Zum ersten Mal werden Exterieur-Bauteile im Clearmelt-Verfahren produziert. (Bildquelle: Engel)

Zum ersten Mal werden Exterieur-Bauteile im Clearmelt-Verfahren produziert. (Bildquelle: Engel)

Geht es bislang bei der Clearmelt-Technologie um Dekorelemente und elektronische Funktionsbauteile für den Fahrzeuginnenraum, rückt die Technologie jetzt auch für Exterieur-Teile in den Fokus der Automobilhersteller. Auf seinem Messestand zeigt das Unternehmen hierzu eine erste Anwendung. Auf einer Duo-2460/500-Spritzgießmaschine werden Außenverkleidungen in Hochglanzoptik produziert. Neben der sehr hochwertigen Anmutung der Bauteile und der herausragenden Effizienz des hochintegrierten Verfahrens, sorgt die Clearmelt-Technologie im Exterieur-Bereich vor allem für eine besonders hohe Kratzfestigkeit der Oberflächen.

Beim Clearmelt-Verfahren wird zunächst ein thermoplastischer Grundträger in der Spritzgießmaschine erzeugt und dieser in einer zweiten Kavität mit Polyurethan überzogen. Das Verfahren lässt sich sehr einfach mit IML kombinieren, wobei sowohl dekorative und kapazitive Folien als auch Holzfurniere verarbeitet werden können. Auf diese Weise liefert diese Technologie in einem Arbeitsschritt einbaufertige Fahrzeugkomponenten, die weder lackiert noch einer anderen Nachbearbeitung unterzogen werden müssen. Die Polyurethan-Deckschicht sorgt für den hohen Glanzgrad sowie die Kratzfestigkeit.

Wirtschaftliche Präzision für noch größere Werkzeuge

Vollelektrisch geht es bei dem Unternehmen im Ausstellungsbereich Teletronics zur Sache. Auf einer E-Mac 940/280 werden anspruchsvolle Steckergehäuse für Fahrzeugtüren produziert. War die E-Mac-Baureihe bis dato mit Schließkräften bis 1.800 kN verfügbar, erweitert der Spritzgießmaschinenhersteller die Baureihe um eine 2.800-kN-Version.

Vollelektrisch höchste Anforderungen an Präzision und Wirtschaftlichkeit vereinen. (Bildquelle: Engel)

Vollelektrisch höchste Anforderungen an Präzision und Wirtschaftlichkeit vereinen. (Bildquelle: Engel)

Mit der Herstellung von 40-poligen Steckergehäusen aus glasfaserverstärktem PBT demonstriert das Unternehmen während der Messe, wie sich hohe Anforderungen an die Präzision und Wirtschaftlichkeit vereinen lassen. Aufgrund der sehr filigranen Struktur im Inneren der Steckergehäuse entscheidet in diesem Marktsegment die Präzision des Spritzgießprozesses über die Wettbewerbsfähigkeit des Produzenten. In mehreren nachfolgenden Prozessschritten werden die Steckergehäuse mit Stabilisatoreinsätzen, Dichtungen und den Kontakten bestückt und laserbeschriftet. Unsauber ausgespritzte Bereiche oder Verzug stören die automatisierte Montage und können zu einem Produktionsstopp führen. Da die Spritzfehler zum Teil erst gegen Ende der Prozesskette erkannt werden, verteuert sich zudem der Ausschuss. Um dies zu verhindern, stellt die Maschine sicher, dass auch über lange Fließwege sehr dünnwandige Bereiche zuverlässig gefüllt werden.

Maximale Integration auf minimaler Fläche

Hochintegrierte, kompakte Fertigungszellen minimieren den Anlagenfootprint und steigern die Flächenproduktivität. Im Reinraum machen sich diese Aspekte besonders bezahlt. Der Spritzgießmaschinenhersteller hat deshalb seinen vor zwei Jahren vorgestellten Rohrverteiler aus Edelstahl für die kavitätenreine Ablage kleiner Spritzgießteile dahingehend weiterentwickelt, dass das Ablagesystem vollständig in den verbreiterten Schiebeschutz der Spritzgießmaschine passt. Auf der Messe wird die neue extrem kompakte Lösung erstmalig zu sehen sein.

Während der fünf Messetage werden auf einer E-Victory-170/80-Spritzgießmaschine Nadelhalter für 1-ml-Sicherheitsspritzen in einem 16-fach-Werkzeug von Fostag Formenbau, Stein am Rhein, Schweiz, gefertigt. Ein Engel Viper 12 Linearroboter entnimmt die filigranen Polystyrol-Teile aus dem Werkzeug und übergibt sie an das Verteilersystem. Um eine Chargenrückverfolgung bis auf die Ebene einzelner Kavitäten sicherzustellen, werden die Spritzgießteile kavitätenrein in Beutel verpackt. 16 Beutel hängen dafür in einem Wagen, der direkt unter dem Rohrverteiler Platz findet. Zur Qualitätskontrolle können einzelne Schüsse ausgeschleust werden.

Für den mannlosen Reinraumbetrieb – zum Beispiel während der Nachtschicht – lassen sich zwei Wagen in Reihe takten, wobei ein Puffersystem den vollautomatischen Wechsel ermöglicht. Die gesamte Peripherie ist hierfür in die CC300-Steuerung der Spritzgießmaschine integriert. Dank der gemeinsamen Datenspeicherung kann die Steuerung die Maschinen- und die Roboterbewegungen exakt aufeinander abstimmen, um die Gesamteffizienz zu optimieren. Hinzu kommen die besonders kurzen Roboterwege aufgrund der holmlosen Schließeinheit der E-Victory-Maschine. Beide Faktoren tragen in dieser Anwendung zu den kurzen Zykluszeiten von sechs Sekunden bei.

Die hochintegrierte Fertigungslösung präsentiert sich auf der Fakuma komplett in Reinraumausführung. Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen am Markt bestehen beim Rohrverteiler alle produktberührenden Teile aus Edelstahl, was dazu beiträgt, die Partikellast gering zu halten. Als Systemanbieter erweitert das Unternehmen kontinuierlich sein Angebot an GMP-gerechten Peripherieprodukten. Neben den Rohrverteilern werden auch Förderbänder und Einhausungen für Robotergreifer aus der eigenen Entwicklung und Fertigung angeboten.

Hydraulische Präzision für anspruchsvolles LSR

Die Verarbeitung von Flüssigsilikon (LSR) im Spritzguss schöpft das Effizienzpotenzial der holmlosen Victory-Maschinen optimal aus. Vor allem die konstruktiv bedingte sehr hohe Prozesskonstanz leistet einen wichtigen Beitrag. So sorgt der Force-Divider dafür, dass die bewegliche Aufspannplatte während des Schließkraftaufbaus dem Werkzeug exakt folgt und die Schließkraft gleichmäßig über die Aufspannfläche verteilt wird. Auf diese Weise werden sowohl die außen- als auch die innenliegenden Kavitäten mit exakt gleicher Kraft zugehalten, was eine gleichmäßige Stauchung des Werkzeugs sicherstellt und zu einer konstant hohen Teilequalität führt. Die gratarme, abfallfreie, nacharbeitsfreie und vollautomatisierte Verarbeitung ist die Voraussetzung, High-tech-Produkte aus Flüssigsilikon wirtschaftlich herzustellen. Wie dies in der Praxis aussehen kann, demonstriert das Unternehmen auf der Fakuma mit der Herstellung von Entlüftungsventilen für Getränkeflaschen auf einer Victory-860/160-Spritzgießmaschine. Die im Durchmesser etwa 50 mm großen Entlüftungsventile weisen eine geometrisch komplexe Struktur mit wechselnden Wanddicken auf.

Fakuma: Halle A5, Stand 5204