FSK-Innovationspreis 2016: Die Sieger stehen fest

Dr. Marc Fricke (l.), BASF Polyurethanes, zusammen mit Udo Storck, Masterfoam und stellvertretender Sprecher der FSK-Fachgruppe Schaumstoffverarbeiter bei der Übergabe des Innovationspreises 2016. (Bildquelle: FSK)

Mit der Dämmplatte Slentite hat BASF Polyurethanes unter der Federführung von Dr. Marc Fricke einen Hochleistungsdämmstoff entwickelt. Dabei gelang es, das erste rein organische Aerogel auf Polyurethanbasis als mechanisch stabile Platte herzustellen. Der Kunststoff erreicht mit einer sehr geringen Wärmeleitfähigkeit und einer offenporigen Struktur eine hohe Dämmleistung, die eine um 25 bis 50 Prozent schlankere und damit platzsparende Dämmung im Vergleich zu herkömmlichen Materialien ermöglicht. Die offenporige Struktur wirkt zudem feuchtigkeitsregulierend, was im Innenbereich für ein günstiges Raumklima sorgt. Das Produkt befindet sich aktuell in der Pilotphase.

Natürlichen Ursprungs ist der Zelluloseschaum Cellufoam, den der Entwicklungsingenieur Oskar Schmidt für das schwedische Unternehmen Cellutech aus Stockholm in der Kategorie Technologie einreichte. Der multifunktionale Schaumstoff wird aus skandinavischen Hölzern gewonnen und in einem lösungsmittelfreien Verfahren hergestellt. Somit ist das Produkt biologisch abbaubar. Der vielseitig einsetzbare Werkstoff besteht aus Nanozellulose. Er eignet sich zur akustischen und thermischen Isolierung und zur Flüssigkeitsabsorption oder als Verpackungsmaterial. Die Beschaffenheit des nachhaltigen Produkts kann je nach geforderter Anwendung maßgeschneidert werden. Ein ansprechendes Anwendungsbeispiel des Werkstoffs bildet der in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Designer Rasmus Malbert erschaffene Cellutech-Helm – ein Fahrradhelm der ausschließlich aus Holz besteht.

FSK-Innovationspreis 2016: Die Sieger stehen fest

Der komplett aus Holz gefertigte Designer-Schutzhelm des schwedischen Unternehmens Cellutech mit dem Werkstoff Cellufoam. (Bildquelle: Cellutech)

Alleskönner für Matratzen

Ebenfalls ein Alleskönner, allerdings speziell im Bereich der Matratzenherstellung, ist der vom FSK-Expertenteam ausgezeichnete Schaumstoff Xdura. Das Unternehmen Eurofoam Deutschland Schaumstoffe aus Wiesbaden führte dieses Produkt im Frühjahr 2016 am Markt ein. Im Gegensatz zu den bekannten, auf unterschiedliche Funktionen ausgerichteten Schaumstoffkategorien im Beddingbereich, möchte Eurofoam die verschiedenen Anforderungen vereinen, die an einen modernen Matratzenschaumstoff gestellt werden. Auch eine langjährige Nutzung und nächtliches Schwitzen bringen den dauerhaltbaren Schaumstoff nicht aus der Form. Gleichzeitig ist das Material elastisch und reißfest. Durch seine offenporige Zellstruktur bietet es einen hohen Komfort. Das ergibt sich aus der anschmiegsamen Oberfläche und der inneren Stabilität sowie durch verhinderte Wärme- und Feuchtigkeitsstauungen. Der Schaumstoff wird bereits für erste Matratzenkerne in der Praxis genutzt.

Nachhaltigkeit sowie die Reduktion von Lager- und Transportkosten stehen im Mittelpunkt der neuesten Entwicklung von ISL Schaumstoff-Technik aus Viernheim. Das Unternehmen stellt seit Mitte des Jahres Klappbehälter aus expandiertem Polypropylen (EPP) her. Der ISL-Klappbehälter entstand in einer Entwicklungsphase von nur zwölf Wochen. Die Stabilität und die Belastbarkeit der Behälter vereinfacht das Lagern und Transportieren auch von sperrigen und schweren Gütern. Sehr vorteilhaft ist die kostengünstige Herstellung, da in der Regel keine zusätzlichen Werkzeugkosten entstehen. Die Boxen lassen sich in fast allen Größen fertigen und die Klapphöhe kann der jeweilige Kunden frei wählen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass jeder EPP-Behälter auch nachträglich zu einem stabilen Klappbehälter umgebaut werden kann.

(Bildquelle: Teresa Mendler)

Die Produkt- und Accessoire-Designerin Teresa Mendler überzeugte die Jury mit ihren Office Pieces. (Bildquelle: Teresa Mendler)

Nachwuchspreis für Partikelschäume mit variabler Hautdicke

Mit dem Nachwuchspreis in der Kategorie Technologie wurde der Masterabsolvent Georg Tauer auf Vorschlag von Prof. Dr. Volker Altstädt vom Institut Polymer Engineering der Universität Bayreuth ausgezeichnet. In seiner Masterarbeit hatte der Studienabsolvent sich intensiv mit der Herstellung von Partikelschäumen mit variabler Hautdicke auseinandergesetzt. Zielsetzung war die Entwicklung eines Verfahrens zur gezielten Änderung der Partikelschaumdicke, um ein grundlegendes Verständnis über deren Auswirkung auf die mechanischen Eigenschaften zu erhalten. Tauer entwickelte eine Methode zu reproduzierbaren Herstellung von EPS-Partikeln mit einer homogenen und um den Faktor 25 verdickten Schaumhaut. Obwohl Partikelschäume bereits lange an Markt sind, sind deren komplexe innere Strukturen weitgehend unerforscht. Die durch Tauers Arbeit gewonnenen Erkenntnisse eröffnen ein Optimierungs- und Anwendungsfeld.

FSK-Innovationspreis 2016: Die Sieger stehen fest

Polyurethan-Schaumteppiche des Rotterdamer Design-Studios Ontwerpbureau Nightshop (Bildquelle: Nighshop)

Individuelle Wandteppiche aus PUR

In der Kategorie Design und Gestaltung verlieh der FSK je einen Unternehmens- und einen Nachwuchspreis für außergewöhnliche Kunstobjekte. Die Rotterdamer Design-Agentur Nightshop gestaltete großformatige Wandteppiche – sogenannte Showdown Carpets – mit einem zweikomponentigen weichen Polyurethanschaum. Inspiriert von handelsüblichen Antirutschunterlagen entwickelten Adriaan van der Ploeg und Ward van Gemert die Idee, mit diesem soften und zugleich griffigen Werkstoff zu experimentieren und wirkungsvolle Kunstobjekte zu kreieren. Durch ein Kombinieren unterschiedlich farbiger Polyurethanschäume entstanden zehn individuelle, handgearbeitete Teppiche. Dazu wurden die PU-Komponenten in großen Einwegspritzen gemischt und zügig über vorgefertigte Schablonen auf den Untergrund aufgetragen. Das Ergebnis sind wirkungsstarke plastische Muster, die an farbenfrohe westafrikanische Ornamentik erinnern. Die Kunstobjekte sind derzeit in Rotterdamer Kunstgalerien und Möbelhäusern zu sehen.

Mit ihren Office Pieces überzeugte zudem die Produkt- und Accessoire-Designerin Teresa Mendler, die derzeit ihre Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach ablegt. Durch den Einsatz von PUR-Schaum in Kombination mit Textil erarbeitete sie eine Kollektion mit zwei- und dreidimensionalen Raumobjekten, die sich flexibel als Raumteiler oder als künstlerische Akustikelemente in großen Räumen einsetzen lassen. Die Ästhetik der je nach Standort unterschiedlich wirkenden Objekte entwickelte sich durch die Auseinandersetzung mit den verwendeten Materialien und deren Eigenschaften. Zukünftig plant Mendler ähnliche Designobjekte auch für Außenbereiche zu gestalten.