Die Schutzelemente aus Recyclingmaterial sind zu 100 Prozent wiederverwertbar und bieten die gewohnte Qualität. (Bildquelle: Pöppelmann)

Die Schutzelemente aus Recyclingmaterial sind zu 100 Prozent wiederverwertbar und bieten die gewohnte Qualität. (Bildquelle: Pöppelmann)

Umwelt- und Klimaschutz sind zu einer globalen Herausforderung geworden. Die EU-Kommission will handeln und hat Anfang des Jahres eine neue Strategie zum Umgang mit Kunststoffabfällen vorgelegt. Von 2030 an sollen alle Kunststoffverpackungen in der EU recyclingfähig sein. Denn 85 Prozent des Mülls in den Meeren besteht aus Plastik, der nicht biologisch abbaubar ist und die Ökosysteme belastet. Im Zuge der neuen europäischen Kunststoffstrategie sollen beispielsweise bestimmte Einweg-Plastikprodukte, die einen Großteil der Verschmutzung ausmachen, und durch leicht verfügbare Alternativen ersetzbar sind, verboten werden. Neben einem verbesserten Umweltschutz ist das Ziel der Initiative, einen verstärkten Anstoß zu Innovationen zu geben.

Mit der Initiative Pöppelmann blue setzt sich die Pöppelmann Gruppe für einen geschlossenen Materialkreislauf ein. (Bildquelle: Pöppelmann)

Mit der Initiative Pöppelmann blue setzt sich die Pöppelmann Gruppe für einen geschlossenen Materialkreislauf ein. (Bildquelle: Pöppelmann)

Die Kunststoff- und Verpackungsindustrie ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Längst wird intensiv an umweltverträglichen Produkten und Prozessen geforscht und an vielen Stellen konnten bereits Erfolge erzielt werden. Eines der Unternehmen, das sich seit Langem auf diesem Feld engagiert, ist die Pöppelmann Gruppe aus dem niedersächsischen Lohne. Das Industrieunternehmen mit verschiedenen Geschäftsbereichen, die sich mit Kunststoffverarbeitung beschäftigen, setzt in vielen Fällen bereits Recyclingprodukte ein. Um hierbei noch wirkungsvoller zu sein, bündelt eine unternehmensweite Initiative unter dem Motto Pöppelmann blue alle Aktivitäten der Gruppe, die eine durchgängige Kreislaufwirtschaft vorantreiben sollen. Die Gruppe strebt dort, wo es möglich ist, einen geschlossenen Materialkreislauf an, bei dem die Produkte aus Kunststoff nach dem Verwenden recycelt und vollständig wiederverwertet werden.

Schutzelemente jetzt auch aus Recyclingmaterial

Beim Landmaschinenhersteller Grimme sorgen die Kapsto Kappen und Stopfen für optimalen Schutz von Bauteilen in der Produktion. (Bildquelle: Pöppelmann)

Beim Landmaschinenhersteller Grimme sorgen die Kapsto Kappen und Stopfen für optimalen Schutz von Bauteilen in der Produktion. (Bildquelle: Pöppelmann)

Der Geschäftsbereich Pöppelmann Kapsto sieht sich im Rahmen von Pöppelmann blue besonders gefordert. Die Division stellt Kunststoffschutzelemente für verschiedene Anwendungen her. Zur Kapsto Produktfamilie gehören unter anderem Schutzstopfen und -kappen, Griff- und Schraubkappen sowie individuell auf besondere Anwendungen abgestimmte Elemente, die Außengewinden, Bolzen, Leitungen und vielem mehr einen optimalen Schutz während der Fertigung, der Lagerung und dem Transport bieten. Sie bewahren zum Beispiel Innen- und Außenkonturen vor dem Beschädigen und verhindern das Eindringen von Schmutz in sensible, sicherheitsrelevante und funktionsentscheidende Bauteile.

Thorsten Koldehoff, Globaler Vertriebsleiter bei Pöppelmannn Kapsto, erläutert: „Unsere Artikel dienen in den meisten Anwendungsfällen dem temporären Schutz. Danach werden sie nicht mehr benötigt, demontiert und schließlich entsorgt – damit sind sie als sogenannte Einwegartikel besonders interessant für das Thema Recycling.“ Beim Kunststoffverarbeiter wurde nach geeigneten Partnern für Pilotprojekte im Rahmen der neuen Initiative gesucht. Thorsten Koldehoff beschreibt: „Für diese Kunden wollen wir die genutzten Schutzelemente zukünftig aus Recyclingmaterial herstellen. Nach Gebrauch sollen sie gesammelt und wieder dem Recyclingprozess zugeführt werden, um einen geschlossenen Materialkreislauf zu gewährleisten.“

Mit den bei Grimme eingesetzten Sechskantkappen GPN 1050 zum Schutz von Überwurfmuttern im Hydraulikbereich startet das Projekt Pöppelmann blue. (Bildquelle: Pöppelmann)

Mit den bei Grimme eingesetzten Sechskantkappen GPN 1050 zum Schutz von Überwurfmuttern im Hydraulikbereich startet das Projekt Pöppelmann blue. (Bildquelle: Pöppelmann)

In der Grimme Gruppe fand sich schnell ein Partner, der offen für das Projekt war. Grimme ist spezialisiert auf Landmaschinen: Über 150 Maschinentypen aus den Bereichen Kartoffel-, Rüben- und Gemüsetechnik hat die Unternehmensgruppe in ihrem Produktprogramm. Auch der Landmaschinenhersteller engagiert sich für mehr Nachhaltigkeit an vielen Stellen im Unternehmen. Und so ließ sich der Maschinenbauer gern auf das Pilotprojekt ein. Die Zustimmung geschah unter einer Bedingung, wie Bernhard Stärk, Leiter Hydraulik, Elektrotechnik & Technische Dienste bei Grimme, erklärt: „Wir verwenden die verschiedenen Schutzelemente unter anderem im Hydraulikbereich. Aus technischer Sicht war uns wichtig, dass das neue Material die Qualität der Schutzelemente nicht verändern darf und keinen Einfluss auf unsere Produktionsprozesse hat.“ Bei dem Landmaschinenhersteller werden die Stopfen und Kappen für den optimalen Schutz von Bauteilen in der Produktion eingesetzt.

Entfernen, sammeln, rückführen

Nach der Demontage landen die Schutzkappen bei Grimme nun nicht mehr im Abfall, sondern werden separat zur Wiederverwertung gesammelt. (Bildquelle: Pöppelmann/Helweg)

Nach der Demontage landen die Schutzkappen bei Grimme nun nicht mehr im Abfall, sondern werden separat zur Wiederverwertung gesammelt. (Bildquelle: Pöppelmann/Helweg)

Die Schutzelemente wurden bisher nach Gebrauch entsorgt. Hier wollen der Kunststoffverarbeiter und das Maschinenbauunternehmen gemeinsam ansetzen. Grimme erhält zunächst Sechskantkappen GPN 1050 zum Schutz von Überwurfmuttern der Hydraulikleitungen aus dem Recyclingmaterial Pöppelmann blue, das zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial besteht. In der Produktion bei Grimme landen die Schutzkappen nach dem Entfernen in Sammelbehältern. Da die Kunststoffprodukte ausschließlich aus der Hydraulikmontage stammen, sind sie nur leicht verunreinigt, sodass sie zu Rezyklat verarbeitet werden können. „Produkte aus anderen Verwendungsbereichen, die beispielsweise große Mengen an Lackresten aufweisen, erschweren einen Recyclingprozess, bei dem am Ende ein für den Einsatzzweck gleichwertiger Kunststoff neu entstehen soll. Daher sind die Schutzelemente aus dem Hydraulikbereich hervorragend geeignet für eines unserer Starter-Projekte“, freut sich Thorsten Koldehoff.

Regelmäßig werden die gesammelten Schutzkappen beim Anwender, der nahe von Lohne ansässig ist, abgeholt. Pöppelmann kümmert sich um die Sortierung, damit es der Wiederaufbereitung – entweder direkt im Unternehmen oder bei Spezialbetrieben – zugeführt werden kann.

Das Projekt von Grimme und Pöppelmann befindet sich aktuell noch in der Testphase. Beide Partner ziehen eine positive Zwischenbilanz. Thorsten Koldehoff fasst zusammen: „Wir haben zunächst mit einer Baureihe begonnen. Wenn alles wie erwartet funktioniert, lautet unser Plan, nach und nach weitere an Grimme gelieferte Produkte auf das neue nachhaltigere Material Pöppelmann blue umzustellen.“ Bernhard Stärk ergänzt: „Unsere Mitarbeiter an der entsprechenden Stelle in der Produktion haben sich schon daran gewöhnt, die Schutzelemente in Sammeltonnen zu entsorgen. Ich bin sicher, dass dies in anderen Prozessschritten genauso gut funktionieren wird.“

Optimaler Wiederaufbereitungsprozess angestrebt

Für das Recycling der Schutzelemente erprobt die Pöppelmann Gruppe aktuell verschiedene Wege, um zum optimalen Wiederaufbereitungsprozess zu gelangen. „Wir setzen uns mit allen denkbaren Varianten auseinander. Welche wir in Zukunft im Einzelfall einsetzen, hängt von den jeweils spezifischen Anforderungen unserer Anwender ab“, erläutert Thorsten Koldehoff. Eine Variante ist der Einsatz von Post-Industrial-Regrind (PIR). Darunter werden Rezyklate verstanden, die auf Kunststoffteilen basieren, die in der Industrie anfallen. Diese Kunststoffteile können dann durch Compoundieren zu Regranulat verarbeitet werden. Eine zweite Möglichkeit ist der Einsatz von Mahlgut. Hierfür werden ebenfalls Kunststoffteile aus der Industrie gesammelt und von Fachbetrieben sortenrein gemahlen. Das fachgerechte Aufbereiten bringt einen sauberen und gleichwertigen Sekundärkunststoff hervor. Schließlich ist auch das Verwenden von Post-Consumer Regrind (PCR) eine Option. Darunter fällt das Material, das beispielsweise aus den Wertstoffsammlungen von Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland (DSD) stammen kann. Diese Abfälle werden selektiert, sortenrein sortiert und ebenfalls wiederaufbereitet. Möglich wäre es auch, Material aus diesen verschiedenen Quellen zu mischen.

Über den Autor

Antje kleine Holthaus

ist Marketingbeauftragte Kapsto bei Pöppelmann in Lohne.