Klein, orange-grau – und im Garten unverzichtbar

Die orange-grauen Schlauchstücke für die Gartenbewässerung sind mit 20 Mio. Stück pro Jahr die höchstvolumigen Bauteile, die Gardena im süddeutschen Gerstetten fertigt. (Bildquelle: Engel)

Seit 1968 produziert das in Ulm ansässige Unternehmen Gardena die Schlauchstücke und legte damit den Grundstein für den heutigen Erfolg. Gut 500 Mio. EUR Umsatz erreichte Gardena im Geschäftsjahr 2015. Dass es das Unternehmen heute noch gibt, war aber nicht immer klar. So plante der heutige Besitzer, der schwedische Forst- und Gartengerätehersteller Husqvarna nach der Übernahme im Jahr 2007, die Firmenkulturen zusammenzuführen und Synergien auszuloten. Die Firma Gardena wäre wohl verschwunden, existent nur noch als Marke. Stattdessen besann sich der Käufer und trennte die beiden Unternehmen vollständig. Die Verantwortung für Umsatz und Ergebnis liegt seither bei Gardena, am Stammsitz in Ulm.

Über 90 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet der Gartengerätehersteller heute in Europa. Dabei sind die Hauptabsatzmärkte Deutschland, Österreich und Schweiz. Allerdings steigen die Umsätze in Ländern wie Kanada, Südafrika oder Australien. Diese sind derzeit aber eher „eine schöne Ergänzung“, wie Sascha Menges, President der Gardena Division innerhalb der Husqvarna Group und Standortleiter Deutschland, erklärt. Aber sie sind im Kommen: In den wichtigsten Auslandsmärkten wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr 2016 zweistellig. Auch das Unternehmen insgesamt befindet sich auf Wachstumskurs. So legte der Umsatz im Geschäftsjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zu. „Die positive Entwicklung ist ein Beleg, dass die strategische Neuausrichtung mit mehr Eigenständigkeit und Führungsverantwortung für Gardena richtig war und bereits Früchte trägt“, findet Menges.

Klein, orange-grau – und im Garten unverzichtbar

Die holmlose Schließeinheit in Kombination mit dem Werkzeug ermöglicht es, den neu entwickelten Zwei-Komponenten-Prozess mit kurzen Zykluszeiten mit einer hohe Bauteilqualität zu vereinen. (Bildquelle: Harald Wollstadt/Redaktion Plastverarbeiter)

Drehkreuz-Werkzeug und holmlose Spritzgießmaschine

Michael Kieser, Werkleiter von Gardena am Standort Gerstetten: „Sie werden kein Gardenaprodukt im Laden kaufen können, ohne dass ein solcher Schlauchverbinder drinsteckt, egal was sie kaufen. Das ist an jedem Schlauchwagen mit dran, bei jedem Regner mit dabei.“ Die orange-grauen Schlauchstücke für die Gartenbewässerung sind mit 20 Mio. Stück pro Jahr die höchstvolumigen Bauteile, die Gardena im süddeutschen Gerstetten fertigt. Seit Januar 2015 kommt dafür eine holmlose Spritzgießmaschine Engel E Victory 740H/310W/400 WP Combi mit einem Drehkreuz-Werkzeug der Firma Hack, Kirchheim unter Teck, zum Einsatz. Die holmlose Schließeinheit in Kombination mit dem Werkzeug ermöglicht es, den neu entwickelten Zwei-Komponenten-Prozess mit kurzen Zykluszeiten mit einer hohen Bauteilqualität zu vereinen. Dabei entnimmt ein Sechsachsroboter Engel Easix alle 16 Sekunden 16 Schlauchstücke. Um den thermoplastischen Gehäusewerkstoff und das Elastomer für die Griffflächen gleichzeitig zu verarbeiten, verfügt das Drehkreuz-Werkzeug für die zwei Mal 16 Kavitäten über vier mal 16 Kerne. Nach dem Spritzgießen der thermoplastischen Komponente, dreht das Werkzeug die Kerne zunächst in eine Kühlposition, um erst im dritten Schritt die Weichkomponente aufzuspritzen. Auf diese Weise verlängert das Kühlen die Zy-kluszeit nicht. Die vierte Drehposition dient schließlich dem Entformen.

Klein, orange-grau – und im Garten unverzichtbar

Um den thermoplastischen Gehäusewerkstoff und das Elastomer für die Griffflächen gleichzeitig zu verarbeiten, verfügt das Drehkreuz-Werkzeug für die zwei Mal 16 Kavitäten über vier Mal 16 Kerne. (Bildquelle: Engel)

Die jeweils 16 Kerne sind entlang einer vertikalen Drehachse in linearer Anordnung platziert. Damit die in den oben und unten liegenden Kavitäten produzierten Schlauchstücke die exakt gleiche Wanddicke aufweisen wie die in den mittig liegenden Kavitäten, ist das konstruktive Herzstück der holmlosen Schließeinheit besonders wichtig: Der Force Divider. Hinter der beweglichen Werkzeug-Aufspannplatte befinden sich zwei dieser Biegeelemente und verteilen die Schließkraft gleichmäßig über den Werkzeugquerschnitt, damit die Werkzeugplatten exakt parallel bleiben. Dies ist auch nötig, denn das Werkzeug ist so präzise gefertigt, dass schon ein geringer Verzug, hervorgerufen durch wenige Grad Temperaturabweichung, dazu führt, dass sich das Werkzeug nicht mehr schließen lassen würde. Eine verschobene Plattenparallelität würde daher das Schließen erst recht verhindern. Daher ermöglicht der Einsatz des Force Deviders eine sehr hohe Reproduzierbarkeit, schont das Werkzeug und trägt dazu bei, dass die Fertigungszelle seit ihrer Inbetriebnahme ohne qualitätsbedingten Ausschuss arbeitet. Letzterer entsteht eigentlich nur beim Anfahren. Das mündet in eine OEE von über 90 Prozent.

Klein, orange-grau – und im Garten unverzichtbar

Wenige Produkte erreichen es, ein selbstverständlicher Teil des Alltags zu werden. Eines, das dies zumindest bei Gartenbesitzern geschafft hat, ist das orangefarbene Bewässerungssystem von Gardena. (Bildquelle: Gardena)

Das Werkzeug mit seinen vielen Kühlanschlüssen füllt den Einbauraum der 4.000-kN-Maschine vollständig aus, dennoch bleibt ausreichend Bewegungsfreiheit. Dass es sich überhaupt einbauen ließ, ist nur möglich, weil die Spritzgießmaschine keine Holme hat. Um das Werkzeug auf einer Spritzgießmaschine mit Holmen einzusetzen, müsste diese deutlich größer sein, damit das Werkzeug zwischen den Holmen durchpasst. Mit der Größe würde sich aber die Zykluszeit erhöhen, da eine größere Maschine zum Öffnen und Schließen der Form mehr Zeit benötigt als eine kleinere. Die Holmlostechnik vereinfacht zudem die Automatisierung der Anwendung. Denn trotz des sehr hohen Greifers kann der Roboterarm die Werkzeugkerne von der Seite aus erreichen, was den Weg verkürzt, den er zurücklegen muss.

60 Jahre High-Technologie im Formenbau

Das Drehkreuz-Werkzeug mit 16 Kavitäten wurde von Hack Formenbau, Kirchheim unter Teck, konzipiert und gebaut. Das Unternehmen ist Spezialist im Bereich Formenbau für Einkomponenten-, Mehrkomponenten-, Multikavitätenformen sowie Etagenformen für Ein- und Mehrkomponenten. Die Werkzeuge kommen in den verschiedensten Branchen zum Einsatz wie zum Beispiel Medizintechnik, Kosmetik/Verpackung, Personal Care, Technik, Mikrotechnik und Automotive. Bei Hack Formenbau gehen über 60 Jahre Erfahrung und Wissen einher mit innovativer High-Technologie im Formenbau. Daraus ergeben sich für die Kunden viele Vorteile und Möglichkeiten einer interessanten Zusammenarbeit, wie auch im Falle Gardena. Gerade die produkt- und prozess-orientierte Werkzeugkonstruktion inklusive der rheologischen Berechnungen sind bei einem solchen Projekt gefragt. Und
Zykluszeiten von 16 Sekunden lassen sich nur durch eine optimale Werkzeugtemperierung ermöglichen. Im eigenen Technikum kann Hack auf Spritzgießmaschinen von 40 t bis 400 t Schließkraft in 2K-Technologie zugreifen und im Vorfeld eine Validierung der Werkzeuge durchführen. Auf der Messe K 2016 in Düsseldorf wird auf dem Stand von Engel, Schwertberg, Österreich, ein filigranes Hochleistungs-Präzisionswerkzeug mit acht Kavitäten gezeigte, bei welchem das Know-how von Hack Formenbau ebenfalls zum Tragen kommt.

Auf der K 2016:

Hack Formenbau: Halle 01, Stand F31

Engel: Halle 16, Stand C58

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de