Vorausschauende Instandhaltung im Fokus

Durch die Erhebung immer mehr relevanter Daten steigen die Möglichkeiten der vorausschauenden Instandhaltung. (Bildquelle: Hannover Messe)

Auf Basis einer Umfrage unter namhaften deutschen Maschinenbauern zeigt die Studie „Predictive Maintenance: Service der Zukunft – und wo er wirklich steht“, dass „vorausschauende Wartung eine der Schlüsselinnovationen von Industrie 4.0 ist“, sagt Dr. Ralph Lässig, Partner von der Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger, die die Studie durchführte. Dies gelte insbesondere für den Maschinenbau als eine der führenden Branchen der deutschen Industrie. „Für die Maschinenbauer steht viel auf dem Spiel“, sagt Lässig. „Sie müssen deshalb alles tun, um in der Definition, Umsetzung und Verbreitung von Predictive-Maintenance-Lösungen führend zu sein.“

Wartungsarbeiten planen statt Maschinen reparieren

Zur permanenten Zustands­überwachung geht es nicht nur ­darum, jederzeit aktuelle Sensordaten der Maschinen zu erfassen, sondern vor allem darum, diese Daten zu verwenden, um nahende Störungen frühzeitig zu erkennen. (Bildquelle: B&R)

Vorausschauende Wartung: Fortschritt extrem unterschiedlich

Für die Studie haben die Autoren mehr als 150 Unternehmen befragt, unter anderem aus den Branchen Antriebs- und Fluidtechnik, elektrische Automation und Robotik, Werkzeugmaschinen und Fertigungssystemen sowie Software und Digitalisierung. Positive Erkenntnis:  Das Gros der Befragten (81 Prozent) befasst sich bereits intensiv mit Predictive Maintenance, jedes zweite befragte Unternehmen bezeichnet die vorausschauende Wartung sogar mit Blick auf den Service als „Differenzierungshebel und Erfolgsfaktor, um nachhaltig Serviceumsätze aufrecht zu erhalten und auszubauen“. Allerdings: „Bei der Umsetzung gibt es extreme Unterschiede“, mahnt Lässig. „Auf der einen Seite verfügt etwa jedes zehnte Unternehmen bereits über komplette Angebote, während auf der anderen Seite etwa jede fünfte Firma überhaupt noch nicht in Sachen Predictive Maintenance aktiv ist.“ 40 Prozent der Befragten befinden sich noch in der Entwicklungsphase, 30 Prozent verfügen über ein Basisangebot.

Qualität und Produktivität steigen

“Diese Ergebnisse spiegeln gut das derzeitige Bild im Maschinen- und Anlagenbau wider, „ sagt Peter-Michael Synek, stellvertretender. Geschäftsführer im VDMA Fachverband Fluidtechnik. „Die meisten Teilnehmer wissen aber sehr genau um die Vorteile von Predictive Maintenance und auch über die sich bietenden neuen Geschäftsbeziehungen zwischen Kunden und Lieferanten“. Die überwiegende Mehrheit (79 Prozent) sieht den wesentlichen Nutzen für den Kunden darin, dass sich Produktionsleistung und Qualität (Produkt/Prozess) erhöhen. Etwa jeder Fünfte sieht die vorausschauende Wartung dagegen nur als eine Maßnahme, um die Service- und Instandhaltungskosten beim Kunden zu senken. Diese Erwartungen decken sich auch mit den Erfahrungen von Vorreitern der Entwicklung. „Kunden erwarten heute, dass sich aus der erfassten Zustandsveränderung eine Optimierung des Betriebs der Maschine ableiten lässt“, erklärt Roman Cecil Krähling, Leiter Condition Monitoring, Fluid Management & Elektronik von Argo-Hytos aus Kraichtal-Menzingen.

Drei Wege zu einem Predictive-Maintenance-Konzept

Der Realisierung eines Predictive Maintenance-Konzeptes stehen meist jedoch nicht technische Hindernisse im Weg, vielmehr bestehen Defizite in der Analyse, Mustererkennung und Prognose. Knapp 65 Prozent der Unternehmen wissen daher nicht, welchen Part sie innerhalb der Wertschöpfungskette von Predictive Maintenance spielen könnten. Um diesem Dilemma zu entkommen, setzt die Mehrheit der Unternehmen (69 Prozent) auf Zusammenarbeit mit externen Spezialisten, einige (40 Prozent) schließen sogar eine direkte Zusammenarbeit mit Wettbewerbern nicht aus. Unklarheit besteht auch noch darüber, wie sich mit der vorausschauenden Wartung Geld verdienen lässt. Etwa jeder vierte Befragte setzt auf Serviceverträge.

  1. Market-Pull: Die Unternehmen sollten gemeinsam mit den Kunden individuelle Predictive Maintenance-Lösungen entwickeln und dabei Methoden der digitalen Welt (Design Thinking, Co-Creation) nutzen.
  2. Neuer Marktzugang per Digitalmodell: Neue Produkte verlangen nach neuen Vertriebswegen. Dieser wird Kunden mithilfe konkreter und quantifizierbaren Anwendungsbeispielen und innovativen, Software-orientierten Methoden der Preisgestaltung aufgezeigt.
  3. Kollaborieren mit Netzwerk-Methoden: Der Maschinenbauer nutzt seine eigenen Stärken, ist aber offen für Partnerschaft mit branchenfremden Unternehmen – eventuell auch mit Wettbewerbern.

Fazit: Vorausschauende Wartung ist kein Heilsbringer

Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einem Durchbruch in Sachen Predictive Maintenance bis 2020. „Allerdings darf PM auch nicht als Heilsbringer verkannt werden, der bisherige Defizite im Service-Angebot ausgleicht“, warnt Roland Berger-Experte Sebastian Feldmann. „Das Servicegeschäft muss weiterhin in einem ganzheitlichen Unternehmensansatz analysiert und optimiert werden.“