Die ersten installierten Spritzgussanlagen im neuen Reinraum (Bildquelle: IE Plast)

Die ersten installierten Spritzgussanlagen im neuen Reinraum (Bildquelle: IE Plast)

Der B. Braun Konzern zählt zu den ältesten und erfolgreichsten global ausgerichteten Anbietern von hochwertigen Erzeugnissen der Pharma- und Medizintechnik. Als einer von drei Standorten der Schweizer Gesellschaft B. Braun Medical gehört der Standort Escholzmatt heute zu den modernsten Betrieben der Unternehmensgruppe für die Herstellung von hoch spezialisierten Kunststoff-Einmalartikeln. Die kontinuierliche Erweiterung des Produktportfolios und die geplante Einführung neuer Produkte und Produktsysteme veranlasste das Unternehmen im Jahr 2014 dazu, in Escholzmatt eine umfangreiche Werkserweiterung in Angriff zu nehmen. Übergeordnetes Ziel war es, die Produktionskapazitäten auf dem bestehenden Areal zu verdoppeln, die Abläufe neu zu organisieren und die bestehende Sterilisation durch eine neue leistungsfähigere Anlage zu ersetzen. Zudem wurde mehr Raum für die Entwicklung neuer Technologien benötigt.
Der Katalog der Anforderungskriterien von B. Braun Medical an den neu zu erstellenden Gebäudeteil entsprach in weiten Teilen der Vision der Zukunftsfabrik. Gefragt war insbesondere ein hohes Maß an Flexibilität, um auf ein verändertes Marktumfeld und neue Technologien jederzeit reagieren zu können. Des Weiteren strebte der Bauherr einen hohen Automatisierungsgrad und optimale Energieeffizienz in der Produktion an. Hinsichtlich der Corporate Architecture verfügt das Medizintechnik-Unternehmen über konzernweite Richtlinien und Designvorgaben. Unter anderem müssen sich die Produktionsbetriebe je nach örtlicher Situation zurückhaltend oder akzentuierend in die Umgebung einfügen und im Erscheinungsbild hohe ästhetische Anforderungen erfüllen.
Braun Medical entschied sich, die Erweiterung mit der auf die Planung von Industriebauten spezialisierten IE Plast mit Sitz in Zürich und München zu realisieren. Der wichtigste Punkt, der für IE Plast als Generalplaner sprach, war die Branchenerfahrung: Das Planungsunternehmen hat in zahlreichen Bauprojekten für die kunststoffverarbeitende Industrie im In- und Ausland gezeigt, dass es mit den komplexen Fertigungsprozessen in der Medizintechnik vertraut ist und die branchenspezifischen Voraussetzungen und Anforderungen der industriellen Produktion von Kunststofferzeugnissen unter Reinraumbedingungen kennt. Als Grundlage der Gesamtplanung diente der Masterplan für die Arealentwicklung, der nach Abschluss des aktuellen Erweiterungsprojekts eine weitere Ausbauetappe vorsieht. Die Planung folgte – wie immer bei IE − dem Prinzip „von innen nach außen“. Das heißt, nicht die Gebäudehülle gibt das bauliche Konzept vor, sondern die eine prozessorientierte Betrachtungsweise der gesamten betrieblichen Abläufe.

Intralogistische Herausforderungen

Beim Erweiterungsbau in Escholzmatt stellten insbesondere die Organisation der Intralogistik und die Einbindung der komplexen haustechnischen Anlagen hohe Anforderungen an die Planer. Der eigentliche Produktionsablauf umfasst die Versorgung der Spritzgießmaschinen mit den Polymergranulaten, die Produktion der Kunststoffkomponenten, die Montage sowie der Verpackungsprozess mit Primär- und Sekundärverpackung. Im Anschluss erfolgen die Palettierung und die Überführung der zu sterilisierenden Produkte in die Sterilisation.

Reinraum und Haustechnik

Für die Reinraumfertigung wurde ein risikobasiertes Zonenkonzept (bis ISO 8) umgesetzt. Die Zonen sind so festgelegt, dass sich das Primärverpacken im Reinraum befindet, das weitaus unkritischere Sekundärverpacken außerhalb im Graubereich. Kurze Material- und Personenflüsse erhöhen die Produktivität.
Das Haustechnikkonzept entwickelten die Planer unter Berücksichtigung der spezifischen Reinraumvorgaben und den benachbarten Verarbeitungsbereichen. Es umfasst die Versorgung mit Strom, Druckluft, Kälte sowie die Lüftung und Klimatisierung. Zum Teil konnten die neuen Anlagen mit bestehenden Systemen verknüpft und vorhandene Kapazitäten besser ausgeschöpft werden. Auch die Versorgung der neuen Sterilisationsanlage, die besondere Anforderungen an die Haustechnik-Planung stellte, konnte auftragsgerecht installiert werden. Neben der Planung und Realisation des Reinraums übernahm IE Plast auch die Qualifizierung. Diese umfasste den gesamten Reinraumbereich, einzelne Medien sowie die Rohmaterialförderung.
Das partnerschaftliche Zusammenwirken von Bauherrin und Generalplaner ermöglichte die Realisation des Erweiterungsbaus in knapp 18 Monaten. Am 8. August 2016 waren die neuen Anlagen betriebsbereit, und am 16. September wurde der Neubau eingeweiht.

 

Keine Stillstandzeiten während des Bauprojekts

Während des gesamten Bauprojekts blieben die bestehenden Produktionsanlagen in Betrieb. Dank etappierter Bauausführung und Provisorien konnte der Reinraumstatus der Produktion jederzeit aufrechterhalten werden. Die Produktionskapazitäten waren während der gesamten Bauzeit verfügbar.
Braun Medical stellt am Standort unter anderem Spritzen für Infusionspumpen, die weltweit meistverkauften Mehrweghahnsysteme für Infusionstherapien, Entnahmeports für Infusionsbeutel und weitere hochwertige Kunststoffartikel der Medizintechnik her. Die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung inklusive Erstellung von Prototypen über die Produktion bis hin zum technischen Support erfolgt an dem Schweizer Standort.

 

Über den Autor

Dominic Mühleiß

ist im Bereich Business Development bei IE Plast in München tätig.
d.muehleiss@ie-group.com