Rund 6700 Interessierte besuchten die Arburg Technologietage 2017 in Loßburg. (Bildquelle: Arburg)

Rund 6700 Interessierte besuchten die Arburg Technologietage 2017 in Loßburg. (Bildquelle: Arburg)

2016 war für den deutschen Spritzgießmaschinen-Hersteller Arburg das dritte Rekordjahr in Folge. „Der konsolidierte Umsatz 2016 wird bei gut 630 Mio. Euro liegen“, teilte Michael Hehl, Geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung in Loßburg mit.  Eindeutig im Trend liegen die Maschinen mit elektrischem Antrieb. In diesem Segment verzeichnete Arburg ein Auftragsplus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der vollelektrischen Maschinen am Gesamtumsatz stieg damit um fünf Prozentpunkte auf 27 Prozent. Nach der Einführung der Einstiegsbaureihe Golden Electric vor einem Jahr, kann Arburg nun das gesamte Spektrum elektrischer Maschinen vom einfachen Grundmodell bis zur High-End-Maschine anbieten, was vom Markt positiv aufgenommen werde, betonte Hehl. Neue Märkte erschließen soll die Golden Electric unter anderem in Südostasien. Hier sei man nun in  der Lage, im Bereich der Einstiegsmaschinen der japanischen Konkurrenz Paroli zu bieten, sagte Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg. Bereits erfolgreich eingeführt wurde die neue Baureihe in Europa, sodass sie schon rund 15 Prozent zu den Verkäufen aller elektrischen Maschinen von Arburg beitrug. „Dieser Anteil wird weiter steigen“, sagte Böhm.

Auch die hybriden Maschinen des Unternehmens konnten ihren Umsatzanteil um zwei Punkte auf 16 Prozent steigern. Stärkstes Segment im Portfolio des Unternehmens bleiben die hydraulischen Maschinen, deren Anteil aber von 64 Prozent im Jahr 2015 auf 57 Prozent im vergangenem Jahr zurückging .

Gut gerüstet für Wachstumsmärkte

Spritzguss in Aktion, zu sehen auf den Technolgietagen 2017. (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter, Mayer)

Spritzguss in Aktion, zu sehen auf den Technolgietagen 2017. (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter, Mayer)

Einen weiteren positiven Trend verzeichnet Arburg bei den schweren Spritzgießmaschinen ab 2.500 kN, deren Anteil kontinuierlich gewachsen ist auf  24 Prozent im Jahr 2016. „Das belegt, dass wir mit dem Ausbau unseres Schließkraftspektrums bis 6.500 kN den richtigen Weg eingeschlagen haben“, betonte Michael Hehl. So sei das Echo auf die auf der K 2016 vorgestellten Allrounder 1120 H durchweg positiv ausgefallen.  Die neue Großmaschine wird in diesem Jahr als Nullserie bei einigen Kunden in geografischer Nähe installiert. Ab der Fakuma 2017 kann die 1120 H dann regulär bestellt  und ab dem ersten Quartal 2018 ausgeliefert werden.

Die bei der 1120 H serienmäßig installierte neue Steuerung Gestica soll sukzessive in weiteren Modellen angeboten werden.  International weiter ausbauen will Arburg zudem das Geschäft mit Turnkey-Anlagen, die 2016 bereits  17 Prozent zum Umsatz beisteuerten.

Den  – nicht immer zuversichtlich stimmenden – poltischen und weltwirtschaftlichen Tendenzen sieht das Management gelassen entgegen.  So habe sich das China-Geschäft im vergangen Jahr auf sehr hohem Niveau entwickelt, und auch in Amerika liefen die Verkäufe gut, sagte Vertriebschef Böhm. Namentlich das Mexiko-Geschäft habe sich 2016 hervorragend entwickelt. Hier stehen für den Spritzgießmaschinen-Hersteller Automotive-Anwendungen im  Fokus – ein Sektor, von dem aufgrund der Leichtbau-Initiativen der Automobilindustrie noch viel zu erwarten sei. Ein weiterer Wachstumsmarkt sei Packaging, erläuterte Böhm, wofür Arburg nicht zuletzt durch die Einführung der neuen Würfelmaschine Cube für schnelle Verpackungsanwenungen gut gerüstet sei.

Investitionen im Vertrieb und im Stammwerk

Musterteile (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter, Mayer)

Musterteile (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter, Mayer)

Die Arburg-Gruppe beschäftigte Ende 2016 weltweit rund 2.700 Mitarbeiter,  5 Prozent mehr als im Vorjahr. Aufgestockt wurde die Belegschaft in der internationalen Vertriebsorganisation, die 33 Niederlassungen in 25 Ländern umfasst.  2.200 Beschäftigte, inklusive knapp 160 Auszubildende und Studenten der Dualen Hochschule, arbeiten für Arburg in Deutschland. Auch hier wurde kräftig investiert. Schwerpunkte der Investitionen in Höhe von 19,3 Mio. Euro im Stammwerk Loßburg waren die Fertigungstechnik und die Logistik. Darin nicht inbegriffen sind die2016 fertiggestellten  Neubauten. Das nächste Großprojekt, der Bau eines mehrstöckigen Gebäudes mit 13.700 m²  Nutzfläche und einer investitionssumme in zweistelliger Millionenhöhe, ist gerade angelaufen. Mit dem Neubau, der architektonisch dem bestehenden Kundencenter ähneln wird, sollen  die Kapazitäten  für Kundenschulungen und -seminare sowie für die Administration erweitert werden.

Technologietage ein voller Erfolg

Über 6.700 Gäste aus 53 Nationen machten die Arburg Technologie-Tage vom 15. bis 18. März 2017 wieder zum größten Inhouse-Event der Branche. Am 171.000 Quadratmeter großen Stammsitz in Loßburg wurden mehr als 50 Exponate in Aktion gezeigt, wobei sich der neue hybride Allrounder 1120 mit 6.500 kN Schließkraft als Publikumsmagnet erwies. In der Effizienz-Arena informierten sich die Besucher über neue Industrie-4.0-Anwendungen, und im neuen Prototyping Center für die additive Fertigung war der Freeformer in vielfältiger Aktion zu sehen.Gefertigt wurden unter anderem Greifer aus PA und TPE, Handyschalen mit optimierter Oberfläche sowie Bauteile aus einem für die Luft- und Raumfahrt freigegebenen PC. Hinzu kamen Elektronikteile mit Flammschutz sowie Implantate aus medizinischem PLA. Ein weiterer Freeformer produzierte im Kundencenter mechanisch optimierte Seilrollen aus Bio-PA. Weitere Highlights an den Technologietagen waren unter anderem  das Leichtbau-Verfahren Faser-Direct-Compoundieren (FDC) und die physikalische Schäumtechnik Profoam.

Über uns

Über den Autor

Ralf Mayer

ist Chefredakteur Plastverarbeiter.

ralf.mayer@huethig.de