Bildquelle: tom-Fotolia.com

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Wie ist das Jahr 2017 insgesamt für TK Mold verlaufen und wie laufen die Geschäfte in Europa?

Joerg Wehling
ist General Manager der 
Precision Mold Division,
TK Holdings - TK Mold in Shenzhen, China.

Joerg Wehling
ist General Manager der
Precision Mold Division,
TK Holdings – TK Mold in Shenzhen, China.

Joerg Wehling Wir konnten alle gesteckten Ziele übertreffen, sowohl im Automotive und Elektroniksektor als auch im Verpackungsbereich und im Silikon Spritzguß. Aktuell sind wir mehr als zufrieden mit der europäischen Marktentwicklung. TK konnte 2017 ein deutliches Umsatzplus in Europa verbuchen, und der momentane Auftragseingang für 2018 liegt über den Erwartungen.

Wie sehen die Pläne aus, um neben Deutschland weitere regionale Märkte zu erschließen?

Joerg Wehling Durch unsere Niederlassung TK Mold Germany, in Braunschweig ist es uns gelungen einen wertvollen Kommunikations Knotenpunkt für After Sales Services zu etablieren. Dieser Schritt wurde von allen unseren Kunden begrüßt und ist ein Garant für projektorientierte, zielführende Kommunikation.

Wo und bei welchen Kundenkreis sehen Sie die größten Entwicklungsfelder, um Ihre Werkzeuge in Europa zu etablieren?

Joerg Wehling Die größten Chancen sehen wir im Bereich Verpackung/Medizin für langfristig laufende Produkte. In Zukunft werden wir auch unsere After Sales Tätigkeiten der Niederlassung in Braunschweig verstärkt ausbauen.

Grundsätzlich sind wir fokusiert auf Markeneigentümer und große Lohnfertiger im Bereich Spritzguß. Der Bereich Verpackungstechnik birgt immer noch großes Wachstums-potential. Daneben verfolgen wir aber auch immer wieder innovative Ideen mit Entwicklungspotenzial.

Was sind neben Automobil Ihre wichtigsten Zielbranchen?

Joerg Wehling Seit 2 Jahren verstärken wir konsequent unsere Teams im Bereich Medizin, – Verpackungs, – und Silikon Spritzgießtechnik. Zur Zeit ist unser Umsatz verteilt und liegt zu ca. 55 Prozent in der Automobil-Luftfahrttechnik, zu 28 Prozent in Elektronikteilen und zu ca. 17 Prozent in der Medizin- und Verpackungstechnik. Es ist nach Abschluss aller Investitionen und Restrukturierungen geplant, die oben genannten Marktanteile auf jeweils ca. 33 Prozent zu bringen.

TK Mold ist stark exportorientiert. Sehen Sie das als chinesisches Unternehmen als Stärke?

Joerg Wehling Natürlich ist es als chinesisches Unternehmen wünschenswert einen möglichst hohen Exportanteil zu haben. Das geforderte Qualitätsniveau der europäischen und US amerikanischen Märkte erreichen zu können, ist ein unschlagbarer Vorteil für TK Mold und eine großartige Reputation. In Zukunft müssen wir uns aber auch stärker um die lokalen Märkte, die großen chinesischen Markeneigentümer und Ihre Converter kümmern.

Um hochwertige Werkzeuge herzustellen, sind hochqualifizierte Werkzeugmacher nötig. Sind diese auf dem chinesischen Arbeitsmarkt verfügbar?

Joerg Wehling Werkzeugtechniker die man benötigt und die das nötige Wissen beherrschen sollen, muss man sich als Unternehmen in China selber ausbilden. Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, junge Leute von technisch orientierten Schulen auf eine Karriere als Werkzeugtechniker vorzubereiten. Bis diese Ausbildung offiziell anerkannt wird, liegt es im Bereich der Betriebe das Berufsbild Werkzeugtechniker aufzuwerten. Im Gegensatz zum europäischen, dualen Ausbildungssystem, ist ein Berufslehrgang für Werkzeugmacher/Kunststofftechniker nicht vorgesehen. Aber der Mangel an Fachkräften ist ja ein globales Problem, dem sich unsere Branche stellen, und Lösungswege finden muss.

Inwiefern unterscheidet sich das chinesische vom deutschen Ausbildungssystem?

Joerg Wehling Für Werkzeugtechniker ist definitiv kein Ausbildungsplan vorhanden. Es ist schwer hier Unterscheidungsmerkmale zu deutschen Ausbildungsstrukturen anzuführen, da keine direkter Vergleich stattfinden kann. Viele der jungen Leute möchten ( wie auch in Europa ) einen Studienplatz auf Universitäten. Die meisten beenden Ihre Schulausbildung jedoch mit einem Abschluß einer technischen/kommerziellen Schule. Weiterbildende Ausbildungsmaßnahmen obliegen hier den jeweiligen Unternehmen wodurch ein einheitlicher Wissensstand nicht erreichbar ist.

Inwiefern können beide Systeme voneinander lernen?

Joerg Wehling Wie bereits angemerkt, es ist zur Zeit unmöglich das bestehende deutsche System mit dem chinesischen System zu vergleichen. Zu unterschiedlich sind hier die Ansätze, es fehlen Ausbildungspläne. Die Firma Engel mit Ihren Partnern hat mit dem Projekt „Werkzeug/Kunststofftechniker“ Ausbildung jedenfalls eine Vorreiterrolle übernommen, welche absolut Sinn macht und auch hier in Südchina mit den richtigen Partnern ein Schritt in die Zukunft ist.

Ist das überhaupt sinnvoll in Anbetracht unterschiedlicher Firmenkulturen?

Joerg Wehling TK Mold Shenzhen, als eines der modernsten chinesischen Werkzeugbauunternehmen, wird hier eine führende Rolle übernehmen. Wir werden gemeinsam mit unseren Partnern und Lieferanten ein Ausbildungsprogramm erstellen, welches das Grundwissen und Ausbildungsschwerpunkte im Werkzeugbau weitervermittelt. Natürlich bleibt die Frage offen ob diese Art der Facharbeiter Ausbildung auch von den chinesischen Behörden anerkannt und als eigenes Berufsfeld aufgewertet wird.

Was würden Sie sagen, haben Sie es als Europäer in China eher leichter oder schwerer?

Joerg Wehling Die chinesische Regierung hat die Bedingungen für eine Arbeitserlaubnis seit 2016 erheblich erschwert. Dadurch war der Beginn des Arbeitsverhältnisses etwas kompliziert. Aber nach 4 Monaten war schließlich auch dieses Problem gelöst.

 

[Das Interview führte David Löh, Redakteur Plastverarbeiter]