Einweihung der Forschungsplattform für thermoplastische Leichtbauteile von IRG Cosimo in Augsburg (v.l.n.r.): Helge von Selasinky vom ITA Augsburg, Dr. Norbert Müller von Engel Austria, Dr. Thomas Ehm von Premium Aerotec, Franz Josef Pschierer vom bayerischen Wirtschaftsministerium, Prof. Dr.-Ing. Stefan Schlichter vom ITA Augsburg, Fabrizio Ponte von Solvay, Hassine Sioud von Faurecia und Wolfgang Hehl vom Technologiezentrum Augsburg. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Einweihung der Forschungsplattform für thermoplastische Leichtbauteile von IRG Cosimo in Augsburg (v.l.n.r.): Helge von Selasinky vom ITA Augsburg, Dr. Norbert Müller von Engel Austria, Dr. Thomas Ehm von Premium Aerotec, Franz Josef Pschierer vom bayerischen Wirtschaftsministerium, Prof. Dr.-Ing. Stefan Schlichter vom ITA Augsburg, Fabrizio Ponte von Solvay, Hassine Sioud von Faurecia und Wolfgang Hehl vom Technologiezentrum Augsburg. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Mit der neuen Anlage soll die Prozesstechnik und die Eignung verschiedener Thermoplast-Werkstoffe untersucht werden. Wissenswert dazu ist, dass ein weiteres, vom Freistaat Bayern gefördertes Konsortium die in-situ-Polymerisation von Polyamid 6 zur Großserienanwendung untersucht; dieses Projekt hat den Namen Campus Carbon 4.0 Cosimo (CC4.0 Cosimo).

Das Konsortium IRG Cosimo (‚Industry Research Group: Composites for sustainable Mobility‘) besteht aus dem Luftfahrtzuliefer Premium Aerotec aus Augsburg, dem französischen Automobilzulieferer Faurecia, dem belgischen Kunststoffhersteller Solvay und dem österreichischen Hersteller von Kunststoff-Verarbeitungsmaschinen Engel Austria. Das Konsortium arbeitet dabei mit dem Institut für Textiltechnik Augsburg (ITA Augsburg) zusammen. Es ist die erste rein industriell finanzierte Leichtbau-Entwicklungsinitiative für die Automobil und Luftfahrtbranche.

Die neue Prozessanlage wurde in weniger als zwei Monaten nach Gründung dieses Industriekonsortiums aufgebaut. Rund um das Herzstück der Anlage, einer 1.000-t-Presse mit einem leistungsfähigen Werkstück-Zufuhrsystem, werden unterschiedliche Technologien und Konzepte der thermoplastischen Prozessroute als Teil einer zukünftigen Produktionslinie realisiert. Eine bereits vorhandene Kombination aus Thermoforming und Spritzgiessen wird im Laufe des Projektes durch eine größere Produktionseinheit ergänzt.

Die neue Prozessanlage der IRG Cosimo im Technologiezentrum Augsburg: Eine1.000-t-Presse mit Werkstück-Zufuhrsystem zur Herstellung thermoplastischer Faserverbundbauteile. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Die neue Prozessanlage der IRG Cosimo im Technologiezentrum Augsburg: Eine1.000-t-Presse mit Werkstück-Zufuhrsystem zur Herstellung thermoplastischer Faserverbundbauteile. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Angestoßen wurde IRG Cosimo durch den steigenden Kostendruck im internationalen Wettbewerb, die höheren Anforderungen nach effizientem Leichtbau, die Notwendigkeit der Digitalisierung der Produktion und die sich angleichenden Stückzahlen im Automobil- und Luftfahrtbereich. Hierzu führte Dr. Thomas Ehm, CEO von Premium Aerotec aus: „Dieses Projekt ist der Schlüssel für den nächsten Technologieschritt in Konstruktion und Fertigung moderner Primärstrukturen. Wir werden in diesem Projekt nicht nur die Anwendung des Materials untersuchen, sondern auch erarbeiten wie die moderne digitalisierte Fabrik der Zukunft aussehen wird.“

„Thermoplastische Composites besitzen ideale Voraussetzungen in Bezug auf Umformbarkeit, Fügetechnologie, Design, Funktionsintegration und Wirtschaftlichkeit. Kritische Faktoren wie Kostenreduktion, Skalierbarkeit auf größere Stückzahlen und Realisierung größerer Bauteile müssen hingegen noch industriellen Maßstab erreichen. Dies adressiert die IRG Cosimo in hervorragender Weise“, sagte Fabrizio Ponte, Vice President of Strategy, Business Development and Communication der Solvay-Geschäftseinheit Composite Materials. „Wir halten thermoplastische Composites für den Schlüssel zur Erreichung der zukünftigen Anforderungen an das Fahrzeuggewicht im Sinne einer positiven Umweltbilanz”, ergänzte Hassine Sioud, General Manager der Geschäftseinheit Ultra Lightweight Structure and Battery Power Cases Systems von Faurecia Clean Mobility – Zero Emission Division.

Im Technologiezentrum Augsburg (TZA) hat das Konsortium den geeigneten Ort für den Aufbau der Technologieplattform in Form einer universellen Anlage gefunden. „Um den Leichtbauanforderungen sowohl der Automobil- als auch der Luftfahrtindustrie im vollen Umfang gerecht zu werden, benötigen wir modulare Verarbeitungskonzepte, die zugleich das anspruchsvolle Datenmanagement sicher beherrschen“, erläuterte Dr. Norbert Müller, Leiter des Technologiezentrums für Leichtbau-Composites von Engel.

Die Partner von IRG Cosimo. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Die Partner von IRG Cosimo. (Bildquelle: ITA Augsburg)

Darüber hinaus plant das Konsortium IRG Cosimo die Einbindung weiterer Firmen für Teilprojekte sowie von Instituten des Forschungscampus Augsburg in ergänzenden Fragenstellungen, namentlich dem Institut for Software & Systems Engineering, dem Institut für Materials Resource Management, dem Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie des DLR und der Fraunhofer-Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik. Sie sollen für Fragestellungen wie zum Beispiel der Digitalisierung oder der material- und funktionsspezifischen Auslegung der Bauteile herangezogen werden.

Durch das Projektmanagement mit der Projektleitung durch das ITA Augsburg werden kompakte Projektzeiträume möglich. Dies erlaubt einen Projektfokus, der zielgerichtetes Arbeiten maximieren wird und somit die geforderten schnellen Umsetzungen sicherstellt. „Wir sind stolz bei der Entstehung dieses Projektes geholfen zu haben und erwarten erhebliche Synergieeffekte zwischen Automobil- und Luftfahrtbereich bei hohen Stückzahlen und neuen Produkten wie Drohnen und Lufttaxis“, betonte Prof. Dr. Stefan Schlichter, Geschäftsführer des ITA Augsburg.

Premium Aerotec, Faurecia und ITA Augsburg sind zudem Teil eines größeren Projektkonsortiums, das im Rahmen des Campus Carbon 4.0-Programms des Freistaats Bayern gefördert wird. Dieses öffentlich geförderte Konsortium (CC4.0 CosiMo) entwickelt neue Materialien und Prozesse für die in-situ Polymerisation von Caprolactam zu Polyamid 6 zur Großserienanwendung im Automobilbereich. (dw)