Trendbericht zur Marktübersicht

NEU: Marktübersicht Rohstoff-Distributoren

16.12.2016 - Kunststoffe dringen vor – und zwar in Bereiche, die bisher anderen Werkstoffen und hier vorzugsweise Metallen vorbehalten waren. Diese sogenannten Hochleistungs-Kunststoffe erfüllen die gestellten Anforderungen heute problemlos – und das bei wesentlich geringerem Gewicht. Sie helfen damit, geforderte Eigenschaften der aus ihnen gefertigten Produkte, zum Beispiel Energieeffizienz, zu erfüllen.
Farbbatches Colorstat

Das permanent antistatische PP-Compound von Grafe ermöglicht die Herstellung eines farbigen, leitfähigen Helmes. (Bildquelle: Grafe)

Neue Werkstoffe und Werkstoff-Weiterentwicklungen sind vorrangig die Stichworte, zu denen acht der beteiligten Firmen Trends mitteilten. Naturgemäß sind dies in der Regel Eigenentwicklungen dieser Firmen. Die exakte Zuordnung der Eigenschaften erfordert daher neben der Nennung der allgemeinen Werkstoffbezeichnung auch die des Handelsnamens.

So berichtet Lehmann & Voss, Hamburg, von der „neuen Produktreihe Luvocom 70 auf Basis Polyketon (PK). Dies ist eine Wiedereinführung, nachdem bereits bis zum Jahr 2000 verschiedene Compounds verfügbar waren. Da das Polymer nicht mehr zur Verfügung stand, erfolgte danach zwangsläufig die Einstellung dieser Produktreihe.“ Inzwischen entschied sich das Unternehmen „für die Neuentwicklung von Hochleistungs-Compounds auf Basis dieses Polymers. Die nun verfügbaren Compounds können die Anforderungen von anspruchsvollen Anwendungen, wie Zahnräder, Gleitlager, Dichtungen und Halbzeuge, erfüllen. Zu diesen genannten Eigenschaften bietet PK inhärent gute tribologische Eigenschaften und Hydrolysebeständigeit, geringe Permeation zum Beispiel für Wasser und Kohlenwasserstoffe, eine gute Bindenahtfestigkeit und Verarbeitbarkeit mit kürzeren Zykluszeiten im Vergleich zu anderen technischen Polymeren wie PA 66 und POM. Die ersten verfügbaren Luvocom 70-Compounds sind Produkte mit Kohlefaser, PTFE und eine Variante mit besonders geringem Verschleiß und geringer Reibung.“

Effiziente, hochwertige Leichtbauteile durch vereinte Technologiepartner

Konzeptstudie für einen Heckklappendeckel: Die glatte, kompakte und dabei hochsteife Außenhaut besteht aus einem endlosfaserverstärkten Polycarbonat-Composite, der Kern des Sandwich-Bauteils aus einem Polyurethan-Schaum.
(Bildquelle: Covestro)

Faserverstärkte Kunststoffe auf dem Vormarsch

Als weiteren Werkstoff führt Lehmann & Voss Luvocam LW an, ein mit Kohlenstoff- und Glasfasern verstärktes Polyarylamid (Para), der als Konstruktionswerkstoff bei „außergewöhnlichen mechanischen Eigenschaften eine zusätzliche Gewichtseinsparung ermöglicht, die gegenüber anderen verstärkten Thermoplasten bis zu 62 Prozent“ betragen kann. Mit einem Zug-E-Modul von 52 GPa und einer möglichen Biegefestigkeit bis zu 530 MPa zeichnen sich Vorteile gegenüber Organoblechen und auch CFK- und GFK-Verbundwerkstoffen ab. Auch im Sichtbereich „sind Werkstoffe dieser Materialklasse“ einsetzbar.

Neue Polyamidcompoundqualitäten mit Recyclinganteil

Komponentengehäuse: Die Recyclon-Compounds aus PA66-Rezyklat sind in Schwarz lieferbar. (Bildquelle: Teknor Apex)

Auf der Basis von PA6, PA66, Para, PE-HD, PE-LD und PP wird von Lehmann & Voss Luvocom ES als „neueste Generation von elektromagnetisch abschirmenden, thermoplastischen Compounds“ angeboten, die als „Ersatz von leitfähigen Beschichtungen oder Metall-Einlegern“ Verwendung finden und so Kosteneinsparungen bewirken können. Ein Entmischen der Additive findet durch eine „optimierte Rheologie“ auch beim Spritzgießen geringer Wanddicken nicht statt. Gegenüber „in der Spritzgießmaschine gemischten Polymer-Masterbatch-Mischungen sinkt damit das Risiko für fehlerhafte Teile.“ Das Material bietet bei höherer Schirmdämmung eine hohe elektrische Leitfähigkeit, was kleinere Kontaktflächen für die notwendige elektrische Erdung ermöglicht.

Macomass, Aschaffenburg, berichtet über die Weiterentwicklung von Werkstoffen wie PP, das nach UL 94 V-O halogenfrei flammgeschützt ist und sich für geringe Wanddicken von 0,4 bis 1 mm eignet. Weitere Entwicklungen betreffen leitfähig/antistatisch ausgerüstetes PP, PE, ABS, PS, PA und PBT. Hochsteife Kunststoffe werden mit Glasfaseranteil von 40 bis 50 Prozent geliefert. Ebenso sind wärme­leitende und elektrisch isolierende Compounds erhältlich.

Nordmann Rassmann, Hamburg, führt als Werkstoff PA 9T an. Weiterentwicklungen betreffen „Hochleistungswerkstoffe bei gleichzeitig guter Verarbeitbarkeit“ und Materialien für den 3D-Druck. Auch Polymer-Service benennt Werkstoffe. Diese sind PSU, PPSU und PES, wobei wie zuvor offen bleibt, ob diese Materialien lediglich neu im Angebot der Firmen sind.


Farbe in den  Kunststoff bringen

Marktübersicht Additive und Farbbatches (Bildquelle: aykuterd-Fotolia.com)

Additive und Farbstoffe

Marktübersicht Additive und Farbbatches

Mit Additiven und Farbbatchen lassen sich Farb- und Zusatzstoffe reproduzierbar in Kunststoffe einbringen. Die Marktübersicht Additive und Farbbatches geht ab Mitte April auf www.plasterverarbeiter.de online. Das Produktportfolio von 47 Anbietern kann über verschiedene Auswahlkriterien durchsucht und selektiert werden, um das passende Angebot und den Lieferanten zu finden. mehr…

 


Werkstoffe für Elektronikbauteile

Silikongele schützen  Elektronik-Komponenten

Durch den Verguss mit Silikongelen werden empfindliche elektronische Schaltungen wirksam und langzeitstabil gegen Korrosion und Alterung geschützt. Das Gel minimiert außerdem thermomechanische Spannungen und erhöht die dielektrische Isolationsfestigkeit der Leistungsbauteile. (Bildquelle: Wacker)

Raschig, Ludwigshafen, führt zu neuen Werkstoffen eine unter der Bezeichnung Epoxidur gehandelte Formmasse an, die auf Epoxyharz basiert und die „zur mediendichten Umhüllung von Elektronikteilen und Stanzgittern“ dient.

Neue und weiterentwickelte Werkstoffe betreffen bei Romira, Pinneberg, die Produktreihen Rotec ASA, Romiloy und Rotec PMMA-Compounds. Ersteres mit der Bezeichnung E 640 zeichnet sich durch Kratzfestigkeit und UV-Beständigkeit aus. Mit einer matten Oberfläche und softer Haptik wie Leder der daraus erzeugten Produkte ist es „für den Co-Extrusionsbereich gut geeignet.“ Das PC/ABS-Blend Romiloy 1035/09 UV eignet sich aufgrund seiner „matten Oberfläche für Interior-Anwendungen.“ Weiter entwickelt wurde Romiloy 6040/06/UV, ein permanent antistatisches PC/ASA-Blend mit niedrigem Oberflächenwiderstand von 1.010 bis 1.011 Ohm und gutem Fließverhalten und damit geeignet für Anwendungen in großflächigen Teilen. Hohe Kratzfestigkeit, Witterungsbeständigkeit und Schlagzähigkeit weist das neue PMMA-Compound auf.

Von Victrex, Hofheim, wurde für die Öl- und Gasindustrie der auf Peek basierende Werkstoff Victrex CT 100 entwickelt, „der bei kryogenen Temperaturen von -196 °C und hinauf bis zu 200 °C eine Reihe einmaliger Eigenschaften für Dichtungssysteme aufweist.“ Große Dichtungen lassen sich im Formpressverfahren mit dem hierfür entwickelten Victrex OGS 125 herstellen. Weiter entwickelte Victrex AE 250-Compounds in unterschiedlichen Prepreg-Formen auf der Basis von PAEK ermöglichen, „in Kombination mit der Hybrid-Spritzgieß-Technologie in Minuten Halterungen, Klemmen, Clips und Gehäuse für Primär- und Sekundärstrukturen für die Luftfahrt-Industrie zu fertigen, während es bei metallischen oder duroplastischen Werkstoffen mitunter Stunden sein können.“

Das Victrex-Tochterunternehmen Invibio hat mit Peek Optima HA Enhanced „eine neue Materialgeneration“ entwickelt, „bestehend aus dem Biomaterial Peek-Optima und Hydroxylapatit, das in Wirbelsäulen-Implantaten Verwendung findet. Gearbeitet wird auch an Trauma-Produkten aus dem Composite-Material Peek-Optima Ultra-Reinforced.“

Vosschemie, Uetersen, berichtet von „styrolarmen und styrolfreien Polyesterharzen sowie Gelcoats. Für geschlossene Verfahren“ steht „Leichtbau-Faserverstärkung“ zur Verfügung, „mit der der Leichtbau weiter optimiert werden kann.“

Zur Compoundierung nennt Nordmann Rassmann PPS-Compounds sowie Flammschutz- und Additive-Masterbatches. Für die „Bereiche Automotive und Elektro werden PA 12-Mehrschichtkonstruktionen“ entwickelt „für Leitungen“, die „Kraftstoff, BKV, Batteriekühlmittel“transportieren.


Bildergalerie: Die größten Chemieunternehmen Deutschlands


Neue Anwendungen: LED-Lichtleisten und Zahnersatz

Neue Anwendungen für Kunststoffe werden von zwei Firmen mitgeteilt. Macomass benennt hierzu PP mit Lichtstreu-Effekt, das zum Beispiel für LED-Leisten-Abdeckungen Verwendung findet. Nach wie vor ist nach Aussage dieser Firma auch die Gewichtsreduzierung für Auto-Anwendungen im Trend. Victrex hat zu den Neu- und Weiterentwicklungen der Werkstoffe schon auf die Anwendungen hingewiesen und ergänzt, dass Peek-Werkstoffe für prothetische Gerüste Verwendung finden, die zur Herstellung bestimmter Arten von Zahnersatz dienen. Für die Öl- und Gas­industrie kommen Peek-Produkte des Unternehmens in Form von „spul­baren M-Pipes“ zum Einsatz. Dies sind flexible Unterwasser-Erschließungsleitungen, die „bei Tiefen von bis zu 3.000 Metern eingesetzt werden können und Drücken über 1.000 bar standhalten.“

Zum Recycling von Kunststoffen äußert sich ausschließlich Macomass mit dem Hinweis, dass für das Erzeugen hochwertiger Rezyklate nur zuverlässige Quellen genutzt werden, um so eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Eingesetzt werden diese Rezyklate für nicht sichtbare Anwendungen im Automobilbau sowie für Möbel und Stühle.

Über den Autor

Prof. Dr. Werner Hoffmanns

ist freier Mitarbeiter des Plastverarbeiter.

office@hoffmanns-texte.de

Weiterführende Informationen