Der vom Bieter angebotene indikative Preis beträgt 60 EUR plus vorgeschlagener Dividende von 1,25 EUR. Grammer verlautete dazu: „Es ist derzeit noch nicht abzusehen, ob die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können und ein Übernahmeangebot erfolgen wird. Die Grammer AG prüft im besten Unternehmensinteresse strategische Handlungsoptionen und wird den Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit über den Fortgang der Verhandlungen entsprechend den rechtlichen Anforderungen informieren.“

Ningbo Jifeng Auto Parts (NBJF) hält bereits einen Aktienanteil von etwa 25 Prozent an Grammer. Grammer selbst hatte die Chinesen Anfang 2017 im Abwehrkampf gegen eine mögliche Übernahme durch den bosnischen Hastor mit seiner Zulieferfirma Prevent zu Hilfe gerufen. NBJF hat seinen Firmensitz in Ningbo, einer Hafenstadt südlich von Shanghai. Das 1996 gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 2.600 Mitarbeiter an acht Standorten in China und erwirtschaftete im Jahr 2015 einen Umsatz von rund 155 Millionen EUR. NBJF hat sich spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Kopfstützen, Mittelarmlehnen, Türarmauflagen und entsprechende Unterkomponenten wie Kopfstützenbügel.

Grammer hat US-amerikanische TMD-Gruppe übernommen

Erst vor wenigen Tagen hat Grammer einen Kaufvertrag zur Übernahme der Toledo Molding & Die (TMD) in Toledo, USA, unterzeichnet. TMD ist ein Spezialanbieter für die Entwicklung und Herstellung thermoplastischer Produkte und Applikationen vorwiegend für den Fahrzeuginnenraum für die Automobil- und Automobilzulieferindustrie. Die TMD-Gruppe umfasst 11 Standorte in USA und Mexiko. Die TMD Gruppe erwirtschaftete nach vorläufigen Zahlen im Geschäftsjahr 2017 mit rund 1.600 Mitarbeitern einen Umsatz von über 300 Millionen US-Dollar. Der Kaufpreis (Enterprise Value) für TMD wird rund 271 Millionen US-Dollar betragen. Mit dem Vollzug der Übernahme wird im dritten Quartal 2018 gerechnet.

Solide Geschäftsergebnisse im ersten Quartal 2018

Der Konzernumsatz von Grammer erreichte trotz Wechselkursschwankungen in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit 454,4 Millionen EUR das Niveau des sehr starken Vorjahresquartals (Vj. 458,0). Das Konzernsegment Commercial Vehicles (Sitze) zeigte wie schon im Vorjahr ein Umsatzwachstum von 14,8 Prozent auf 153,8 Millionen Euro; dazu trugen vor allem die weiterhin steigenden Absätze in den Märkten Landtechnik und Truck sowie die anhaltende Erholung des brasilianischen Marktes bei. Im Konzernsegment Automotive (Mittelkonsolen, Interieurkomponenten und Bediensysteme) verringerte sich der Umsatz um 6,4 Prozent auf 313,9 Millionen EUR. Gründe dafür sind niedrigere Entwicklungsumsätze sowie der Auslauf bestehender Modelle beziehungsweise der nachgelagerte Hochlauf der Nachfolgeprodukte. Das operative Konzern-Ebit lag mit 20,5 Millionen EUR etwas unterhalb des sehr starken Vorjahres mit 23,1 Millionen EUR lag. Entsprechend betrug die operative Ebit-Rendite 4,5 Prozent (Vj. 5,0). Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Grammer ein Umsatzwachstum auf 1,85 Milliarden EUR. (dw)