IE Plast plant und realisiert Produktionsstätten für die Reinraumfertigung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie. Welches sind dabei die Hauptherausforderungen, welches Know-how bringen Sie ein?

Dominic Mühleiß ist Geschäftsführer IE Plast Deutschland.

Dominic Mühleiß ist Geschäftsführer IE Plast Deutschland.

Dominic Mühleiß, Geschäftsführer IE Plast: Seit gut 20 Jahren wächst der Bedarf an Reinräumen und Hygienekonzepten in der Kunststoff verarbeitenden Industrie stetig an. Wir von IE Plast sind daher zunehmend mit dem Thema der Fertigung unter Reinraumbedingungen beziehungsweise erhöhten Hygieneanforderungen konfrontiert. Dies betrifft zum einen die Integration von Reinräumen und Hygienekonzepten in bestehende Gebäudestrukturen und zum anderen deren Planung und Realisierung  in Neubauten auf der grünen Wiese. Nicht nur  Medizintechnik-Produkte sind hiervon betroffen, sondern zunehmend auch technische Bauteile, etwa aus der Automobil- oder optischen Industrie. Die größte Herausforderung liegt darin, Risiken zu erkennen, die eine Kontamination von Arbeitsplätzen oder Produkten überhaupt erst ermöglichen. Die Qualität einer Produktionsstätte in Verbindung mit einem Reinraum hängt daher maßgeblich von der Grundlagenermittlung ab. In einem ersten Schritt geht es darum, die Prozesse unserer Kunden zu verstehen. Eine Diskussion der Prozesse auf Augenhöhe gewährleisten wir durch unsere Betriebsplaner, die sowohl Erfahrung im Bereich der Kunststoff verarbeitenden Industrie als auch der Produktionsplanung haben. Anschließend führen wir zusammen mit unseren Kunden umfangreiche Risikobewertungen durch, um ein genaues Verständnis für die Prozesse und Abläufe zu bekommen, auf die besonders geachtet werden muss. Hieraus entwickeln wir optimale, auf die jeweiligen Prozesse abgestimmte Hygiene- und Schleusenkonzepte. Eine weitere Anforderung, mit der wir oft konfrontiert werden, ist die spätere Erweiterbarkeit der Reinräume. Dies gewährleisten wir durch die Berücksichtigung entsprechender Deckenhöhen sowie die Auswahl eines geeigneten Gebäuderasters.

Sie fungieren als Generalübernehmer für das neue Ypsomed-Werk in Schwerin. Was bedeutet das, worin besteht Ihre Aufgabe?

Thomas Fischer, IE Plast, ist Projektleiter bei der Realisierung des neuen Ypsomed-Werks in Schwerin.

Thomas Fischer, IE Plast, ist Projektleiter bei der Realisierung des neuen Ypsomed-Werks in Schwerin.

Thomas Fischer, Projektleiter: Wir planen und realisieren baubegleitend den Neubau einer Produktionsstätte mit circa 24.000 m² auf der grünen Wiese. Wir garantieren unserem Kunden Ypsomed dabei die Einhaltung der vereinbarten Qualitäten, Kosten und Termine. Hierzu bedarf es eines Teams aus interdisziplinär arbeitenden Betriebs-, Logistik- und Bauplanern, Realisieren und Spezialisten, das von IE Plast zusammengestellt wurde. Wir begleiten Ypsomed bei diesem Projekt seit der ersten Planungsphase bis hin zur schlüsselfertigen Fabrik.

Welche speziellen Herausforderungen stellt dieses Projekt?

Fischer: Die Planung und Realisierung erfolgt unter erheblichem Termin- und Kostendruck. Wobei die hohen Ansprüche an die Qualität einer solchen Produktionsstätte in allen Bereichen – Gebäude, Versorgungs- und Produktionstechnik – natürlich nicht vernachlässigt werden können. Zur Sicherung dieser Qualität wurde IE Plast von Ypsomed beauftragt, die notwendigen Qualifizierungsprozesse zu begleiten. Hier ist ein enges Zusammenspiel aus Projektteam des Kunden, IE Plast Bauplanungsteam und unseren Qualifizierungsspezialisten erforderlich. Eine ganz besondere Herausforderung war es für unser Planungsteam, eine Produktionsstätte zu konzipieren, die eine möglichst flexible Produktion innerhalb eines  begrenzten Budgets ermöglicht. Wir sind sehr stolz darauf, dass uns dies gelungen ist und wir hiermit unserem Kunden die Möglichkeit geben, auf wechselnde Marktbedingungen reagieren zu können. Unseren Architekten ist es dabei gelungen, ein Gebäude zu entwerfen, das den gestalterischen Ansprüchen unseres Kunden gerecht wird und sich mit seiner schlichten Eleganz gleichzeitig dezent in die Landschaft und das Umfeld einfügt.

Gibt es neue Trends in der Reinraumfertigung von Kunststoffprodukten, die ein Realisierer von Produktionsstätten zu berücksichtigen hat?

Mühleiß: Flexibilität ist aktuell mit Sicherheit eines der größten Themen in der Kunststoff verarbeitenden Industrie. Losgrößen werden immer kleiner, Produktlebenszyklen immer kürzer. Unsere Kunden müssen schnell auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren können. Das beschäftigt natürlich auch uns als Experte für Industriebauten. Wir realisieren daher immer mehr Reinräume mit separater Medienversorgung (Mediensäulen), um Spritzgießmaschinen, Extruder und auch Montageautomaten komplett in den Reinraum zu integrieren. Konzepte, bei denen zum Beispiel Spritzgießmaschinen nur mit der Schließeinheit an einen Reinraum angekoppelt sind, gibt es bei uns kaum noch. Dadurch ist gewährleistet, dass Maschinen neu positioniert oder durch andere Maschinen ersetzt werden können. Hierfür werden entsprechende Materialschleusen vorgesehen, in denen das einzubringende Equipment entsprechend gereinigt und für den Reinraum vorbereitet wird. Ein weiterer Trend ist der Vorbehalt eines möglichen Upgrades in eine höhere Reinraumklasse. Hier sind auch baulich gewisse Vorkehrungen zu treffen. Wir sind bestrebt, smarte Gebäudekonzepte umzusetzen, um zukünftige Entwicklungen zu ermöglichen. Eine hohe Flexibilität ist in der Regel immer mit Kosten verbunden. Wir von IE Plast sind daher bemüht, zusammen mit unseren Kunden das richtige Maß zu finden, um eine flexible zukunftsfähige Produktion zu ermöglichen, ohne dabei den Kostenrahmen zu überspannen.