Die Referenten des PUR-Forums 2018 in Leipzig (1. Reihe, v.l.n.r.): Steffen Paul von Simpatec, Werner Drobek von der Unternehmensgruppe Drobek, Sebastian Wolfram von Wolfram Design/Engineering,  Dr. Klaus Franken von Covestro Deutschland und Hendrik Beiersdorf von Acmos Chemie. In der 2. Reihe v.l.n.r.: Stephan Model von BBG, Andreas Moser von Alba tooling & engineering, Ulf-Peter Pestel von Pestel PUR-Kunststofftechnik, Rainer Janotta von PMT Technology sowie Axel Böhme vom KUZ). Es fehlen Roman Hofer von GK Concept und Dr. Martin Juhrisch von Symate. (Bildquelle: KUZ)

Die Referenten des PUR-Forums 2018 in Leipzig (1. Reihe, v.l.n.r.): Steffen Paul von Simpatec, Werner Drobek von der Unternehmensgruppe Drobek, Sebastian Wolfram von Wolfram Design/Engineering, Dr. Klaus Franken von Covestro Deutschland und Hendrik Beiersdorf von Acmos Chemie. In der 2. Reihe v.l.n.r.: Stephan Model von BBG, Andreas Moser von Alba tooling, Ulf-Peter Pestel von Pestel PUR-Kunststofftechnik, Rainer Janotta von PMT Technology sowie Axel Böhme vom KUZ). Es fehlen Roman Hofer von GK Concept und Dr. Martin Juhrisch von Symate. (Bildquelle: Kunststoff-Zentrum in Leipzig)

Neben den Ausgangsstoffen und der Verarbeitungstechnik spielt das Werkzeug im gesamten Prozessablauf der Formteilherstellung eine wesentliche Rolle, weil dort neben der Formgebung die chemische Reaktion zum Polyurethan (PUR) stattfindet. Diese Reaktion ist entscheidend mit verantwortlich, ob ein Produkt mit den gewünschten und vorgegebenen Eigenschaften entsteht und wurde deshalb in der diesjährigen Veranstaltung speziell thematisiert.

Werkzeuggerechtes Design

Zu Beginn gab Sebastian Wolfram von Wolfram Design/Engineering) einen Überblick über den Prozess des werkzeuggerechten Designs an Hand eines Praxisbeispiels aus der medizinischen Anwendung. Im Anschluss ging Rainer Janotta von PMT Technology auf allgemeine Gestaltungsrichtlinien für PUR-Werkzeuge ein. Der Aufbau eines Schäumwerkzeuges, bestehend aus Ober- und Unterteil, sowie je nach Anforderung Schieber, Dichtsysteme, Auswerfer und Haltesysteme für Einlege- und Versteifungsteile, wurde dargestellt. Temperierung, der Anguss (je nach Eintragsvariante) und die Entlüftung wurden thematisiert. Thematisch schloss sich der Vortrag von Dr. Klaus Franken von Covestro Deutschland an, der Berechnungen zur Anguss-Auslegung von PUR-Werkzeugen mit Ein- und Mehrfachkavitäten systematisch vorstellte.

Spezielle Werkzeuglösungen

In den weiteren Vorträgen auf dem PUR-Forum des Kunststoff-Zentrums in Leipzig beschrieben die Referenten Werkzeuglösungen für verschiedene Anwendungen. Über die speziellen Herausforderungen und technischen Besonderheiten zur Herstellung von Werkzeugen für sehr große PUR-Formteile mit einem Gewicht bis 100 kg referierte Ulf-Peter Pestel von Pestel PUR Kunststofftechnik in einem Praxisbericht. Andreas Moser von Alba tooling & engineering stellte Schäum- und Hinterschäumwerkzeuge für den Fahrzeuginnenraum vor. Am Beispiel eines Autositzes wurde das Thema des offenen Gemischeintrages diskutiert, an einer Armauflage die Anforderungen des Frontschäumes erläutert und an einer Armaturentafel das Thema des Hinterschäumens beleuchtet. Nach der Mittagspause und angeregten Gesprächen ging es weiter zu speziellen Lösungen in der Polyurethan-Verarbeitung. Roman Hofer von GK Concept stellte prinzipielle Varianten für Werkzeugkonzepte mit kombinierten Produktionstechniken vor, insbesondere mit dem Spritzgießen.

Mehr als 80 Teilnehmer kamen zur Fachtagung ‚PUR-Forum‘ Mitte April im Kunststoff-Zentrum in Leipzig (KUZ) zusammen. (Bildquelle: Kunststoff-Zentrum in Leipzig)

Mehr als 80 Teilnehmer kamen zur Fachtagung ‚PUR-Forum‘ Mitte April im Kunststoff-Zentrum in Leipzig (KUZ) zusammen. (Bildquelle: Kunststoff-Zentrum in Leipzig)

Werkzeugentlüftung und Werkzeugreinigung

Werner Drobek von der Unternehmensgruppe Drobek stellte verschiedene Möglichkeiten zur Werkzeugentlüftung vor mit ihren Vor- und Nachteilen. Ausgehend von der Entlüftung über die Trennebene, wurde die Entlüftung über Bohrungen und schließlich mittels Autovents (u.a der Fa. Drobek) diskutiert. Die Vorbereitung, Trennung und Reinigung von PUR-Werkzeugen durfte in dem Tagungsprogramm natürlich nicht fehlen; Hendrik Beiersdorf von Acmos Chemie gab zu dem Thema einen umfassenden Überblick.

Simulation in der Polyurethan-Verarbeitung

Am Beispiel des Glasscheibenumgusses stellte Stephan Model von BBG die Simulation der Werkzeugfüllung für diese konkrete Anwendung vor. Steffen Paul von der Simpatec berichtete über die Möglichkeiten der 3D Simulation des PUR-Schäumprozesses mit der Software Moldex 3D. Dort ist neben dem Füllvorgang auch schon der Schäumprozess simulierbar. Anwendungsbezogen ist aber die Datenbereitstellung eine Herausforderung und diese ist momentan jeweils kundenbezogen.

Industrie 4.0

Nach der Vorstellung von bestehenden Lösungen im Bereich der Werkzeugtechnik bot der letzte Vortrag von Dr. Martin Juhrisch von Symate einen Blick in die Zukunft der Polyurethan-Verarbeitung. Mit dem IoT-Dashboard Detact von Symate lassen sich mittels eines hohen Automatisierungsgrades Datenströme erfassen, verarbeiten und auswerten. Das System leistet dabei eine übergreifende Datenzusammenführung und -auswertung von Messdaten aus der Prozesskette und visualisiert, was im Prozess passiert, welche Wechselwirkungen bestehen und was die Zielgrößen beeinflusst. Somit bietet das System zum einen eine Chance, stellt aber gleichzeitig durch die chemische Reaktion bei der Verarbeitung in Bezug auf eine Prozessoptimierung der PUR-Verarbeitung eine Herausforderung dar. (dw)