Der Umsatz der spanischen Verarbeiter wuchs von 2014 auf 2015 um 7 Prozent. Im Jahr drauf nochmal um 3,6 Prozent. "Damit brauchen wir noch zwei Jahre, um das Vorkrisenniveau zu erreichen", sagt Luis Cediel, Geschäftsführer von Anaip, dem Verband der spanischen Kunststoffverarbeiter. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Der Umsatz der spanischen Verarbeiter wuchs von 2014 auf 2015 um 7 Prozent. Im Jahr drauf nochmal um 3,6 Prozent. „Damit brauchen wir noch zwei Jahre, um das Vorkrisenniveau zu erreichen“, sagt Luis Cediel, Geschäftsführer von Anaip, dem Verband der spanischen Kunststoffverarbeiter. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 hat die spanische Kunststoffbranche hart getroffen. Von knapp 93.000 Beschäftigten im Jahr 2007 blieben bis zum Jahr 2015 noch knapp 65.000 übrig. Deren Zahl sank in den Jahren dazwischen fast kontinuierlich. Analog dazu nahm die Zahl der Unternehmen in der Branche von 5.284 (2007) auf 3.876 (2016) ab und der Umsatz sank von rund 14,6 Mrd. EUR (2008) auf rund 11,5 Mrd. EUR (2012). Dennoch steigen seit dem Jahr 2013/14 die Umsätze und Gewinne der Unternehmen allmählich. Das betont auch Luis Cediel, Geschäftsführer von Anaip, dem Verband der spanischen Kunststoffverarbeiter. „Es waren schwierige Jahre“, räumt er ein, „dennoch wächst die Branche stärker als andere.“ Tatsächlich wuchs der Umsatz der spanischen Verarbeiter von 2014 auf 2015 um 7 Prozent. Im Jahr drauf nochmal um 3,6 Prozent. „Damit brauchen wir noch zwei Jahre, um das Vorkrisenniveau zu erreichen“, sagt Cediel. Dabei sieht er großes Potenzial im Export. „Die meisten Firmen exportieren nicht,“ sagt Cediel. Das liegt meistens an deren Größe: Der Durchschnitts-Kunststoffverarbeiter in Spanien hat 20 Mitarbeiter. Damit lässt sich ein umfangreiches Exportgeschäft allein personell kaum stemmen. Die Unternehmen sind daher auf Partner angewiesen, die sie dahingehend unterstützen. So wie eben der Verarbeiterverband Anaip und das spanische Wirtschaftsministerium (letzteres in Form der spanischen Export- und Investitionsförderungsagentur Icex, die die deutsche Fachpresse nach Spanien eingeladen haben).

Das PVA lässt sich sich so einstellen, dass es sich nur bei einer bestimmten Temperatur in Wasser auflöst. Das warme Wasser im rechten Becher löst diesen PVA-Typ besser als das kalte im linken. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Das PVA lässt sich sich so einstellen, dass es sich nur bei einer bestimmten Temperatur in Wasser auflöst. Das warme Wasser im rechten Becher löst diesen PVA-Typ besser als das kalte im linken. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Wasserlösliches und für Lebensmittel geeignetes PVA

Ein Beispiel für die Erholung der Kunststoffbranche in Spanien ist das noch junge Unternehmen Plasticos Hidrosolubles, Valencia, Spanien. Es besteht seit 2006 und hat ein Polyvinylalkohol (PVA) entwickelt, das sich vollständig in Wasser auflöst. Das Besondere daran ist, dass sich der Kunststoff so einstellen lässt, dass er sich nur bei einer bestimmten Temperatur auflöst. Denkbar ist zum Beispiel eine Wassertemperatur von 40 °C in Wasch- oder Spülmaschinen. Aber auch für Anwendungen in Lebensmitteln, wie Cocktails oder ähnlichem, eignet sich das PVA. Denn es ist biologisch abbabubar, ungiftig (nach EN ISO 14851 und EN ISO 73461) und hat gute Gasbarriere-Eigenschaften. „Wir gehen davon aus, in zwei, drei Jahren erste Produkte im Markt zu haben“, sagt Elena Moreni, Geschäftsführerin von Hidrosolubles. Dabei unterstützen sie Entwicklungspartner wie BASF, Ludwigshafen. Auch die Geschäftszahlen stimmen optimistisch: Im Jahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen mit zehn Mitarbeitern rund 1,3 Mio. EUR. Schon die ersten fünf Monate des Jahres 2017 haben gereicht, um ein Auftragsvolumen dieses Wertes hereinzuholen. Der Grundstein für ein sprunghaftes Wachstum in diesem Jahr ist also gelegt.

Das Forschungsinstitut Aimplas, Valencia, Spanien, entwickelt seit dem Jahr 1990 Werkstoffe und Verfahren für die Kunststoffbranche und führt darüber hinaus Weiterbildungen durch. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Das Forschungsinstitut Aimplas, Valencia, Spanien, entwickelt seit dem Jahr 1990 Werkstoffe und Verfahren für die Kunststoffbranche und führt darüber hinaus Weiterbildungen durch. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Aimplas: Innovations-Inkubator der spanischen Kunststoffverarbeiter

Das Forschungsinstitut Aimplas, Valencia, Spanien, entwickelt seit dem Jahr 1990 Werkstoffe und Verfahren für die Kunststoffbranche und führt darüber hinaus Weiterbildungen durch. Das schließt einerseits die 574 Mitgliedsfirmen ein, die einen Mitgliedsbeitrag zahlen und dafür bei Forschung und Entwicklung unterstützt werden. Zusätzlich führt Aimplas Forschungsprojekte mit Mitgliedsfirmen durch oder betreibt Auftragsforschung für die spanische Regierung oder Privatfirmen auf der ganzen Welt. Auf letzteres entfällt der Hauptteil des Umsatzes, der im Jahr 2016 rund 8,4 Mio. EUR betrug. 68 Prozent davon erwirtschaftete Aimplas mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Davon wiederum konzentrieren sich 35 Prozent auf Verpackungsanwendungen. Auch hier wird also der deutliche Verpackungsfokus der spanischen Kunststoffindutrie ersichtlich.

Ein großer Tätigkeitsbereich von Itene ist das Simulieren des Verhaltens von Verpackungen während des Transports. Das Testgerät für horizontale Beschleunigung sowie Aufschläge simuliert Beschleunigungswerte bis zu 0,8 g und Einschlaggeschwindigkeiten bis 4 m/s. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Ein großer Tätigkeitsbereich von Itene ist das Simulieren des Verhaltens von Verpackungen während des Transports. Das Testgerät für horizontale Beschleunigung sowie Aufschläge simuliert Beschleunigungswerte bis zu 0,8 g und Einschlaggeschwindigkeiten bis 4 m/s. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Verpackungsentwicklung im Zentrum

Nur einen Steinwurf von Aimplas entfernt befindet sich das Forschinstitut Itene. Es konzentriert sich auf die Bereiche Verpackung, Transport und Logistik. Dazu entwickelt es mit über 950 Unternehmen bisher rund 210 Projekte. Die mit 86 Prozent weitaus größte Zahl davon sind Forschungs- und Entwicklungsaufträge. Der Rest der Tätigkeit entfällt im Wesentlichen auf Produkttests. Im Gegensatz zu Aimplas basiert das Geschäftsmodell von Itene weniger auf Auftragsarbeiten. Stattdessen entwickelt das Unternehmen Lösungen entweder auf eigene Rechnug oder mit Partnern, patentiert sie und lizenziert diese dann an andere Unternehmen. Derzeit hält Itene elf Patente, acht davon allein, drei gemeinsam mit Partnerunternehmen.

Beim Firmenrundgang zeigt die Forschungs- und Entwicklungsleiterin, Dr. Susana Aucejo, den anwesenden Journalisten eine Auswahl der wichtigsten Projekte. Dazu gehört eine Verpackung für Geflügel, das durch CO2-Injektion sowie antimikrobiellen Additiven die Haltbarkeit des Fleischs im Kühlregal (Shelf-life) erheblich verlängert. Dabei wirkt auch ein Tropfenfänger am Boden mit, der verhindert, dass ausgetrene Flüssigkeit erneut mit dem Geflügel in Berührung kommt. Der Clou aber ist ein smartes Etikett: Mittels gedruckter Elektronik zeigt es die Frische des Fleischs an. Ist das Etikett weiß, ist alles in Ordnung. Hat es sich dagegen dunkel gefärbt, ist das Fleisch verdorben.

Der zweite große Tätigkeitsbereich ist das Simulieren des Verhaltens von Verpackungen während des Transports. Dazu verfügt das Unternehmen über mehrere Testeinrichtungen. Darunter ist ein Mehrachs-3D-Testsystem, dass mittels Hydraulik komplexe Bewegungsmuster simuliert, die während längerer Transporte – auch mit wechselnden Verkehrsmitteln – auftreten können. Im benachbarten Raum steht eine Testgerät für horizontale Beschleunigung sowie Aufschläge. Beschleunigungswerte bis zu 0,8 g und Einschlaggeschwindigkeiten bis 4 m/s lassen sich damit simulieren.

Im Gegensatz zur spanischen Kunststoffbranche insgesamt konnte die Krise dem Unternehmen nichts anhaben: "In der Krise haben wir sogar mehr verkauft als vorher – allerdings mit einer geringeren Marge", sagt Santiago Font, Geschäftsführer von Poligal, Barcelona, Spanien. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Im Gegensatz zur spanischen Kunststoffbranche insgesamt konnte die Krise dem Unternehmen nichts anhaben: „In der Krise haben wir sogar mehr verkauft als vorher – allerdings mit einer geringeren Marge“, sagt Santiago Font, Geschäftsführer von Poligal, Barcelona, Spanien. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Kunststoffverarbeiter müssen Märkte außerhalb Spaniens erschließen

Auf der weiteren Reise durch Spanien traf der Plastverarbeiter sich auch mit Santiago Font, Geschäftsführer von Poligal, Barcelona, Spanien. Das Unternehmen stellt Folienverpackungen aus PP, Bio-PP sowie CPP her. Mit seinen über 300 Mitarbeitern produziert es rund 107.000 t Folie pro Jahr, von denen es etwa 45 Prozent exportiert: Deutschland ist nach Spanien der zweitwichtigste Markt. Im Gegensatz zur spanischen Kunststoffbranche insgesamt konnte die Krise dem Unternehmen nichts anhaben: „In der Krise haben wir sogar mehr verkauft als vorher – allerdings mit einer geringeren Marge“, sagt Font. Seither wächst Poligal wieder. Dies hat es ermöglicht, im Jahr 2014 14 Mio. EUR in  Produktionserweiterungen zu investieren, was die Kapazität glatt verdoppelt hat. Da das anscheinend viele europäische Firmen so gemacht haben, gibt es nun erhebliche Überkapazitäten im Markt für Verpackungsfolien. „Es gibt wohl 25 bis 30 Prozent mehr Kapazitäten als der Markt benötigt“, schätzt Font. Das klingt nach einem sich anbahnenden Verdrängungswettbewerb. Font sieht sein Unternehmen dahingehend gut aufgestellt. Immerhin gehört es angesichts der Branchenstruktur mit seinen für deutsche Verhältnisse sehr, sehr kleinen Firmen zu den großen. Dennoch ist er sich sicher, dass sich die spanischen Verarbeiter weiter neue Märkte außerhalb Spaniens erschließen müssen. Europa sei dahingehend ein schwieriger Kandidat, da es schon ein sehr entwickelter Markt ist. Dort Fuß zu fassen, ist also gerade für kleine Unternehmen schwer.

"Außerhalb Deutschlands waren wir die ersten, die das Zertifikat [Der Blaue Engel] bekommen haben", betont  Javier González Simón, Geschäftsführer von Plasticos Romero.(Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

„Außerhalb Deutschlands waren wir die ersten, die das Zertifikat [Der Blaue Engel] bekommen haben“, betont Javier González Simón, Geschäftsführer von Plasticos Romero.(Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Ein Schwergewicht auf dem spanischen Tütenmarkt und bereits in Mitteleuropa verankert, ist Plasticos Romero, Murcia, Spanien. Er ist der größte Hersteller von Tüten – aus Papier und Kunststoff in Spanien: „Rund 80 Prozent der Tüten geht in spanische Supermärkte“, sagt Javier González Simón, Geschäftsführer von Plasticos Romero. Derzeit sind sie auf Expansionskurs, um weitere Marktanteile zu erringen. Seit 2008 wächst der Absatz pro Jahr um 20 bis 30 Prozent. Auch in Deutschland hat das Unternehmen bereits Fuß gefasst. Mit 8 Prozent Umsatzanteil ist es nach Spanien der zweitwichtigste Markt. Zu den Kunden gehören Kaufhof und Karstadt. Mit allen großen deutschen Supermarktketten sind sie im Gespräch. Angesichts dessen, dass die Supermärkte und Kaufhäuser immer wengier Kunststofftüten anbieten wollen, setzt das Unternehmen auf eine Doppelstrategie: Neben den erwähnten Papiertüten, die eine eigene Unternehmenstochter produziert, setzt Plasticos Romero auf Recycling. Ziel ist es, benutzte Tüten in einem geschlossenen Kreislauf immer wieder zu verwenden. Entwicklungspartner für diesen Recyclingprozess ist Aimplas. Einen Teilerfolg haben sie dabei schon erzielt: Sie haben für ihre Tüten das Zertifikat „Der blaue Engel“ erhalten. „Außerhalb Deutschlands waren wir die ersten, die das Zertifikat bekommen haben“, betont González Simón.

Yolanda Martínez del Amo, Abteilungsleiterin Umwelt bei Molecor, erklärt selbstbewusst: "In dem [Rohr-]Durchmesser über 500 mm können nur wir arbeiten."(Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Yolanda Martínez del Amo, Abteilungsleiterin Umwelt bei Molecor, erklärt selbstbewusst: „In dem [Rohr-]Durchmesser über 500 mm können nur wir arbeiten.“(Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Dass eine Krise auch Chancen bereithält, hat das Unternehmen Molecor Tecnología, Madrid, bewiesen. Mitten in der Krise im Jahr 2008 entschieden die Verantwortlichen neben Rohrextrusionsanlagen auch selbst PVC-Rohre herzustellen. Zwei Jahre alt war die Firma damals und sie hatte 13 Mitarbeiter, heute sind es über 100 Mitarbeiter. Die Rohre kann das Unternehmen bis zu einem Durchmesser von 800 mm herstellen. Yolanda Martínez del Amo, Abteilungsleiterin Umwelt bei Molecor, erklärt selbstbewusst: „In dem Durchmesser über 500 mm können nur wir arbeiten.“ Entsprechend gefragt sind die Rohre, die ausschließlich in der Baubranche und dort meist in der Wasserversorgung zum Einsatz kommen: Rund 80 Prozent der Produktion wird exportiert.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de