Einmalkatheder Emteva zur Selbstkatheterisierung. (Bildquelle: Polymermedics)

Einmalkatheter Emteva zur Selbstkatheterisierung. (Bildquelle: Polymermedics)

Der Einsatz biologisch abbaubarer Polymere und Kunststoffe hat inzwischen bereits bei vielen Kunststoffverarbeitern die Sorge um Umweltschutz und ökologische Verträglichkeitlindern können. So gelang es beispielsweise Polymermedics, St. Austell, United Kingdom, einenbiologischabbaubarenKatheter zu entwickeln und zu produzieren – und dadurch zum Vermeiden von Kunststoffabfällen beizutragen. Strenge QualitätskontrollenundstabileProduktionskapazitäten machen darüber hinaus dasHerstellendieserbiologischabbaubarenKatheterhöchsteffizient.

Bei dem Kunststoffverarbeiter werden pro Jahr rund zwei Milliarden Präzisionsteile gefertigt. Dabei birgt jedes durchgeführte Projekt seine ganz eigenen Herausforderungen. Das Unternehmen setzt auf innovative Praktiken und neue Herstellungsverfahren und war sehr erfreut, als es von dem Medizintechnikhersteller Hunter Urology, Exeter, United Kingdom, den Auftrag erhielt, den ersten biologisch abbaubaren Katheter der Welt zu fertigen.

Welche Veränderungen biologisch abbaubare Katheter für die Umwelt bringen

Den anfänglichen Gesprächen der Projektpartner lag eine erschreckende Statistik zugrunde: Jedes Jahr landen etwa 75 Mio. Katheter auf den britischen Müllhalden und verbleiben dort über Generationen! Denn die zurzeit gebräuchlichsten Katheter werden immer noch aus beschichtetem PVC hergestellt, welches Jahrzehnte benötigt, um sich zu zersetzen. Die Fertigung des durch Polymermedics und Hunter Urology aus Maisstärke hergestellten Katheters setzt hier neue Maßstäbe und bringt aus ökologischer Sicht eine erhebliche Verbesserung.

Würde der biologisch abbaubare Katheter Emteva im gesamten Vereinigten Königreich eingesetzt, so würde er für den nationalen Gesundheitsdienst Großbritanniens – den National Health Service (NHS) – eine Ersparnis von bis zu 22 Mio. Pfund pro Jahr bedeuten. Doch nicht nur die Kostenersparnis ist erheblich, sondern auch die Entlastung der Umwelt.

Die Herausforderung

Biologisch abbaubarer Katheder mit integriertem Griff und Verschlusskappe. (Bildquelle: Polymermedics)

Biologisch abbaubarer Katheter mit integriertem Griff und Verschlusskappe. (Bildquelle: Polymermedics)

Biokunststoff auf Maisstärkebasis ist ein Material, dessen Einsatz noch nicht branchenüblich ist und daher auch für den Katheterhersteller Neuland bedeutete. Es handelt sich um einen zu 100 Prozent biologisch abbaubaren und kompostierbaren Biokunststoff. Dieses Material wird bisher nur von vereinzelten Spritzgussherstellern verwendet. Daher war ein langer Entwicklungsprozess erforderlich, um dieses neue Kunststoffmaterial zu verfeinern und die Fertigungsbedingungen vor Ort auf die Materialeigenschaften abzustimmen. Für das Produkt werden drei verschiedene Typen des maisstärkebasierten Materials kombiniert.

Ein exakt festgelegter Zeitablauf sowie eine permanent gleichbleibende Materialformulierung sind eine wesentliche Bedingung beim Verarbeiten von maisstärkebasierten Kunststoffen im Präzisionsspritzguss. Selbst Abweichungen von Sekunden oder Millimetern können erheblichen Fehler hervorrufen. All diese Voraussetzungen führen zu ganz spezifischen Anforderungen während der Fertigung: Um beispielsweise die gewünschte Flexibilität des Materials zu erreichen, benötigt Biokunststoff die Zugabe einer genau definierten Wassermenge. Beim Verarbeiten herkömmlicher Kunststoffe hingegen darf dem Material während der Fertigung auf gar keinen Fall Wasser hinzugefügt werden.

Gute Handhabbarkeit für den Patienten

Selbstkatheterisierung ist für viele Menschen weltweit Alltag. Deshalb war es wichtig, dass Emteva den Patienten sowohl einen guten Komfort bietet als auch eine perfekte Flüssigkeitsabdichtung garantiert. Die Hersteller lösten dieses Problem, indem sie das Produkt mit einem integrierten „Griff“ ausstatteten, der es auch Patienten mit weniger Handfertigkeit erlaubt, sich bequem selbst zu katheterisieren. Außerdem beinhaltet das Produkt eine Verschlusskappe, die einen trockenen Wechsel ermöglicht. Diese beiden Funktionen gewährleisten eine sichere Anwendung. Dank dieser durchdachten Konstruktion ist Emteva ein zuverlässiger und komfortabler Einwegkatheter.

Produkt läuft in Serie

Um mit der Serienfertigung von Emteva beginnen zu können, ließ sich der Kunststoffverarbeiter den Herstellungsprozess des Produktes CE zertifizieren, wodurch ein kurzfristiger Produktionsstart möglich war. Gefertigt werden die Präzisionsteile mit Hilfe eines Standard-2-Kavitäten-Werkzeugs. Eine spezielle Beschichtung der Werkzeugoberfläche sorgt für eine gute Entformung der Teile. Pro Jahr werden inzwischen rund 40.000 biologisch abbaubare Einweg-Katheter gefertigt.

 

Kontakt

Polyoptics, Kleve

info@polyoptics.de

Über den Autor

Daria Ivanova

ist Marketing Managerin bei Polymermedics in St. Austell Cornwall, Großbritannien.

ivadawa@gmail.com