Die Planungen für die Fakuma 2020 nehmen Fahrt auf. (Bildquelle: P.E. Schall)

Die Planungen für die Fakuma 2020 nehmen Fahrt auf. (Bildquelle: P.E. Schall)

Die Spritzgießer berichten auf ihren Wirtschaftspressekonferenzen unaufgeregt von einer gewissen Beruhigung des Auftragseingangs. Angesichts der derzeitigen längeren Lieferzeiten aufgrund von Engpässen bei Zulieferteilen, Personalmangel und fehlenden Fertigungskapazitäten kommt vielen Unternehmen die momentane Marktberuhigung nicht ungelegen. Dr. Christoph Steger, CSO der Engel Group, A-Schwertberg, und Mitglied im Fakuma-Ausstellerbeirat, sprach in diesem Zusammenhang von einer gewissen Seitwärtsbewegung, die sich allerdings auf einem nie zuvor erreichten hohen Niveau vollziehe. Die ,,etwas abgekühlte“ Nachfrage verdarb demnach keinem Unternehmen während der Fakuma 2018 die gute Laune. Zumal die Kunststoffbranche trotz mancher Brexit- und Börsenunkenrufe weiter gut dasteht, und dies obwohl die Automobilindustrie aufgrund der Dieseldelle derzeit eine Menge Projekte ausbremst.

Fakuma ist die wichtigste Fachmesse für Praktiker

Rund 47.650 Fachbesucher aus 126 Ländern reisten 2018 an den Bodensee und der Veranstalter sowie die Aussteller waren sehr zufrieden. Für viele Aussteller ist die Fakuma eine „echte Arbeitsmesse“ und die Fachausstellung für gestandene Praktiker, die sich konsequent an der Prozesskette der Kunststoffverarbeitung orientiert. „Nirgendwo sonst gelingt es, Vorstellungen, Projekte und Visionen mit Kunden konkreter zu erörtern wie am Bodensee, weshalb der Branchentreff für uns Aussteller auch klar den Status einer Ordermesse hat“, brachte es ein Spritzgießer auf den Punkt. Überdies erfordern Digitalisierung und Vernetzung sowie die weiterführende Prozessintegration und Systemlösungen bei Maschinen und Peripherie einen kontinuierlichen Dialog zwischen Maschinenbauern und Kunststoffverarbeitern. Folgerichtig waren Globalisierung, Digitalisierung und Circular Economy die beherrschenden Themen auf der Fakuma.

Vernetzung bei den Kunststoffverarbeitern geht weiter

Die Digitalisierung ist bei den kunststoffverarbeitenden Unternehmen angekommen. (Bildquelle: P.E. Schall)

Die Vernetzung ist bei den kunststoffverarbeitenden Unternehmen angekommen. (Bildquelle: P.E. Schall)

Produkte und Services im Bereich Produktionstechnik sinnvoll mit lT zu durchwirken um Ressourcen zu sparen, transparenter und flexibler zu werden und effizienter zu arbeiten, so lautete einst die Aufgabenstellung einer lndustrie-4.0-Strategie. Dass sich die Hersteller von Kunststoffverarbeitungsmaschinen hier mittlerweile deutlich weiterentwickelt haben und heute weitreichende Digitalisierung und Vernetzung ihrer Maschinen anbieten, war auf der Fakuma durchgängig sichtbar. Dank intelligenter Assistenzsysteme und einer weitreichenden vertikalen Integration – vom ERP bis in die Tiefen der Maschinen – sind sich selbst optimierende Lösungen keine Vision mehr. Die Vernetzung ist bei den Kunststoffverarbeitern angekommen! ,,Aber es sei noch ein weiter Weg zurückzulegen bis zur flächendeckenden Vernetzung“, so ein Insider, „und wohin die Reise wirklich geht mit Industrie 4.0, IoT und Digitaler Transformation, wird sich wahrscheinlich erst wieder auf der Fakuma 2020 zeigen.“

Circular Economy im Maschinenbau angekommen

Dass das derzeit eher schlechte lmage von Kunststoffen in der breiten Öffentlichkeit, hervorgerufen durch die Diskussion über die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikabfall, zu einer Sensibilisierung der Branche führt, sieht Bettina Schall, Geschäftsführerin P.E. Schall, auch als Chance. Noch deutlicher wurde Thorsten Ratzmann, CEO der Firma Pöppelmann, in seinem Statement: „Kunststoff als vielfältig zu verarbeitendes Material ist mittlerweile in Verruf gekommen und die Kunststoffindustrie hat ein echtes Reputationsproblem“. Für Viele – so scheint es auf den ersten Blick – ist Plastik „böse“ und muss reduziert werden! Das mag zwar eine verlockende Zielsetzung sein, jedoch – und das zeigte schon die Fakuma 2018 deutlich – ist wohl eher das Gegenteil die Realität. Für eine nachhaltigere Zukunft muss und wird immer Kunststoff eingesetzt werden. So hat der Begriff der Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy in der Kunststoffindustrie längst Fuß gefasst. Längst geht es nicht mehr um das ,,ob“, sondern um das „wie“.

Dass die Kreislaufwirtschaft auch im K-Maschinenbau angekommen ist, war am Bodensee sichtbarer denn je. Zumal nur durch Dialoge das Erreichen höherer Recyclingquoten oder die Effizienzverbesserung der Abfallwirtschaft global gemeistert werden kann. Damit Verarbeiter zunehmend Recyclate bei der Herstellung von Kunststoffprodukten verwenden, brauchen sie sichere Materialqualitäten in ausreichender Menge. Diese aber erhält man nur, wenn ausreichend recycelbare Kunststoffabfälle gesammelt werden.

An der Fakuma in Friedrichshafen drang durch, dass die Kunststoffindustrie selbst künftig viel mehr tun muss: „Wenn wir eines Tages geschlossene Kreisläufe haben wollen, müssen wir die Kräfte aller Partner in der Wertschöpfungskette bündeln, und das schließt auch die Endverbraucher mit ein. Wir müssen gemeinsam entschlossen an allen entscheidenden Schritten des Kreislaufs wie der Herstellung der Produkte, der Gebrauchsphase und der Entsorgung arbeiten“, war von einem Recyclingexperten in Friedrichshafen zu hören. Dem ist eigentlich nichts hinzuzuführen, denn das Megathema bleibt in jedem Fall auf der Agenda! (sf)