Rund 1.400 Gäste folgten der Einladung von Wittmann Battenfeld zum Zehn-Jahre-Jubiläum in Kottingbrunn. Großes Interesse fanden die Vortragsprogramme an den beiden Vormittagen des zweitägigen Events. (Bildquelle: alle Wittmann Battenfeld)

Rund 1.400 Gäste folgten der Einladung von Wittmann Battenfeld zum Zehn-Jahre-Jubiläum in Kottingbrunn. Großes Interesse fanden die Vortragsprogramme an den beiden Vormittagen des zweitägigen Events. (Bildquelle: alle Wittmann Battenfeld)

Vor genau zehn Jahren wurde der Spritzgießmaschinen-Hersteller Battenfeld von der Wittmann Gruppe übernommen. Mitten in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise wurde die Integration der neuen Tochtergesellschaft sehr schnell vorangetrieben. Dabei lag der Fokus von Anfang an sowohl auf der Erneuerung der Strukturen als auch auf technologischen Innovationen, wie Georg Tinschert, Geschäftsführer von Wittmann Battenfeld, anlässlich des Events zum Zehn-Jahre-Jubiläum ausführte.

Das Ziel stand fest: Die Spritzgießtechnologie von Battenfeld sowie die Robotik-/Automatisierungssysteme und die Peripheriegeräte von Wittmann sollten zu einem echten One-Stop-Shop-Unternehmen für die Kunststoffverarbeitung integriert werden. Von 2008 bis heute hat das Unternehmen in Kottingbrunn sein Spritzmaschinenprogramm komplett erneuert, sämtliche Standardmaschinen wurden durch neue Modelle ersetzt. Das Schließkraftspektrum reicht heute von 5 t (Mikrospritzgießen) bis 2.000 Tonnen und wird durch vollelektrische, servohydraulische und Hybridmaschinen abgedeckt. Zudem wurden eigene Technologien für das MK-Spritzgießen entwickelt.

Wirtschaftlich ging es für die Wittmann Gruppe nach dem krisenbedingten Einbruch im Jahr 2009 kontinuierlich bergauf. 2011 war mit einem Umsatz von knapp 250 Mio. EUR wieder das Vorkrisenniveau erreicht. 2017 setzte die Gruppe 403 Mio. EUR um, wozu die Spritzgießmaschinen 176 Mio. EUR beitrugen. Ob das ehrgeizige Ziel von 430 Mio. EUR (plus 6,7 Prozent) für das laufende Jahr erreicht werden kann, hänge von der Entwicklung der nächsten Monaten ab, wie Georg Tinschert und Michael Wittmann, Geschäftsführer von Wittmann Kunststoffgeräte, Wien, in Kottingbrunn einräumten. Nach einem  starken ersten Quartal (5 Prozent über Vorjahr) habe sich das Geschäft in den Monaten April und Mai vor allem in Übersee und insbesondere bei den Großmaschinen etwas abgeschwächt. Die Manager ließen durchblicken, dass angesichts der außerordentlich hohen Kapazitätsauslastung und den dadurch bedingten verlängerten Lieferzeiten eine gewisse Abkühlung gar nicht einmal so ungelegen kommt. Insgesamt liegen die Verkäufe in Europa den Angaben zufolge weiter über Vorjahr, wobei insbesondere die Geschäfte in Deutschland sehr gut laufen.

Investitionen in Kottingbrunn und anderen Standorten

Der Standort Kottingbrunn hat sich in den vergangenen zehn Jahren gründlich verändert. Mehr als 45 Mio. EUR hat die Gruppe seit 2008 in dessen Erweiterung und Modernisierung investiert. Alleine in den letzten einundeinhalb Jahren wurden ein neues Entwicklungstechnikum errichtet, Produktionshallen erweitert, die Schneckenfertigung ausgebaut und ein Bürogebäude aufgestockt. Mit der Umstellung auf getaktete Linienmontage für die Schließeinheiten sowie für kleine und mittlere Maschinen hat Wittmann Battenfeld zudem seine Prozesse unter anderem mit dem Ziel kürzerer Durchlaufzeiten erneuert.

Die nächsten Projekte in Kottingbrunn stehen bereits in den „Startlöchern“. Demnächst beginnt der Neubau eines dreistöckigen Bürogebäudes für Technik, Produktion, Qualitäts- und Personalwesen. Geplant sind darüber hinaus Hallenerweiterungen für ein vollautomatisches Logistikzentrum sowie für die Montage von Vertikal-, Rundtisch- und Sondermaschinen. Deutlich erweitert hat das Unternehmen auch seine Standorte in Deutschland, Mexiko, Italien und Tschechien; als Nächstes steht der Ausbau von Wittmann Battenfeld France auf dem Programm. Die Wittmann Gruppe betreibt heute acht Produktionsstätten in fünf Ländern. Die weltweite Marktpräsenz wird durch 34 Niederlassungen und 27 Vertretungen sichergestellt. 2017 beschäftigte die Gruppe etwa 2.300 Mitarbeiter, davon 540 in Kottingbrunn.

Neue Vertikalmaschine

Die neue Vertikalmaschine wurde als Prototyp mit 160 t Schließkraft präsentiert.

Die neue Vertikalmaschine wurde als Prototyp mit 160 t Schließkraft präsentiert.

Im Rahmen der Veranstaltung hat Wittmann Battenfeld auch verschiedene Neuheiten vorgestellt. Allen voran die neue Vertikalspritzgießmaschine VPower, die in fünf Versionen im Schließkraftbereich von 120 t bis 300 t auf den Markt kommen wird. Die Maschine zeichnet sich unter anderem durch ihre ergonomisch günstigen Abmessungen aus. Die Arbeitshöhe beträgt nur 930 bis 980 mm, gleichzeitig steht ein großer Rundtisch mit wählbaren Durchmessern zwischen 1.300 und 2.000 mm zur Verfügung. Dadurch dass die Maschine ohne Mittelholm auskommt, bietet sie viel Platz für die Medienversorgung von unten.

Die Medien können wahlweise durch Direktverschlauchung, oszillierenden Verteiler oder Drehverteiler zugeführt werden. Durch die Sandwichbauweise ist eine gleichmäßige Krafteinleitung ins Werkzeug gewährleistet. Die Spritzeinheit ist gut zugänglich und leicht umrüstbar. Unter anderem dank der serienmäßigen servoelektrischen Maschinen- und Rundtischantriebe verbraucht die neue Vertikalmaschine laut Hersteller rund 30 Prozent weniger Energie als die Vorgängerserie.  Dem Publikum in Kottingbrunn wurde ein Prototyp mit 160 t Schließkraft präsentiert, der Serienstart für die neue VPower wird auf der Fakuma 2018 eingeläutet.

Weitere Neuheiten

Um ein neues Modell (Ecopower Xpress 500/3300) erweitert hat das österreichische Unternehmen seine seit 2017 vermarktete, vollelektrische Schnellläufer-Serie Ecopower Xpress, die insbesondere für den effizienten Verpackungsspritzguss eingesetzt wird. In Kottingbrunn war das neue Modell mit 500 t Schließkraft und CMS-Zustandsüberwachung bei der Produktion von 2,8-L-Eimern zu beobachten, die in einer Wittmann IML-Anlage mit Banderole-Labels ausgestattet wurden.

Im 2K-Spritzguss setzt Wittmann Battenfeld unter anderem auf Größe: Erstmals wird nun auch die größte in Kottingbrunn gefertigte Maschine, die Macropower mit 2000 t Schließkraft, in einer Zweikomponenten-Version (Combimould) angeboten. Als weitere Neuheit konnten die Besucher einen Zwei-Meter-Durchmesser-Drehteiler im Einsatz auf einer Macropower Combimould bestaunen.

Bei den Werksführungen konnten sich die Gäste von der Kompetenz des Unternehmens in Bezug auf Spritzgießtechnik, Robotik und Peripherie überzeugen.

Bei den Werksführungen konnten sich die Gäste von der Kompetenz des Unternehmens in Bezug auf Spritzgießtechnik, Robotik und Peripherie überzeugen.

Auch auf dem Gebiet der Peripheriegeräte und der Robotik wartet die Wittmann-Gruppe mit einigen Neuerungen beziehungsweise Erweiterungen auf. So bekommt etwa die 2017 eingeführte Servopicker-Serie Primus Zuwachs durch drei neue Modelle: Der kompakte Primus 10 ist auf eine Traglast von 1,5 Kg ausgelegt und rundet somit die Baureihe nach unten ab. Ausgerüstet mit einer Angusszange ist der „Kleine“ speziell für die Entnahme von Angüssen konzipiert und kann (CE-konform) innerhalb der Schutzeinhausung von Spritzgießmaschinen betrieben werden.

Ergänzt wird die Pick-and-Place-Roboterbaureihe aber auch nach oben: Primus 26 (mit vertikaler Einzelachse) und Primus 26 T (vertikale Teleskopachse) können auf Spritzgießmaschinen bis 400 t Schließkraft eingesetzt werden und leisten eine Traglast von 10 Kilogramm. Dank des großen Hubbereichs (Horizontalachse bis zu 6.000 mm) können die Picker auf Maschinen mit Ablagen hinter der Schließeinheit agieren. Alle Primus-Modelle sind mit der R8-Steuerung – wahlweise Standardversion oder  Handbediengerät mit reduzierter Optionsvielfalt  − ausgestattet.

Digitalisierung im Fokus

Einen Tagungsschwerpunkt bildeten die Digitalsierungskonzepte, die das österreichische Unternehmen unter dem Namen Wittmann 4.0 vermarktet. In einer Wittmann 4.0 Arbeitszelle werden alle Geräte, einschließlich Roboter und Peripheriegeräte an einen Router angeschlossen. Der Router vergibt automatisch IP-Adressen an die angeschlossenen Geräte, erhält von diesen relevante Informationen, die er an alle Teilnehmer der Zelle verteilt.

Über eine Single-Point-Entry-IP-Adresse ist zudem die Fernwartung aller angeschlossenen Komponenten der Zelle möglich. Sämtliche Geräte werden auf der windowsbasierten Maschinensteuerung visualisiert, von wo aus die gesamte Zelle bedient wird.  Als Neuheit wurde das laut Hersteller beliebig erweiterbare elektronische Werkzeugdatenblatt vorgeführt, in dem alle für den nächsten Produktionsprozess anzuschließenden Geräte angezeigt werden. Produktwechsel werden somit weiter erleichtert.

 

Über uns

Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de