Am 12. Mai 2019 öffnet die Moulding Expo ihre Pforten in Stuttgart. (Bildquelle: alle Messe Stuttgart)

Am 21. Mai 2019 öffnet die Moulding Expo ihre Pforten in Stuttgart. (Bildquelle: alle Messe Stuttgart)

„Die Moulding Expo ist im Markt angekommen als das führende Event für Europas Werkzeug-, Formen- und Modellbauer sowie deren Zulieferer“, sagte Gunnar Mey, Abteilungsleiter Industrie der Landesmesse Stuttgart, auf der internationalen Moulding-Expo-Pressekonferenz Mitte März in Ljubljiana, Slowenien. Einzigartig sei die Messe nicht zuletzt aufgrund des hohen Ausstelleranteils von rund 50 Prozent, den die Unternehmen der Werkzeugbranche selbst abdecken. Auf der Moulding Expo präsentieren sie sich gemeinsam mit den führenden Technologie- und Dienstleistungsanbietern der Branche. Das vorgestellte Technologie-Portfolio umfasst unter anderem Normalien, Heißkanalsysteme, Werkzeugmaschinen, Bearbeitungswerkzeuge und Software.

Per 13. März 2019 hatten 630 Unternehmen ihre Teilnahme angemeldet, womit die Ausstellerzahl der Moulding-Expo-Premiere im Jahr 2015 bereits übertroffen war. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 700 Ausstellern, etwas weniger als bei der Vorgängerveranstaltung im Jahr 2017. „Das heißt, die Messe hat sich in ihrer dritten Ausgabe auf einem hohen Niveau etabliert“, sagte Mey. Erneut gelang es dem Projektteam, die Teilnahme aus dem Ausland zu erhöhen: 36 Prozent der Aussteller haben ihren Firmensitz außerhalb Deutschlands, mit einem starken Fokus auf europäische Länder. Die größten Aussteller-Kontingente kommen aus Deutschland und Portugal sowie aus Italien, der Türkei, gefolgt von der Schweiz und China. Mit Ausnahme der Türkei, die Frankreich ersetzt hat, sind dies die gleichen sechs größten Ausstellergruppen wie 2017.  Insgesamt präsentieren Unternehmen aus 31 Ländern ihr Angebot in Stuttgart.

Moulding Expo – ein Muss auch für slowenische Werkzeugbauer

Die Wahl des Veranstaltungsortes für die internationale Moulding-Expo-Pressekonferenz fiel nicht durch Zufall auf die slowenische Hauptstadt. „Für die slowenischen Werkzeugbauer ist die Messe die wichtigste Veranstaltung der Branche. Vor allem für den Spritzgussbereich in Europa ist sie ein Pflichttermin“, sagte Dr. Aleš Hančič. Er ist Geschäftsführer von Tecos, dem Entwicklungszentrum für den Slowenischen Werkzeug- und Formenbau. 65 Firmen oder 35 Prozent aller Unternehmen der Branche werden von Tecos vertreten. Selbstverständlich seien auch slowenische Unternehmen als Aussteller in Stuttgart dabei, etwa am Gemeinschaftsstand von Spirit Slovenia mit sieben beteiligten Firmen. „Wer nicht ausstellt, kommt als Besucher auf die Messe“, ergänzt Hančič. Die Slowenen suchen neue Kunden oder Partner für langfristige Kooperationen. „Die Betriebe in Europa wachsen zusammen. Einige der deutschen Werkzeugmacher lassen Werkstücke in Slowenien herstellen, manchmal ganze Formen.“ Werkzeugmacher seien in den letzten Jahren kommunikativer geworden. „Wir reden mehr miteinander, auch über die nationalen Grenzen hinweg. Dafür ist die Moulding Expo der perfekte Ort.“

Auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern: Dr. Aleš Hančič ist Geschäftsführer von Tecos, dem Entwicklungszentrum für den Slowenischen Werkzeug- und Formenbau.

Auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern: Dr. Aleš Hančič ist Geschäftsführer von Tecos, dem Entwicklungszentrum für den Slowenischen Werkzeug- und Formenbau.

Gemäß Tecos-Angaben erzielen die 170 Werkzeugbau-Unternehmen in Slowenien einen Gesamtumsatz von rund 400 Mio. EUR und beschäftigen etwa 3.000 bis 3.500 Mitarbeiter. Rechne man die Stellen hinzu, die indirekt vom Werkzeugbau als einer der Schlüsselindustrien des Landes abhängen, sei die Beschäftigtenzahl um ein Vielfaches höher. „Gemessen am Anteil der Werkzeugmacher an der Einwohnerzahl“, betont Hančič, „ist Slowenien die Nummer Eins in Europa und die Nummer Zwei weltweit.“ Innerhalb der Branche nehmen die Hersteller von Werkzeugen für die Kunststoffverarbeitung den ersten Rang ein; gefertigt werden zudem Metallbearbeitungswerkzeuge und Gussformen. Zwei Drittel der Produkte werden exportiert. Als aktuelle Probleme der slowenischen Branche nennt Hančič unter anderem den Fachkräftemangel sowie die mitunter fehlenden Kapazitäten für die Durchführung von Großprojekten. Da die Fertigungskosten in Slowenien vergleichsweise hoch sind, spürt die Branche die wachsende Konkurrenz aus Billiglohnländern. Hančič ist überzeugt: „Nur wenn sich die europäischen Werkzeugmacher über Fertigungsverfahren und über ihre Erfahrungen beim Adaptieren neuer Technologien oder am Markt austauschen, schaffen sie es, gegen Billiglohnländer zu bestehen.“

Auch Bob Williamson, Präsident des Werkzeugmacher-Weltverbands ISTMA,  betonte in Ljubiljana die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit: „Wenn man in der Branche erfolgreich sein möchte, muss man kommunizieren – auch mit möglichen Mitbewerbern im Markt.“, sagte er und unterstrich zugleich  die Relevanz der Moulding Expo als internationalen Treffpunkt. Williamson verdeutlichte zudem den Stellenwert des Werkzeug-, Modell- und Formenbaus: „Weit über 60 Prozent der möglichen Kosteneffizienz, von egal welchem Produkt, ist direkt abhängig von der Wahl der richtigen Werkzeuge und Formen für den Herstellungsprozess“, stellte der südafrikanische Maschinenbau-Ingenieur und Unternehmer fest.

Hallenbelegung und Besucherfokus

„Die Moulding Expo findet in einer der attraktivsten Industrieregionen Europas statt“, betonte Gunnar Mey auf der Pressekonferenz. Neben zahlreichen Kunststoffverarbeitern sowie Werkzeug- und Formenbauern sind im Großraum Stuttgart und in Baden-Württemberg führende Kunden-Unternehmen beheimatet, die einen hohen Bedarf an Werkzeugen und Bauteilen haben. Die regionale Industriestruktur wird wiederum den Besucherfokus der Messe prägen. Wie bereits bei der Moulding Expo 2017, als sich die rund 15.000 Besucher zu 41 Prozent aus der Automobilindustrie inklusive Zulieferer rekrutierten, gefolgt vom Werkzeug- und Formenbau, dem Maschinenbau, der Kunststoffindustrie sowie der Metallverarbeitung und dem Modell- und Prototypenbau. Ein gewichtiges Besuchersegment stellen traditionell die Fachleute aus den  unternehmensinternen Werkzeugbau-Abteilungen.

Die Moulding Expo 2019 findet in vier Hallen auf der Nordseite des verkehrsgünstig gelegenen Stuttgarter Messegeländes statt. Insgesamt präsentieren sich die Unternehmen auf einer Ausstellungsfläche von 42.000 m2, die über die Eingänge Ost und West zugänglich ist. Die Hallenbelegung ist thematisch strukturiert. In den zentral positionierten Messehallen 5 und 7  stellen die Werkzeug- und Formenbauer ihr Angebot vor, zusammen mit Normalien- und Heißkanalherstellern. „Eingerahmt“ werden sie von ihren Technologiepartnern, die in den Hallen 3 und 9 unter anderem Werkzeugmaschinen, Spannmittel, Bearbeitungswerkzeuge und Softwarelösungen präsentieren.

Rahmenprogramm und Give-away

Give-Away mit Pfiff: Studenten der Hochschule Reutlingen konzipierten die "Mex Box" Brotzeitbox.

Give-away mit Pfiff: Studenten der Hochschule Reutlingen entwickelten die „Mex Box“ Brotzeitbox.

Neben dem Ausstellungsprogramm bietet die Messe, die in Kooperation mit den vier deutschen Partner-Verbänden BVMF, VDMA, VDW und VDWF ins Leben gerufen wurde, auch in ihrer dritten Auflage ein reichhaltiges Rahmenprogramm. So demonstriert etwa das Unternehmernetzwerk Innonet Kunststoff im Rahmen einer Sonderschau die einzelnen Verarbeitungsschritte bei der Entstehung eines Kunststoffproduktes vom Formenbau über die Kunststoffverarbeitung bis hin zur Verbindung und Bedruckung. Zudem bietet die Moulding Expo einen Überblick der Lehr- und Studienangebote der Branche und engagiert sich direkt in der Weiterbildung und Ausbildung des Nachwuchses. Eine Gruppe von Maschinenbau-Studenten unter der Leitung von Steffen Ritter, Professor an der Fakultät Technik der Hochschule Reutlingen, konzipierten, entwickelten und bauten mit Unterstützung von Projektpartnern innerhalb eines Semesters das Werkzeug für das Give-away des diejährigen Events: Die Mex Box ist eine zweiteilige Brotzeitdose mit Filmscharnieren. Dass das Mex-Box-Werkzeug in einer Spritzgießmaschine live auf der Messe im Einsatz zu sehen sein wird, freut Florian Niethammer, Projektleiter der Moulding Expo, besonders: „Eine Idee mit einem halben Jahr Entwicklungszeit verwandelt sich auf der Messe in jeweils 20 Sekunden Produktionszeit in das Give-away für die Fachbesucher“.

Parallelveranstaltungen

Darüber hinaus haben die Moulding-Expo-Besucher die Möglichkeit, ihren Messebesuch mit der Teilnahme an verschiedenen Parallelveranstaltungen zu verknüpfen, unter anderem:

  • Forum der Kunststoffprodukte (21.–23. Mai 2019, Foyer L-Bank Forum, Halle 1): An dem von GKV Tec-Part organisierten Forum nehmen Unternehmen aus allen Kunststoff-Verarbeitungsverfahren teil, die Kunststoffprodukte entwiclen, konstruieren und produzieren.
  • Automotive Shows: In vier Hallen auf der Südseite des Messegeländes und dem ICS Internationales Congresscenter Stuttgart erhalten Fachbesucher vom 21.–23. Mai 2019 einen Einblick in Produkte und Dienstleistungen der Automobilzulieferbranche.
  • 23. Anwenderforum – Additive Produktionstechnologie des Fraunhofer IPA (22. Mai 2019, Kongress West): Das Veranstaltungsformat verbindet Ausstellung, Forum und Vorträge miteinander und ist somit eine Anlaufstelle für den fachlichen Austausch zwischen Forschern, Herstellern und Entwicklern.
  • Forum Einkauf von Werkzeugen (22.–23. Mai 2019, Seminarraum Pressezentrum): Auf dem vom Verband BME durchgeführten Forum wird über die Herausforderungen in der Beschaffung von Werkzeugen für Stanz-, Biege- und Umformteile sowie Kunststoffteile diskutiert.
  • 6. Technologie-Tag Hybrider Leichtbau (20.–21. Mai 2019, Filderhalle, Leinfelden-Echterdingen). Die von Leichtbau BW durchgeführte Veranstaltung steht diesmal ganz im Zeichen der Digitalisierung.

 

 

Über uns

Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de