Das neue vollelektrische Oktopoden-Bewegungssystem ermöglicht die Simulation von Bewegungsabläufen bis zur vierfachen Erdbeschleunigung unter definierbaren Klimabedingungen. (Bildquelle: alle Felix Oeder, Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen)

Das neue vollelektrische Oktopoden-Bewegungssystem ermöglicht die Simulation von Bewegungsabläufen bis zur vierfachen Erdbeschleunigung unter definierbaren Klimabedingungen. (Bildquelle: alle Felix Oeder, Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen)

Das neue vollelektrische Oktopoden-Bewegungssystem inklusiver angeschlossener Klimakammer kostete rund 0,5 Mio. EUR und soll zukünftig am Campus in Weißenburg die Simulation von Bewegungsabläufen bis zur vierfachen Erdbeschleunigung unter definierbaren Klimabedingungen im Bereich von -40°C bis +70°C ermöglichen. Somit lassen sich nahezu sämtliche Bewegungsabläufe von Land-/Luft-/Wasserfahrzeugen reproduzierbar im Labor abbilden. Bauteile, insbesondere aus dem Automotive-, Schienen- und Luftfahrtbereich, können somit unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden. Zudem kann die erwartete Lebensdauer dieser Bauteile unter verschiedenen realen Belastungsfällen näher untersucht werden – wie zum Beispiel Fahrten über Straßen, Transport per Schiene oder auf hoher See.

Mechanisches Bauteil-Verhalten besser verstehen

Mit dem achtbeinigen Prüfstand in Kombination mit einer Klimazelle eröffnen sich neue Möglichkeiten, um das mechanische Verhalten von Bauteilen besser zu verstehen. Durch die definierten Prüftemperaturen können zusätzlich physikalische Effekte (Einfrieren/Auftauen) und das Strömungsverhalten von bewegten Flüssigkeiten untersucht werden. Neben den geplanten Einsatzschwerpunkten des „Oktopoden“-Prüfstandes in den Bereichen Betriebsfestigkeitsnachweise, Ermüdungsprüfungen, Funktionserprobung von Bauteilen, Lebensdauervalidierungen und Messung der Eigenspannung von Bauteilen beabsichtigt das Technologiezentrum der TH Deggendorf in Weißenburg, zukünftig auch Technologieforen beziehungsweise Seminarreihen zu den Themenschwerpunkten „Bewegungsdynamik und Bauteilfestigkeit“ in Weißenburg anzubieten sowie mit EU-Mitteln geförderte EFRE-Forschungsprojekte zur Simulation von Transportvorgängen bewegter Güter auf Schiene und Straße durchzuführen.

Offizielle Inbetriebnahme des neuen Bewegungssimulators in Weißenburg.

Offizielle Inbetriebnahme des neuen Bewegungssimulators in Weißenburg.

„Der neue 3D-Bewegungssimulator ist ein hochmodernes Gerät, das die Weiterentwicklung von Technologien der Zukunft maßgeblich unterstützen kann“, betonte Bayerns  Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei der offiziellen Inbetriebnahme. „Anwendungsorientierte Forschung ist am Kunststoffcampus Bayern in Weißenburg und in den sechzehn weiteren Technologietransferzentren unserer Hochschulen für angewandte Wissenschaften zuhause. Mit ihnen haben wir bayernweit ein starkes Netz an Zukunftswerkstätten aufgebaut: Hier werden die Technologien entwickelt, die insbesondere die Wirtschaft vor Ort voranbringen, und es werden die Fachkräfte ausgebildet, die sie braucht. Der Kunststoffcampus Bayern zeigt eindrucksvoll den Erfolg dieses Ansatzes.“

„Beim Ausbau des Kunststoffcampus Bayern in Weißenburg war es von Beginn an der Anspruch der TH Deggendorf, dass die technische Ausstattung und die Labore des dortigen Technologiezentrums dem Standard der Spitzentechnologie entsprechen müssen“, sagte Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident der Technischen Hochschule Deggendorf. „Das Technologiezentrum soll im Bereich der angewandten Forschung und Entwicklung konsequent dienstleistungsorientiert insbesondere für die Unternehmen im Automotive-Bereich bzw. im Bereich der kunststoffverarbeitenden Industrie arbeiten. Die dort zur Verfügung stehende personelle und technologische Infrastruktur muss sich daran messen lassen.“