Mit dem Innovationspreis sollen technologische Entwicklungen zur Herstellung von Produkten, Verpackungslösungen oder anderen Anwendungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen ausgezeichnet werden. Vorausgesetzt wird dabei eine intrinsische Bioabbaubarkeit. Das bedeutet, dass die verwendeten Kunststoffe am Ende der Nutzungsdauer von Mikroorganismen oder Enzymen komplett zu Biomasse verstoffwechselt werden können. Die Innovationen sollen das Stadium der Grundlagenforschung überschritten haben und realistische Chancen auf einen Markterfolg aufweisen. Preisstifter ist die Fördergemeinschaft Polykum, Merseburg. Die Preisträger werden durch eine Jury von Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ermittelt, darunter Vertreter des Preisstifters sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt. Dem Gremium gehören zudem ein Vertreter des PLASTVERARBEITER sowie Fachleute von Forschungseinrichtungen an. Im Interview erläutert Peter Putsch, Vorstandsvorsitzender von Polykum, warum Biokunststoffe mehr Beachtung verdienen:

Biokunststoffe sind noch immer Nischenprodukte. Worin sehen Sie den größten Hinderungsgrund für den breiteren Einsatz dieser Kunststoffe?

Peter Putsch ist Vorstandsvorsitzender von Polykum e. V. sowie Inhaber der Firma Exipnos, Merseburg. (Bildquelle: Polykum)

Peter Putsch ist Vorstandsvorsitzender von Polykum e. V. sowie Inhaber der Firma Exipnos, Merseburg. (Bildquelle: Polykum)

Peter Putsch: Im Mangel an Informationen. Denn zum einen verfügen bislang nur wenige in unserer Branche über eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet. Vor allem wenn es um Aspekte wie Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften geht, kursieren mehr Gerüchte als Fakten. Andererseits ist die Entwicklung der Biopolymere in vielen Bereichen schon bedeutend weiter vorangeschritten, als mancher Entscheider es vermutet. Diese Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit möchte Polykum mit dem Kongress „Biopolymer Processing & Moulding“ ein Stück weit schließen und den Erfahrungsaustausch fördern.

Was unterscheidet den Kongress Biopolymer Processing & Moulding von anderen Veranstaltungen zum Thema Biokunststoffe?

Putsch: Unser pragmatischer Ansatz. Bei der Tagung in Halle stehen die Fragen im Mittelpunkt, mit denen Spritzgießer oder Extrudeure, Produktentwickler oder Händler sich konfrontiert sehen, wenn Kunden Biopolymer-Produkte nachfragen. Welche Biomaterialien kommen in Betracht und wo kann ich sie beziehen? Kann ich sie einfach auf meinen Maschinen verarbeiten? Wo eröffnen Biopolymere ganz neue Anwendungsmöglichkeiten? Welche Normen gelten bezüglich Bioabbaubarkeit und Desintegrierbarkeit? Das sind nur einige Aspekte, die auch 2019 auf dem Kongress zur Sprache kommen werden. Bei der Erstveranstaltung nutzten die Teilnehmer besonders rege die Möglichkeiten zum individuellen Austausch, etwa mit den Referenten an unserer „Speakers Corner“, mit Herstellern und Dienstleistern in der begleitenden Ausstellung oder bei der Abendveranstaltung. 2019 vergeben wir außerdem erstmals den Biopolymer Innovation Award.

Warum sollten sich Unternehmen für den Biopolymer Innovation Award bewerben?

Putsch: Weil Kunststoffprodukte, die am Ende ihrer Nutzungsdauer durch Mikroorganismen oder Enzyme zu Biomasse verstoffwechselt werden können, bislang viel zu wenig bekannt sind. Weil die Öffentlichkeitswirkung, die der Preis und der Kongress mit sich bringen, neue Chancen im Wettbewerb eröffnen. Und weil unsere Branche solche Vorbilder braucht.

Kontakt

Polykum e. V., Merseburg

Tel.: 03461 7940320

biopolymer-award@polykum.d