Vor allem Entwicklungs- und Produktionsleiter sowie Geschäftsführer sowohl chinesischer als auch internationaler Unternehmen nahmen an der Koferenz trend.scaut teil. (Bildquelle: Engel)

Vor allem Entwicklungs- und Produktionsleiter sowie Geschäftsführer sowohl chinesischer als auch internationaler Unternehmen nahmen an der Koferenz trend.scaut teil. (Bildquelle:  alle Engel)

Wohin entwickelt sich der chinesische Automobilmarkt? Welche weiteren Herausforderungen stellt die Elektromobilität? Und wo eröffnen sich neue Chancen für die Zulieferer in Asien? Diese und weitere Fragen wurden auf der Konferenz trend.scaut diskutiert. „Wir haben anhand konkreter Anforderungen der Produzenten vor Ort neue Technologien und Zukunftschancen diskutiert und konnten die Themen zugleich im internationalen Kontext spiegeln“, berichtet Gero Willmeroth, President East Asia and Oceania von Engel mit Sitz in Shanghai. Die Referenten kamen unter anderem von Volvo und Nobo (Mitglied der Great Wall Motor Company), Continental und Ecorea sowie von JSC Automotive, ExxonMobil, Sabic und Engel.

trend.scaut zeigt besondere Dynamik des Automobilmarkts in Asien

Schon die ersten Präsentationen machten deutlich, dass sich der Automobilmarkt in Asien weiterhin mit einer besonderen Dynamik entwickelt. „In China konkurrieren inzwischen über 100 Fahrzeugmarken“, verdeutlicht Dr. Norbert Müller, Leiter des Engel Technologiezentrums für Leichtbau Composites, die Situation. Elektrofahrzeuge stehen im Fokus. Eine weitere Entwicklung ist, dass renommierte chinesische Anbieter ihre Produkte auch im Premium-Segment platzieren. „Für den Markteintritt neuer Technologien ergeben sich wichtige Chancen“, fasst Müller beide Trends zusammen und machte dies in seinem Vortrag am Beispiel innovativer Composite-Technologien fest. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Müller neue, besonders wirtschaftliche Verfahren für den Faserverbundleichtbau in der Großserie und deckt dabei ein breites Technologiespektrum ab: Von HP-RTM und SMC über die Verarbeitung von thermoplastischen Halbzeugen wie Organoblechen und Tapes bis hin zu innovativen reaktiven Technologien wie In-situ-Polymerisation (T-RTM). „Neu ist, dass sich auch die Composite-Hersteller in Asien verstärkt mit thermoplastbasierten Lösungen befassen“, so Müller. „Die Möglichkeit, thermoplastische Composite-Werkstoffe unmittelbar nach der Formgebung im selben Werkzeug mittels Spritzguss zu funktionalisieren, kann entscheidende Zeitvorteile sichern.“

Produktivität und Effizienz im Fokus

Stärker als in anderen Branchen entscheiden in der Automobilindustrie Produktivität und Effizienz über die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg. Gerade in Asien könnte sich die Situation aber noch verschärfen, spätestens 2020, wenn Elektrofahrzeuge nicht mehr gefördert werden. Es wurden Zukunftsszenarien entworfen, doch eine Meinung gibt es unter den Experten nicht. Nach Ansicht von Jochen Siebert, Geschäftsführer der auf den chinesischen Automobilmarkt spezialisierten Unternehmensberatung JSC Automotive, befindet sich die Branche bereits heute in einem Transformationsprozess, der die dynamische Marktentwicklung bremsen und zu einer Konsolidierung führen könnte. Ein weiteres Szenario ist, dass Hybridfahrzeuge schneller zulegen als Elektromobile.

Mit steigenden Effizienzdruck rücken das Integrieren und Automatisieren von Prozessen noch stärker in den Mittelpunkt. „Wir liefern zunehmend Mehrkomponentenmaschinen nach Asien“, bestätigt Michael Fischer, Leiter Business Development Technologien von Engel am Stammsitz in Österreich. Vorrangig sind es die Bereiche Automotive Lighting und Interior, für die Engel immer öfter integrierte Systemlösungen inklusive Prozesstechnologie, Automatisierung und weiterer Peripherie entwickelt. „Wenn wir von Beginn an alle Prozessschritte und Anlagenkomponenten exakt aufeinander abstimmen, können wir sowohl die Effizienz- als auch die Qualitätspotenziale besonders gut ausschöpfen“, sagt Fischer.

 

Fahrassistenten für die Spritzgießmaschine

Mit Live-Exponaten schlug der Maschinenhersteller am zweiten Veranstaltungstag in seinem Großmaschinenwerk in Shanghai die Brücke zur betrieblichen Praxis. Unter anderem wurden dickwandige Scheinwerferlinsen und geometrisch anspruchsvolle Interior-Teile mit hochwertigen Oberfläche produziert. (Bildquelle: Engel)

Mit Live-Exponaten schlug der Maschinenhersteller am zweiten Veranstaltungstag in seinem Großmaschinenwerk in Shanghai die Brücke zur betrieblichen Praxis. Unter anderem wurden dickwandige Scheinwerferlinsen und geometrisch anspruchsvolle Interior-Teile mit hochwertigen Oberfläche produziert.

Die Chancen, die Industrie 4.0 für eine höhere Effizienz und Qualität eröffnet, zeigte eine der vier Anwendungen des Praxistages. Ausgerüstet mit Assistenzsystemen aus dem Inject 4.0 Programm von Engel passt die Spritzgießmaschine die Verarbeitungsparameter kontinuierlich und automatisch an Schwankungen im Rohmaterial und in den Umgebungsbedingungen an. Die Folge ist ein konstanter Prozess ohne Ausschuss. „Die Automobilindustrie ist extrem offen für diese Themen“, betont Fischer. „Inject 4.0 Produkte gehören immer öfter zum Umfang integrierter Systemlösungen, die wir nach Asien liefern.“ (sf)