Waschanlage für Folienaufbereitung wirtschaftlich betreiben

Die Waschanlage verarbeitet Post-Consumer-Folien zu Rezyklat, welches für Müllsäcke sowie Abdeck- und Baufolien verwendet wird. (Bildquelle: Herbold Meckesheim)

Unterschiedliche Folienabfälle stellen auch unterschiedliche Ansprüche an die Aufbereitungsstufen. Solche Folien sind teilweise sehr stark verschmutzt, oft beträgt der Verschmutzungsgrad bis zu 50 Prozent. Das bedeutet, dass genauso viele Verunreinigungen in die Folienwaschanlage gelangen wie Folienmaterial. Um diese aus der Folie zu lösen, wird bereits bei der Vorzerkleinerung in der Waschanlage bei dem niederländischen Produzenten von Regranulaten, Rodepa Plastics, Hengelo, Niederlande, ein für diese Aufgabenstellung entwickelter Nass-Shredder eingesetzt. Das Unternehmen aus der niederländischen Provinz Overijssel bereitet nach eigenen Angaben jährlich 25.000 Tonnen Post-Industrial- und Post-Consumer-Material aus LDPE, PP und PS zu Regranulaten auf. Die Herausforderung liegt darin, kontinuierlich gute Regranulate zu produzieren. Die von Rodepa hergestellten Regranulate werden an Extrusions- und Spritzgießbetriebe sowie Folienproduzenten in Europa geliefert und für Platten, Rohre und Folien sowie Batteriegehäuse, Blumentöpfe oder Pflanzenschalen und zum Compoundieren verwendet. Daher hat jeder Kunde andere Ansprüche, beispielsweise hinsichtlich mechanischer Eigenschaften, wie Kerbschlagzähigkeit, Viskosität und Dichte.

Waschanlage für Folienaufbereitung wirtschaftlich betreiben

Der Anwender bereitet nach eigenen Angaben jährlich 25.000 Tonnen Post-Industrial- und Post-Consumer-Material aus LDPE, PP und PS zu Regranulaten auf. (Bildquelle: Herbold Meckesheim)

Mix aus unterschiedlichen Kunststoffen

Die Inputmaterialien bestehen aus einem Mix von verschiedenen Kunststoffen. Hierbei ist es zunächst wichtig, die unerwünschten Kunststoffe abzutrennen. Hierzu setzt der Recyclinggeräte-Hersteller Herbold Meckesheim, Meckesheim, im Bereich der nassen Folienaufbereitung auf ein Abtrennen mittels Hydrozyklon-Trennstufe. So lassen sich die schweren Kunststoffbestandteile von den Polyolefinen abtrennen, diese stellen das Gutmaterial für Folienwaschanlagen dar. Hydrozyklon-Trennstufen erreichen wesentlich höhere Reinheitsgrade als konventionelle Schwimm-Sink-Trenntanks. Ein weiterer Vorteil der Hydrozyklon-Trennstufe sind die hohen Mengen an Wasser, welche im Kreislauf gefahren werden. Sie sorgen zusammen mit den im Hydrozyklon entstehenden Zentrifugalkräften für exakt getrennte und sehr saubere Folien. Anhaftende Organik, wie sie bei Folienabfällen aus dem Haushaltsbereich oft zu finden sind, wird hier mühelos abgewaschen. Supermarktfolie hingegen hat oft erhebliche Anteile an Papier in Form von aufgeklebten Etiketten. Es ist schwierig, dieses Papier von der Folie zu lösen, wobei die aus LLDPE bestehenden Supermarktfolien sich ansonsten ideal als Eingangsmaterial für ein Rezyklat für neue Folien eignen.

Am wichtigsten ist aber die Frage nach der geforderten Qualität des Endproduktes. Von dieser hängen die erforderlichen Aufbereitungsstufen ab. Wirtschaftlich betrachtet, können auch nur bestimmte Abfälle zur Aufbereitung verwendet werden. Verarbeiter weichen immer mehr auf Materialien aus, welche am Markt sehr preisgünstig zu beschaffen sind. Deswegen ist es wichtig, die Maschinentechnik im engen Dialog zwischen Anlagenbauer und Betreiber abzustimmen. Je präziser sich die Aufgabenstellung bezüglich des zu verarbeitenden Inputmaterials einschränken lässt, desto kostengünstiger lässt sich eine Anlage erstellen, denn das vermeidet unnötige Verfahrensschritte oder Auslegungsspielräume. Gedanken muss sich der Betreiber einer Waschanlage auch über die Organisation der Folienabfälle machen. Ein existierendes Sammel- und Sortiersystem ist die ideale Voraussetzung. Wo dieses fehlt, kann ein Recycler für Kunststoffabfälle nur auf Materialströme zurückgreifen, die aus Ländern importiert werden, in denen die Materialien entsprechend gesammelt oder aufbereitet werden. Natürlich ist es auch möglich, Haushaltsabfälle gemischt zu sammeln, danach möglichst viel Organik vorab abzutrennen und daraus eine Kunststoff-Fraktion zu erzeugen.

In der bei Rodepa Plastics stehenden Waschanlage werden Post-Consumer-Folien zu Rezyklat verarbeitet, welches für Müllsäcke sowie Abdeck- und Baufolien verwendet wird. Hierzu muss das Unternehmen keinen neuen Kunststoff zumischen, die drei neuen Produkte bestehen alle zu 100 Prozent aus aufbereitetem Kunststoff aus der Folienwaschanlage von Herbold Meckesheim.

Waschanlage für Folienaufbereitung wirtschaftlich betreiben

Der in der Waschanlage integrierte Nass-Shredder gehört zu den auffallenden Konstruktionsmerkmalen der Recycling-Anlage. (Bildquelle: Herbold Meckesheim)

Randbedingungen zum wirtschaftlichen Betrieb

Viele Randbedingungen zum wirtschaftlichen Betrieb einer Waschanlage für Kunststofffolien sind vom Markt vorgegeben, zum Beispiel die Kosten für die Beschaffung und den Transport des Inputmaterials oder erzielbare Preise für die Fertigware. Durch optimale Maschinenausrüstung kann der Betreiber einer Folienwaschanlage Inputmaterial von schlechterer Qualität verarbeiten oder ein qualitativ hochwertigeres Endprodukt herstellen. Ganz wichtig ist auch gut geschultes Personal zum Betrieb der Anlage. Dass sich solch eine Anlage auch am Standort Mitteleuropa wirtschaftlich betreiben lässt, wurde schon viele Male unter Beweis gestellt.

Die gesamte Wirtschaftlichkeit einer Waschanlage für Folienaufbereitung steht und fällt aber mit den Aufbereitungskosten. Der größte Anteil hiervon sind die Energiekosten. Für einen langlebigen Betrieb einer solchen Anlage müssen Themen wie Wartung und Instandhaltung schon beim Konstruieren der Maschinen bedacht werden. Ohne vorbeugende Wartung und Instandhaltung ist das Verarbeiten abrasiver Materialien, wie Sand, nicht möglich. Konstruktiv müssen Vorkehrungen getroffen werden, um von Verschleiß betroffene Stellen zu schützen. So werden diese Bereiche mit auswechselbaren Verschleißplatten ausgekleidet.

Diese kommt mit extrem stark verschmutzter Folie genauso zu Recht wie mit sehr dünnwandiger Folie. Der in der Waschanlage integrierte Nass-Shredder und die Hydrozyklon-Trenntechnik sind die auffallenden Konstruktionsmerkmale der Recycling-Anlage. Mark Langenhof Managing Director von Rodepa Plastics betont: „Wir sind einen großen Schritt nach vorne gekommen, um verschmutzte Abfälle aufzubereiten, die wieder in die Herstellung von Folien gehen sollen. Das kann man nur mit einer guten Anlagentechnik erfolgreich umsetzen.“ Durch den engen Kontakt beider Unternehmen ist der für eine Weiterentwicklung der Anlagentechnik sowie für zukünftige Projekte wichtige Informationsaustausch zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenlieferant sichergestellt.

Über den Autor

Karlheinz Herbold

ist Geschäftsführer von Herbold Meckesheim in Meckesheim.