Industrie 4.0 erfordert mehr als Produktinnovationen

Data Leader sollten laut Benjamin Aunkofer, Datanomiq, so ziemlich alle werden, die als Führungskraft noch einige Berufsjahre vor sich haben. Er erläutert auf dem Data Leader Day 2017, wie der Weg dahin aussehen könnte. (Bildquelle: Datanomiq)

Zum zweiten Mal fand am 15. November 2016 der sogenannte Data Leader Day in Berlin statt. Im Zentrum stand Big Data, genauer: Die Frage, wie sich die gespeicherte Datenflut nutzen lässt, die in Unternehmen anfällt. Diese stellte Felix Gerg, Mitglied des Präsidiums von Connected Industry e.V., gleich zu Anfang des Kongresses. Der Verein veranstaltete den Kongress, ansonsten sieht sich Connected Industry als Plattform für Unternehmen und Experten, die die Digitalisierung der Industrie vorantreiben wollen. Dazu gehört die Industrie 4.0 ebenso wie Big Data oder das Internet of Things. Damit werden die Unternehmer zu Data Leadern, also Führungskräften, die Daten im Unternehmen nutzen für Effizienz- oder Qualitätssteigerungen, das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle oder besseren Kundenservice.

Und zu diesen Data Leadern sollten laut Benjamin Aunkofer, Chief Data Scientist von Datanomiq, Berlin, so ziemlich alle gehören. „Hier [im Publikum] sitzen viele, die Data Leader werden können, oder werden müssen, wenn sie als Führungskraft noch einige Berufsjahre vor sich haben.“ Kurz: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Besser ein Unternehmen gehört zu den Vorkämpfern als zu den Nachzüglern.

Industrie 4.0: Deutsche Wirtschaft orientierungslos

Es fehlen einheitliche Kommunikations- und Branchenstandards, damit auch kleine und mittelständische Unternehmen im Industrie 4.0-Zeitalter erfolgreich sein können. (Bildquelle: S. John – Fotolia.com)

Ähnlich sah das Thomas Göcke vom Maschinenbauer König & Bauer (KBA), Würzburg. „Produktinnovationen reichen heute nicht mehr aus“, ist er sich sicher, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens langfristig sicherzustellen. Vielmehr kommt es darauf an, die Daten der Maschinen auch beim Kunden zu nutzen. Beispielsweise für Maschinenoptimierungen oder vorausschauende Wartung. Das führe zu einem neuen Geschäftsmodell, bei dem der Maschinenhersteller zum Dienstleister werde, ist sich Göcke sicher. Grundsätzlich komme es beim Verwenden der gesammelten Daten auf einen Hang zum Experimentieren an. Nur dann lasse sich das Potenzial wirklich erschließen.

Der erste Schritt zu Industrie 4.0: eine papierlose Fertigung

Das größte Hindernis eines Big-Data-Ansatzes ist der Medienbruch. Wenn also Excel-Tabellen ausgedruckt werden und in einer anderen Abteilung erneut in ein Softwaresystem eingegeben werden. Das betont Johann Hofmann, Leiter Value Facturing bei der Maschinenfabrik Reinhausen, Regensburg, immer wieder, während er die Umsetzung seines Industrie-4.0-Konzeptes vorstellt. Erst dann lassen sich in einem zweiten Schritt die Systeme sinnvoll vernetzen und automatisieren, beispielsweise die Konstruktion und Fertigungsplanung.

Industrie 4.0 erfordert mehr als Produktinnovationen

Im Zentrum der Industrie 4.0 steht die Vernetzung. Diese schließt Maschinen und Anlagen ebenso ein wie Software-Systeme und Messdaten. (Bildquelle: Mystock – Fotolia.com)

Die Maschinenfabrik Reinhausen setzt in Sachen Industrie 4.0 voll auf zentrale Vernetzung, um die internen Schnittstellen zu verringern. Oder wie es Hofmann ausdrückt: „Um einen Spaghettihaufen an Schnittstellen“ zu vermeiden. Daher senden alle Maschinen und Geräte ihre Daten und Anfragen an einen zentralen Server, der innerhalb des Unternehmens steht. Dieser verarbeitet diese und verteilt die Informationen dann weiter. Derzeit experimentiert das Unternehmen außerdem mit einer Cloud-Lösung. Damit laufen gerade Tests in der Lehrwerkstatt.

Dort stünden die gleichen Maschinen wie in der Produktion, erklärt Hofmann. Daher seien die Ergebnisse übertragbar, ohne aber die laufende Produktion zu gefährden, falls etwas schief geht. Damit ist auch die Datensicherheit gemeint. Allerdings ist Hofmann überzeugt, dass ein Cloudanbieter in Deutschland, der die Daten seiner Kunden in einem abgetrennten Bereich speichert und absichert, ein hohes Sicherheitsniveau garantieren kann. Viel anfälliger gegenüber Angriffen von außen seien Office-PCs, die im Unternehmen stehen und direkt oder indirekt mit dem Produktionssystem verbunden sind.

(dl)