Der schweizerische Formenbauer fertigt Spritzgießwerkzeuge mit einen Gewicht von drei bis 20 Tonnen fast ausschließlich für die Automobilindustrie. Die Bilder entstanden bei der feierlichen Einweihung des neuen 5-Achs-Bearbeitungscenters. (Bildquelle: alle GK tool)

Der schweizerische Formenbauer fertigt Spritzgießwerkzeuge mit einen Gewicht von drei bis 20 Tonnen fast ausschließlich für die Automobilindustrie. Die Bilder entstanden bei der feierlichen Einweihung des neuen 5-Achs-Bearbeitungscenters. (Bildquelle: alle GK tool)

Gut sieht sie aus, die neue DMC 270 U: Die weiß-schwarze Hightech-Maschine dominiert jetzt die Werkhalle bei der Georg Kaufmann Formenbau (GK Tool) in Busslingen. Im Laufe des vergangenen Jahres hat der schweizerische Zulieferer für die Automobilindustrie das 5-Achs-Bearbeitungscenter des deutsch-japanischen Maschinenherstellers DMG Mori in seine Fertigungsprozesse integriert und in Betrieb genommen. Im September feierte GK Tool die Einweihung der Anlage. „Wir haben mehr als 2 Mio. EUR für diese Maschine ausgegeben. Es ist die größte Investition in unserer seit 1972 geschriebenen Firmengeschichte – und sie war die goldrichtige Investition zur richtigen Zeit“, erklärt Manuel Widmer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Durch die DMC 270 U produziere das Unternehmen flexibler und effektiver als je zuvor. „Unsere Stärke sind und waren die ‚unkonventionellen’ Spritzgusswerkzeuge. Und mit der neuen Maschine können wir hier noch zielgerichteter agieren, denn die zunehmende Automation unterstützt uns in der Absicht, trotz hoher Lohnkosten weiterhin in Europa wirtschaftlich erfolgreich produzieren zu können.“

Erfolgreich in einer besonderen Nische

Der vor 46 Jahren von Georg Kaufmann gegründete Werkzeug- und Formenbau erwirtschaftet heute mit 55 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz zwischen 10 und 15 Mio. EUR. Der Fokus der Produktion liegt zu fast 100 Prozent auf dem Automotive-Bereich. Für alle europäischen Autobauer liefert das Unternehmen Spritzgießwerkzeuge in Größen zwischen drei und 20 Tonnen. Bedient werden aber auch Kunden in China, Indien und den USA. Spezialisiert ist GK Tool dabei auf One-Step-Lösungen. Entwickelt werden Werkzeugtechnologien, die ursprünglich separate Arbeitsschritte im Produktionsprozess direkt im Werkzeug zusammenführen, etwa den Beschnitt und Umbug bei zu hinterspritzenden, biegeschlaffen Einlegern. „Unsere Werkzeuge liefern für unsere Kunden fertige Teile, die ohne Nachbearbeitung direkt eingebaut werden können“, betont Manuel Widmer. „Die Spritzgießmaschine wird mit unserem Know-how so zum Allround-Produktionsmittel.“ Mehr Luft im Tagesgeschäft, um sich auf das zu konzentrieren, was nur der Mensch leisten kann.

Die neue Hightech-Fräsmaschine ist flexibel einsetzbar und leistet Zerspanungsarbeiten aller Art.

Die neue Hightech-Fräsmaschine ist flexibel einsetzbar und leistet Zerspanungsarbeiten aller Art.

Seit das neue 5-Achs-Bearbeitungscenter im Zentrum der Produktion steht, haben sich die Arbeitsabläufe bei GK Tool grundlegend geändert. „Durch den Palettenwechsler können wir flexibler planen“, sagt Widmer. Auch kurzfristige Änderungen in der Produktion lassen sich jetzt leicht umsetzen, ohne die Arbeitsgänge zu unterbrechen. Und Langläufer bearbeitet das Team um den Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur nun nicht mehr nur über das Wochenende, „das geschieht mit dem neuen Fräszentrum jeden Tag über Nacht. Tagsüber können sich die Maschinenbediener auf die Arbeiten konzentrieren, die zwingend manuell erledigt werden müssen“. Zudem führt Widmer fort: „Im Werkzeugbau ist es schwierig, kontinuierlich die gleiche Auslastung zu gewährleisten. Aber die Optionen, die uns die DMC 270 U bietet, verschafft uns mehr Luft im Tagesgeschäft.“ Luft, die man gut brauchen kann, wenn neue Entwicklungsprojekte bei GK Tool positioniert werden.

Mit der Hightech-Fräsmaschine werden alle Formplatten der Werkzeuge bearbeitet, sowohl Stempel als auch Matrizen. Weil die DMC 270 U ein breites Funktionsspektrum abdeckt, kommt den Schweizer Formenbauern auch immer wieder der Vergleich mit der „eierlegenden Wollmilchsau“ über die Lippen. Denn egal ob Schruppen, Tieflochbohren, 2D-Bearbeitung oder das 3D-Schlichten – das neue Bearbeitungszentrum beherrscht alle Arbeitsgänge. Kein Wunder also, dass die Maschine bei GKTool effektiv sechs alte ersetzt hat. Drei Bohrwerke, zwei 3-Achs-Fräsmaschinen und eine weitere mit fünf Achsen wurden in Busslingen abgebaut und komplett aus der Fertigung entfernt. Manuel Widmer: „Die DMC 270 U braucht ja auch nicht gerade wenig Platz. Aber wir mussten nicht an- oder umbauen, weil durch die Demontage der alten Maschinen genügend Fläche frei wurde.“

Effizienz und Auslastung der Kapazitäten ist ein Muss

Mit der neuen Maschine könnte man bei GK Tool jetzt auch größere Bauteile fertigen, die maximale Tischbeladung bei der DMC 270 U liegt bei 9 Tonnen, die maximal zu bearbeitende Bauteilgröße bei 2700 × 2700 × 1600 mm. „Doch das nutzen wir gar nicht aus. Wir sind im Durchschnitt in dem Bereich bis maximal 2 m tätig. Wichtiger ist für uns, dass wir auf der Maschine zum Beispiel Tieflochbohren können. Da bringen uns die Verfahrwege mit den langen Bohrern unheimlich viel.“

Beim Umgang mit der neuen Fräsmaschine können die Mitarbeiter des schweizerischen Formenbauers auf ihre bereits gemachten Erfahrungen mit Bearbeitungszentren von DGM Mori zurückgreifen. „2009 haben wir die etwas kleinere DMU 210 P in Betrieb genommen und mit ihr schon sehr gute Ergebnisse erzielt“, erklärt Widmer. Der 43-jährige ist aber immer gerne auf der Suche nach noch mehr Effizienz beziehungsweise weniger Handling-Arbeit bei den Abläufen und hat mit der DMC 270 U nun die Prozesse im Unternehmen auch über den klugen Einsatz von Peripheriegeräten optimiert. Manuel Widmer: „Automation allein bringt noch nichts – man muss sich um das ganze Drumherum kümmern, also den Paletten- oder den Werkzeugwechsler mit dazu nehmen. Wir haben 180 Werkzeuge im Reservoir. Und wir haben auch die Systematik der Werkzeugkonstruktion angepasst. So können wir die Maschine rund um die Uhr laufen lassen.“

Effizienz und die gute Auslastung der Kapazitäten ist für den Formenbauer ein Muss im Wettbewerb. Schließlich setzt man komplett auf den Bereich Automotive, in dem enormer Preisdruck herrscht und um jeden Euro gekämpft wird. „Das sehe ich für uns mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge“, sagt Manuel Widmer. Zwar sei man zur Effizienz und deshalb zur stetigen Investition in neue Systeme gezwungen, andererseits nehme die Automobilbranche neue Technologien schnell an. Und das wiederum passt für den GK-Tool-Chef zum Hightech, den sein Unternehmen liefert. Dennoch hängt hier die Messlatte hoch“ merkt Widmer weiter an. „Automatisierung, Standardisierung, Digitalisierung – wenn man sich als Werkzeugbauer in diesen klassischen Bereichen nicht laufend fortentwickelt, wird es schwierig im Markt.“

Mit Blick nach vorn zurück zu den Wurzeln

Seit über vier Jahren ist Widmer alleiniger Gesellschafter der von Georg Kaufmann gegründeten Firma. Konsequent hat der Unternehmer in dieser Zeit die Prozesse optimiert und die Know-how-tragenden Mitarbeiter in den Schlüsselpositionen neu strukturiert. „Die innovative Werkzeugtechnologie war immer die Stärke des Unternehmens. Darauf haben wir uns jetzt wieder konzentriert, also auf Technologie-Entwicklungen beim Hinterspritzen, Beschneiden und Umbugen in einem Werkzeug und mit verschiedenen Materialien.“ Eigentlich kehre man mit dieser Ausrichtung zu den Wurzeln des Unternehmens zurück, resümiert Manuel Widmer.

 

Über den Autor

Fabian Diehr

ist Geschäftsführer bei der Agentur Wortundform in München.