Kreisläufe sind Wirtschaftlichkeit, politische und regulative Randbedingungen. Außerdem Qualität und Verfügbarkeit von Rezyklaten und besonders das Etablieren funktionierender Abfallsammelsysteme weltweit. Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft auf der K im Oktober in Düsseldorf in den Vordergrund und zeigt dort, wie ein solcher Kreislauf funktionieren kann.

 

 

 

Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt seines Messeauftrittes auf der K 2019. Warum macht er das?

Thorsten Kühmann: Wir machen das, weil wir erkennen, dass wir bei Kunststoffen vor einem Imageproblem stehen. Kunststoffe kommen heute meist nur dann ins öffentliche Bewusstsein, wenn sie Probleme verursachen, wenn sie die Umwelt belasten oder die Gesundheit gefährden. Bilder und Berichte von der Vermüllung der Meere und der Landschaften sind allgegenwärtig. Das sind in der Tat gravierende Probleme. Hier muss die Industrie Lösungen anbieten. Wir wollen auf der K 2019 zeigen, was man machen muss, um diese Abfallprobleme und die daraus resultierenden Schäden zu vermeiden. Wir werden zeigen, dass geschlossene Kreisläufe eine Lösungsmöglichkeit sind.

Was kann der Besucher auf der K 2019 sehen?

Thorsten Kühmann: Wir verfolgen zwei Ziele. In unserem Messe-Pavillon werden wir zum einen den gesamten Zyklus der Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie darstellen, angefangen von der Produktion über die Lebensphasen der Kunststoffprodukte bis hin zum Sammeln, Sortieren, Recyceln und der anschließenden Rückführung in die Produktion. Das zweite Ziel ist es, diesen Kreislauf für die Besucher erlebbar zu machen. Dazu arbeiten wir an Ort und Stelle mit Partnern aus der gesamten Kunststoff-Wertschöpfungskette zusammen, mit Erzeugern, Verarbeitern, Verwertern. Wir zeigen, wie ein geschlossener Kreislauf abläuft. Auf der K 2019 soll deutlich werden, dass sich die Kunststoffindustrie um die Abfallproblematik kümmert und dass sie bereits funktionierende Lösungsvorschläge hat.

Was sind bei der praktischen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft die größten Herausforderungen?

Thorsten Kühmann: Es gibt mehrere Herausforderungen. Ganz wichtig ist: Kreisläufe können nur dann gut funktionieren, wenn sie wirtschaftlich sind. Derzeit setzen viele Kunststoffverarbeiter eher Neuware ein als Rezyklate, ganz einfach, weil Neuware günstiger ist. Denn am Ende entscheidet sich der Verbraucher im Supermarkt in der Regel für das günstigere Produkt. Wer Rezyklate verwendet, hätte das Nachsehen, weil seine Produkte teurer wären und in den Regalen liegenblieben. Um die Verwendung von Rezyklaten zu erhöhen, braucht man feste Quoten, damit alle dieselben Ausgangsvoraussetzungen haben. Solche Quoten sieht auch die Kunststoff-Richtlinie der EU vor. Man braucht also ein neues Geschäftsmodell.
Die andere Herausforderung ist, für Rezyklate verbindliche Qualitäts-Standards zu schaffen. Die gibt es bislang nicht und deshalb weiß derjenige, der Rezyklate einsetzt, nie genau, welche Qualität er bekommt. Dadurch werden die Prozesse unsicherer, denn man kann bei Schwankungen der Materialqualität die Produktion nicht so verlässlich steuern, wie mit standardisierter Neuware. Rezyklate wären viel leichter zu akzeptieren, wenn sie standardisiert würden.
Und schließlich gibt es ein Mengenproblem. Wer heute bereit ist, ein Rezyklat einzusetzen, weiß nicht, ob er die benötigten Mengen über einen längeren Zeitraum von ein paar Jahren auch tatsächlich bekommen kann.

Ist technologisch schon alles machbar, was es für die Kreislaufwirtschaft braucht?

Thorsten Kühmann: Es gibt noch offene Fragen, die geklärt werden müssen. Aber für die Standardprozesse, wie das Sortieren, Zerkleinern und Rezyklieren gibt es schon technologische Lösungen. Dort wird es mit Sicherheit auch Verbesserungen geben. Die Technik ist bei der Kunststoff-Kreislaufwirtschaft nicht das Hauptproblem.

Welche Rolle kommt dem Produktdesign zu?

Thorsten Kühmann: Das Produktdesign muss in der Kreislaufwirtschaft anders gedacht werden. Bislang folgen Produkte zwar auch einem Design, aber da geht es nur um Funktionalität und letztlich um Aussehen. Es gibt keine Verpflichtung und keine durchgängige Praxis für ein vernünftiges Ökodesign. Eigentlich müssten alle Produkte, auch Kunststoffprodukte, auf ihre Kreislauffähigkeit überprüft werden. Das passiert im Moment noch nicht. Weder ist es bislang eine Auflage, noch ist es eine durchgängige Praxis. Es würde natürlich helfen, wenn man von vorne herein Produkte so designt, dass sie kreislauffähig sind.

Europa ist nur für einen kleinen Bruchteil des Plastikmülls in den Ozeanen verantwortlich. Macht es da überhaupt einen Unterschied, wenn hier konsequent auf Kreislaufwirtschaft gesetzt wird?

Thorsten Kühmann: Das Bewusstsein für die Müllproblematik auf den Weltmeeren ist in Europa besonders hoch. In der Folge leidet das Image von Kunststoff, besonders in Deutschland. Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung hat zwar herausgefunden, dass 90 Prozent der jährlichen Meeresverschmutzung durch Plastik aus 10 Flüssen in Asien und Afrika verursacht wird. Aber das Problem betrifft uns alle. Man denke nur an Mikroplastik in Fischen. Deshalb sind die Menschen hier besorgt. Eine Kreislaufwirtschaft in Europa heißt, mit gutem Beispiel vorangehen.
Wir können anderen Ländern zeigen, wie es geht und dass es funktioniert. Das Hauptproblem ist meist eine fehlende oder unzureichende Abfallwirtschaft. Ohne eine Abfallwirtschaft kann es aber keinen Kreislauf geben. Wir haben ein Interesse daran, dass unsere Systeme weltweit adaptiert werden. Nicht unbedingt eins-zu-eins, aber als Orientierung. Deshalb zeigen wir sie auf der K 2019 und deshalb ist es auch gut, in Europa voranzugehen. Die Aufgabe ist sehr komplex. Auch wir haben Jahre dafür gebraucht, dahin zu kommen, wo wir jetzt stehen. So viel Zeit haben andere Regionen nicht. Das muss jetzt schnell gehen und da kann man eben von denen lernen, die es schon machen.