Nach der Rezession im Jahr 2015 und einer Phase der Stagnation im Jahr 2016 wurde in Russland 2017 mit einem BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent erneut eine Wachstumsphase eingeleitet. Vier Jahre nach Einführung der Sanktionen und dem Ölpreissturz hat sich die russische Wirtschaft offenbar an die neuen Rahmenbedingungen angepasst. Das Interesse an modernen Maschinen, Produktionsanlagen und Hightech-Materialien jedenfalls ist wieder groß. Dies gilt gerade auch für die Nachfrage nach Verpackungstechnologien und Equipment für die Kunststoffverarbeitung. Zur Freude der ausstellenden Unternehmen blieb es deshalb auf der Interplastica und der Upakovka nicht nur beim reinen Informationsaustausch. Viele Fachbesucher, so berichtet die Messe Düsseldorf, seien mit konkreten Kaufabsichten gekommen und hätten direkt vor Ort ihre Kaufentscheidung gefällt. Dies untermauere den erheblichen Investitionsbedarf der nach wie vor in Russland und seinen Nachbarstaaten besteht.

„Langer Atem wird belohnt“

Die Präsenz der zahlreichen ausländischen Aussteller zeige ein anhaltend großes Interesse am russischen Markt. „Nach einigen schwierigeren Jahren geht es wieder bergauf. Wer langen Atem bewiesen hat, wird nun belohnt“, zieht Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf, ein positives Fazit. „Die Stimmung in den Hallen war ausgezeichnet, die Aussteller berichteten von äußerst interessierten und auch orderbereiten Geschäftsleuten.“

Nach Russland wurden in 2017 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) Kunststoff- und Gummimaschinen aus aller Welt mit einem Auftragsvolumen in Höhe von 457 Mio. EUR exportiert; das sind 40,4 Prozent mehr als 2016. Die Exportlieferungen von Kunststoff- und Gummimaschinen aus Deutschland beliefen sich von Januar bis September 2018 auf 90.8 Mio. EUR, 3,3 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. „Nach einem deutlichen Plus deutscher Lieferungen nach Russland in 2017, konnte das Niveau bis November 2018 gehalten und sogar leicht ausgebaut werden“, berichtet Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. Nach wie vor gibt es deutliche Impulse aus dem Verpackungssektor als direkte Auswirkung auf die russischen Lebensmittelsanktionen. Verpackungen müssen infolgedessen zunehmend in Russland produziert werden, um regionale Lebensmittel haltbar zu machen.“

„Zwei Themen, die auch auf der interplastica 2019 auf besonderes Interesse stießen, waren Industrie 4.0 und Recycling“, so Natallia Esche, Team Assistant VDMA AG Hybride Leichtbau Technologien. Beim Thema Recycling verweist Esche auf den international noch sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand: „Das Problem der Abfallentsorgung ist in vielen Ländern, darunter auch in Russland, sehr akut. Während aber in den westeuropäischen Ländern dieses Problem durch die Einführung ganzer Verarbeitungskomplexe bereits aktiv gelöst wird, funktionieren in Russland derzeit erst wenige kleine Anlagen.“