Das 25. Stuttgarter Kunststoffkolloquium begeisterte vor zwei Jahren rund 350 Teilnehmer. Bildquelle: IKT

Das 25. Stuttgarter Kunststoffkolloquium im Jahr 2017 verfolgten rund 350 Teilnehmer. (Bildquelle: IKT)

Dieses Jahr präsentiert sich das Stuttgarter Kunststoffkolloquium mit mehr als 40 Vorträgen in drei Parallelsessions, in denen die aktuellen Forschungsergebnisse der Universität Stuttgart auf dem Gebiet der Kunststofftechnik vorgestellt werden. Diese werden erneut unter dem Zeichen der Themengebiete Forschung an Maschine und Verfahren, Leichtbau mit Kunststoffen und Forschung am Werkstoff stehen und sich dabei einer Vielzahl von aktuellen Themen widmen.

Numerische Strömungssimulation

Die numerische Strömungssimulation gewinnt in Kunststoffverarbeitungs- und Kunststoffaufbereitungsprozessen zunehmend an Bedeutung. Dabei stehen insbesondere reaktive Strömungen, Faser-Fluid-Interaktion und die Abbildung komplexer Bewegungen, wie sie beispielsweise bei Ko-Knetern auftreten, zunehmend im Fokus.

Ein weiterer zunehmender wichtiger Faktor ist zum Beispiel die gezielte Einstellung von Eigenschaften bei der Verarbeitung. Inwiefern die Wahl der richtigen Parameter beim Spritzgießen sowie eine geeignete Werkzeugtechnik die Leistungsfähigkeit wärmeleitfähiger Kunststoffbauteile signifikant erhöhen kann, wird in mehreren Vorträgen dargelegt.

Additive Fertigung nicht mehr nur für Prototypenbau

Ein anderer Schwerpunkt ist die additive Fertigung, denn sie ist mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem sie in vielen Branchen nicht nur als Prototypverfahren eingesetzt wird. Immer neue Druckverfahren und Materialien führen zu ansteigenden und reproduzierbareren Bauteilqualitäten bei gleichzeitig sinkenden Kosten und Fertigungszeiten pro Bauteil. Ein aktueller Trend in der additiven Fertigung ist die personalisierte Fertigung seriennaher Bauteile in hier für lange Zeit undenkbaren Stückzahlen.

Kunststoffe und Umwelt

Weitere Stuttgarter Forschungsaktivitäten liegen auf dem Gebiet „Kunststoffe und Umwelt“. Die unkontrollierte Entsorgung von Kunststoffen in der Umwelt und die damit verbundene Vermüllung der Meere treibt das IKT an, Kunststoffe mit umweltoptimiertem Abbauverhalten zu entwickeln, die bei gleicher Haltbarkeit im Gebrauch, danach schneller und umweltverträglich abgebaut werden können. In den Fokus treten dabei verstärkt biologisch abbaubare Kunststoffe, die nach einer chemischen Modifizierung und dadurch verbundenen Optimierung des Eigenschafts- und Verarbeitungsprofils  eine Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen darstellen können − besonders in Anwendungen, die zwangsläufig in der Umwelt verbleiben.

Im Sinne eines schonenden Umgangs mit fossilen Ressourcen in Automobil und Luftfahrt ist es insbesondere von Bedeutung, die sehr guten spezifischen mechanischen Eigenschaften und das damit einhergehende hervorragende Leichtbaupotenzial von Kunststoffen und Kunststoffverbunden zu nutzen. Gerade die e-Mobilität und der Brennstoffzellenantrieb verlangen explizit nach Leichtbaulösungen.

Vielseitige Polyamide

Auch die Bandbreite sowie die Vielseitigkeit von Polyamiden werden eindrucksvoll demonstriert. So ist die anspruchsvolle Abstimmung von verschiedenen Haftvermittlern auf die Blendeigenschaften ein Dauerbrenner, dem sich die Stuttgarter Institute gerne immer auf’s Neue annehmen. Des Weiteren trifft die Herstellung eines PA6 mit intrinsischem Flammschutz sowie die Forschung an PA6-Blasformtypen den Puls der Zeit und eröffnen der Industrie und dem Werkstoff neue Anwendungsfelder. Für die in-situ-Pultrusion von Guss-PA, an der fleißig gearbeitet wird, stehen nun auch neue Recyclingwege offen. Es werden zwei industriell einsetzbare Upcyclingprozesse von Guss-PA-Ausschuss vorgestellt, die ein daraus gewonnenes Rezyklat so modifizieren, dass diese sogar zum Thermoformen eingesetzt werden können. Alles steht unter dem Motto, Schaffung von neuen Werten aus Altbekanntem.

Plenarvorträge und Podiumsdiskussion

Dipl.-Ing. Thomas Drescher, Leiter Fahrzeugtechnik, Volkswagen. : Drescher.

Dipl.-Ing. Thomas Drescher, Leiter Fahrzeugtechnik, Volkswagen. (Bildquelle: Drescher)

Neben dem vielfältigen und breitgefächerten Programm an Fachvorträgen werden sich zudem zwei Plenarvorträge sowie eine Podiumsdiskussion mit aktuellen Herausforderungen der Kunststoffbranche beschäftigen: Aus der Konzernforschung von Volkswagen thematisiert der Leiter der Fahrzeugtechnik, Thomas Drescher, das „Mobilitätserlebnis der Zukunft“ und wird neben dem straßengebundenen Personentransport den leichten Gütertransport adressieren. Insbesondere das Thema „Autonomes Fahren“ wird er in seinem Vortrag aufgreifen.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Ernst Schmachtenberg, ehemaliger Rektor der RWTH Aachen a. D.

Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, ehemaliger Rektor der RWTH Aachen. (Bildquelle: RWTH Aachen)

Autonome Roboter und denkende Computer sollen dem komplexen menschlichen Geist entsprechen. Eine Vielfalt von Forschungen beschäftigen sich mit dem Wegweiser der neuen Dimension. Der Kunststofftechnik-Professor und ehemalige Rektor der RWTH Aachen, Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, spricht im zweiten Plenarvortrag über„Künstliche Intelligenz: Konzepte und Perspektiven“.

In den vergangenen Jahren stieß die Podiumsdiskussion auf großen Anklang und wird auch dieses Jahr das Kolloquium bereichern. Vertreter verschiedener OEM, Kunststoffverarbeiter und aus der Forschung diskutieren über„Alternative Antriebe – Risiken für den Kunststoffverarbeiter“.