Bildquelle:  Krill - Fotolia.com

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Der anhaltende Trend zur Teilnahme an der Fakuma ist aber wohl auch damit zu erklären, dass sich weite Teile der kunststoffverarbeitenden Industrien deutlich verändern, in dem sowohl neue Werkstoffe als auch neue Technologien/Verfahren zum Einsatz kommen. Als Beispiele wären hier die Additiven Fertigungsverfahren sowie Verfahren und Prozesslösungen zur hoch effizienten Ver- und Bearbeitung von Hybrid-, Verbund- und Schichtwerkstoffen zu nennen. Zumal vor allen Dingen auch die Automobilindustrie und deren Zulieferer wegen der vielschichtigen Anforderungen an bezahlbare Leichtbau-Strukturen immer mehr und tiefer als je zuvor auf die Möglichkeiten eines breiten Chemie-Portfolios setzen. Voraussetzung für die Verarbeitung der neuen Werkstoffe sind entsprechend neue Entwicklungen von Maschinen, angepasste Werkzeuge und Werkzeug-Normalien, integrierte Qualitätssicherungs-Systeme, regelbare hydraulische/pneumohydraulische/elektrische Antriebe sowie vernetzungs- und damit kommunikationsfähige Steuerungen samt Software.

Fakuma 2017: Marktplatz für Kunststofftechnik

Unternehmen zeigen auf der Messe neue Entwicklungen zum Spritzgießen, Extrudieren, Thermo-Umformen, 3D-Printing, und zur weitergehenden Verarbeitung bis hin zur angedockten Baugruppen-Montage und sterilen Verpackung unter Reinraum-Bedingungen etwa von medizintechnischen Komponenten und Baugruppen. Zudem profitieren Fakuma-Besucher von Vorträgen im Aussteller-Forum. Hier präsentieren Fachleute in kurzen Referaten neue Technologien, verbesserte Verfahren, Produkt-Innovationen und neue Lösungsansätze für mehr Wirtschaftlichkeit in der Kunststoffteile-Fertigung und stehen anschließend für einen tiefergehenden Meinungsaustausch zur Verfügung.

Neben den Fragen rund um das Thema Leichtbau und den damit verbundenen neue Werkstoffen und Verfahren werden auf der Fakuma neue technische Entwicklungen zur Digitalisierung und Automatisierung in der Kunststoffverarbeitung zu sehen sein. Nicht nur klassische Automatisierungsanbieter, sondern auch Maschinenbauer selbst rüsten ihre Anlagen aus, um fit für Industrie 4.0 zu werden. Die Maschinen- und Anlagenbauer präsentieren sich mehr und mehr als Anbieter gesamter Konzepte mit tiefgehenden Prozess-Know-how. Ziel der zunehmenden Vernetzung ist die effizientere Gestaltung aller Prozesse im Unternehmen. Effizienz in jeder Hinsicht, ob in Bezug auf Zeit, Investition, Qualitätsmanagement, Energie oder Rohstoffe und nicht zuletzt Personal.

Schwerpunktthemen: Industrie 4.0 und Circular Economy

Kampagnen für eine bessere Nutzung von Ressourcen konnte man bereits vor Jahren erleben – Stichwort Energieeffizienz. Heute blicken die Analysen auch auf die Rohstoffe und die Verwertung im Kreislauf. Die politischen Rahmenbedingungen werden zunehmend so gestaltet, dass der Kreislaufwirtschaft mehr Bedeutung zukommt. Circular Economy ist das neue Wort, das für neue Impulse in der Diskussion und Entwicklung sorgen soll. Der VDMA sieht in der Fortführung der Initiative Blue Competence den Weg dafür geebnet. „Blue Competence heißt: Nachhaltigkeit durch Prozesskompetenz“, so das Resümee des VDMA Ende August. „Auf der K 2016 haben wir uns in unserer Kommunikation ganz auf Industrie 4.0. konzentriert. Das heißt aber nicht, dass Blue Competence nicht auch für die Entwicklung digitaler Technologielösungen eine notwendige Voraussetzung wäre. Ohne Prozesskompetenz, vorausschauendes Denken und die Fähigkeit zu Dialog und Kooperation sind langfristig erfolgreiche – und damit nachhaltige – Innovationen in der Industrie 4.0 nicht möglich.“

Mit Blick auf die K 2019 wird der VDMA sich weiterhin mit Industrie 4.0, aber auch mit dem Thema Circular Economy beschäftigen. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft rückt nicht nur in den politischen Vorgaben der EU immer stärker in den Fokus, auch aus der Kunststoffindustrie selbst kommen die Impulse. Auf der Fakuma will der Verband eine erste Orientierung, ein gemeinsames Verständnis für die Idee der Circular Economy entwickeln, aber auch die Vielfalt der Blickwinkel zeigen, mit der dem Konzept begegnet werden kann und muss.

Wie viel Potenzial hierin liegt, zeigt eine Studie des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE), den die Bundesregierung im Jahr 2001 berufen hat. Eine ambitionierte Kreislaufwirtschaft schont nicht nur die Umwelt, sondern eröffnet neue Geschäftsmodelle und Einkommensquellen. Allerdings werden diese Chancen in Deutschland noch viel zu wenig genutzt. „Eingesetzte Rohstoffe gelangen über den Lebenszyklus eines Produktes hinaus nicht wieder in den Produktionsprozess zurück. Im Wesentlichen haben wir immer noch eine Linearwirtschaft, keine Kreislaufwirtschaft“, betonen Günther Bachmann, Generalsekretär des RNE, und Alexander Holst, Managing Director bei Accenture Strategy Sustainability im Vorwort der Studie. „Das ist ökologisch fatal, ökonomisch leichtfertig und sozial wenig intelligent“, heißt es darin weiter. Die Studie zeigt ganz konkret, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Im Fokus der Experten liegen drei Branchen: Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Automobil und Baustoffe. In allen drei Wirtschaftszweigen könnte die Kreislaufwirtschaft für eine Wende sorgen. Der Bericht wurde von Accenture Strategy unter Mitwirkung der Ökopol GmbH verfasst.

Recycling von Kunststoff

Im Jahr 2015 fielen in Deutschland knapp 5,92 Mio. t Kunststoffabfälle an. Etwa 84,5 Prozent dieser Abfälle entstanden nach dem Gebrauch der Kunststoffe. Die restlichen 15,5 Prozent fielen bei der Herstellung und vor allem bei der Verarbeitung von Kunststoffen an. Die drei mengenmäßig wichtigsten Kunststoffe dominieren auch den Kunststoffabfall: Von der Gesamtabfallmenge entfielen mit 2,29 Mio. t oder 38,7 Prozent auf Polyethylen (PE), 0,99 Mio. t auf Polypropylen (PP) und 0,67 Mio. t auf Polyvinylchlorid (PVC). Im Jahr 2015 wurden fast 99 Prozent aller gesammelten Kunststoffabfälle verwertet: Von den knapp 6 Mio. t Kunststoffabfällen wurden 46 Prozent werk- und rohstofflich genutzt, 53 Prozent wurden energetisch verwertet – 2,05 Mio. t davon in Müllverbrennungsanlagen, 1,09 Mio. t ersetzten als Ersatzbrennstoff fossile Brennstoffe etwa in Zementwerken oder Kraftwerken. 44.000 t, weniger als 1 Prozent, wurden auf Deponien beseitigt.

Ein Großteil der Kunststoffe wird in Europa für Verpackungen verwendet. Etwa 20 Prozent gehen in den Baubereich, nur 10 Prozent finden im Automobilbereich Anwendung. „Ob in Zeiten von Additive Manufacturing und dem Trend zu Leichtbau auch in Zukunft ein so großer Anteil der Kunststoffe im Verpackungsbereich bleiben, ist ungewiss“, so Naemi Denz, Geschäftsführerin des VDMA-Abfall- und Recyclingtechnik, anlässlich eines Fachforums auf der Demonstrationsmesse Recycling Aktiv in Karlsruhe im April 2017. „Heute werden etwa 30 Prozent der Kunststoffabfälle aus dem Post-Consumer-Bereich recycelt. Die Quote hat noch Luft nach oben, eine Steigerung ist mit bestehenden Technologien durchaus realistisch“. Und höhere Recyclingquoten werden mit dem jüngst von der Bundesregierung beschlossenen neuen Verpackungsgesetz auch gefordert. Damit einher geht ein Schub in der Nachfrage geeigneter Technologien für die Aufbereitung klassischer Post-Consumer Verpackungsabfälle in der EU.

Effizienz auf allen Ebenen

Auf der Fakuma haben sich rund 100 Unternehmen unter die Nomenklatur Maschinen und Ausrüstung zum Aufbereiten, Recycling listen lassen. Weitere Aussteller rund um das Thema Recycling und Kreislaufwirtschaft sind auch unter den Rohstoffanbietern zu finden. Darunter auch BASF, die als eines der führenden Unternehmen im Bereich Rohstoffe im Mai den Initiativen Circular Economy 100“ und „New Plastics Economy“ der Ellen MacArthur-Stiftung zur Kreislaufwirtschaft beigetreten ist. Recycling ist ein Baustein, um den Nutzen von Ressourcen zu steigern. Damit reiht sich das Thema Kreislaufwirtschaft in die Zielsetzung ein, die industrielle Entwicklung nachhaltiger zu gestalten. Ob Digitalisierung, Automatisierung, Ressourcen- oder Rohstoffeffizienz: es geht darum, mehr daraus zu machen. Von der Fakuma erwarten wir wieder Impulse, die zu mehr Effizienz auf allen Ebenen führen.

Dr. Etwina Gandert

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert

ist Redakteurin Plastverarbeiter.

etwina.gandert@huethig.de