Mieten statt kaufen: Krauss Maffei wird für den neuen Leasing-Vertriebsweg diese Kleinmaschinen in einem Lagerprogramm bevorraten, damit Kunden von einer sehr schnellen Lieferzeit profitieren können. (Bildquelle: Krauss Maffei)

Mieten statt kaufen: Krauss Maffei wird für den neuen Leasing-Vertriebsweg diese Kleinmaschinen in einem Lagerprogramm bevorraten, damit Kunden von einer sehr schnellen Lieferzeit profitieren können. (Bildquelle: Krauss Maffei)

Aus den Nähten platzende Kapazitäten scheinen derzeit das einzige Problem der Krauss Maffei Group zu sein. Wegen des großen Erfolgs der frei konfigurierbaren vollelektrischen Spritzgießmaschine PX, insbesondere in Deutschland, USA und China, müssten die entsprechenden Produktionskapazitäten 2018 verdoppelt werden, sagte CEO Dr. Frank Stieler auf der Fakuma-Pressekonferenz der Gruppe in Friedrichshafen. Generell stehen die Zeichen bei Krauss Maffei auf ungebremstes Wachstum. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet die Gruppe, die die Marken Krauss Maffei (Spritzgieß- und Reaktionstechnik), Krauss Maffei Berstorff (Extrusionstechnik) und Netstal (Spritzgießtechnik) vereint, mit einem Plus bei Umsatz und Auftragseingang um bis zu 10 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2016. Seit der Übernahme durch den chinesischen Industriekonzern Chemchina im Jahr 2016 hat das Unternehmen die Mitarbeiterzahl um rund 14 Prozent erhöht, wie Stieler betonte. Kürzlich wurde erstmals die Marke von 5000 Beschäftigten übertroffen.

Ein Teil dieser Wachstumsdynamik basiert auf dem Erfolg in China, wo der neue Eigentümer offenbar viele Türen geöffnet hat. Das Werk im chinesischen Haiyan, in dem Krauss Maffei hydraulische Spritzgießmaschinen der Baureihen GX und MX fertigt, hat sein   Produktionsvolumen bereits verdoppelt und erwartet weitere Steigerungen. „China und andere asiatische Märkte werden für uns in Zukunft an Bedeutung gewinnen”, sagt Stieler voraus. Bisher entsprechen alle in Haiyan montierten Maschinen in puncto Design und Qualität den für den euröpischen Markt produzierten Produkten. Nun will die Gruppe darüberhinaus eine (preisgünstigere) Version speziell für den chinesichen Markt entwickeln.

Maschinen mieten statt kaufen

Neue Vermarktungsstrategien verfolgt Krauss Maffei auch in Europa. Das Unternehmen hat ein Leasing-Modell für Standard-Spritzgießmaschinen im Schließkraftbereich von 500 bis 3.000 kN lanciert. Pilotmarkt für das gemeinsam mit der Deutsche-Leasing-Gesellschaft durchgeführte Projekt ist Deutschland. Auf diese Weise will das Unternehmen dem Flexibilitätsbedürfnis vieler Verarbeiter Rechnung tragen, die zum Beispiel bestimmte Produktionskapazitäten nur für die Dauer eines Großauftrags benötigen und dafür kein Kapital in der Bilanz binden wollen. Die standardmässige Leasing-Laufzeit von vier Jahren kann optional verlängert werden, auch ein Kauf zum Restwertpreis ist möglich.


Marktübersicht Spritzgießmaschinen

Die Marktübersicht enthält die branchenrelevanten Spritzgießmaschinen, sortiert nach Einsatzbereichen, zu verarbeitendem Material und weiteren wesentlichen Kriterien. Zugleich bildet sie Entwicklungstrends der Maschinentechnik ab, wie das Verketten einzelner Produktionsschritte oder die immer mehr Komponenten betreffende Energieeffizienz. Auch Verarbeitungsverfahren wie das Schaumspritzgießen oder die Mehrkomponenten-Technik halten Einzug in die Technik der Spritzgießmaschinen und damit in diese Marktübersicht.


Digitalisierung im Fokus

Auf der Fakuma 2017 lancierte das Unternehmen verschiedene segmentübergreifende Neuheiten, die zum Teil unter dem Stichwort digitalisierte Prozesse zusammengefasst werden können. So etwa Maxecution, ein Manufacturing Execution-System (MES), das gemäß Krauss Maffei speziell auf die Bedürfnisse kleinerer Spritzgießunternehmen zugeschnitten ist. Es basiert auf dem MES Hydra des Software-Spezialisten MPDV Mikrolab, Mosbach, und wird in drei Ausbaustufen angeboten. Zudem zeigte die Gruppe auf der Fakuma ihren neuen LRX-Klein-Roboter, der sein Vakuum selbst steuert. Die in die MC6-Steuerung integrierte Vakuumsteuerung kontrolliert den Druckluftverbrauch aktiv und erkennt Leckagen frühzeitig. Eine zusätzliche Abblasfunktion erleichtert das Ablegen kleiner Bauteile. Über eine Luftsparfunktion hält die Steuerung das Vakuum konstant auf einem vorab eingestellten Grenzwert, so dass nur soviel Druckluft verbraucht wird, wie für einen Zyklus benötigt wird.

Netstal, Näfels, Schweiz, präsentierte in Friedrichshafen unter anderem seinen neuen E-Service für den After-Sales-Bereich, die den Anwendern unter anderem den digitalen Zugang zu maschinenspezifischen Dokumenten ermöglicht. Verdeutlicht wird der interactive Charakter des neuen Portals etwa bei der Ersatzteilbeschaffung. Der Anwender kann Teileverfügbarkeit und Preise online überprüfen und Bestellungen auslösen, wobei ein maschinenspezifischer Teilefinder Fehlbestellungen verhindert. Als Integrierter Bestandteil von E-Service aber auch als eigenständige App ist das neue cloudbasierte Auswertetool Analytix erhältlich. Es ermöglicht dem Anwender die ortsunabhängige Produktiosüberwachung. Eine neu entwickelte Stabilitäts-Kennzahl zum Beispiel informiert – nach Auswertung von zehn Prozessparametern – über die Gesamtperformance einzelner Maschinen oder der gesamten Produktion. Ein weiterer Koeffizient liefert prozentuale Angaben über die Produktivität.

Auch im Segment PUR-Verarbeitung wartete Krauss Maffei mit Messeneuheiten auf. Mit drei neuen PUR-Mischköpfen soll die Flexibilität der Prozesse erhöht und Zykluszeiten verkürzt werden. (Detailliertere Angaben zu vielen Neuheiten finden Sie in den PLASTVERARBEITER-Produktberichten.)

Über uns

Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de