Additive Fertigung muss sich weiterentwickeln

Am Direct Manufacturing Research Center (DMRC) der Universität Paderborn fand der Innovationstag 2016 des Vereins Kunststoffland NRW statt. Thema war die Additive Fertigung und deren konkrete Bedeutung für die Kunststoffindustrie und die daraus ableitbaren Perspektiven. (Bildquelle: Kunststoffland NRW)

Die Kernfrage „Wie muss sich die Additive Fertigung weiterentwickeln, um für die Kunststoffindustrie interessanter zu werden“ war der roten Faden der Veranstaltung und wurde von den Referenten aus ihrer jeweiligen Unternehmensperspektive unterschiedlich beantwortet. Als Einstieg lieferte Prof. Schmid, Uni Paderborn/DMRC, einen Überblick über aktuelle Verfahren der additiven Fertigung von Kunststoffbauteilen und bewertete Chancen, aber auch bisher ungelöste Herausforderungen aus Sicht der Wissenschaft. Handlungsbedarf sieht er besonders in Bereichen wie Qualitätssicherung, Automatisierung der Prozesskette, Normung und Materialverfügbarkeit sowie bei der Sicherung des notwendigen hochqualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchses.

Sylvia Monsheimer, Leiterin für die Entwicklung von Materialien für das Lasersintern bei Evonik, plädierte für eine differenzierte Sicht. Vorteile biete die Additive Fertigung nicht beim simplen 1:1-Ersatz konventioneller Verfahren, sondern nur durch modifizierte, innovative Bauteile. Dies setze eine veränderte Denkweise von Ingenieuren und Designern voraus, die hier gemeinsam neue Wege beschreiten müssten und so zu Schlüsselfiguren im Innovationsprozess werden.

In ähnlicher Weise betonte Dr. Dirk Achten, Covestro, die neue Designfreiheit, die durch den 3D-Druck als „Kunst der inneren Strukturen“ möglich werde und gerade im Leichtbau ganz neue Chancen eröffne. Die größten Potenziale entstehen durch die Zusammenfassung komplexer Baugruppen in einem einzigen Bauteil, und die zusätzliche Integration von Funktionen. Unabhängig davon veränderten aber auch die enormen Fortschritte im Softwarebereich das Design der Zukunft von Grund auf und führten so die klassischen Produktionstechnologien an ihre Grenzen. „3D-Druck wird als zwingende Produktionstechnologie deshalb unverzichtbar“, prognostizierte Achten die weitere Entwicklung und plädierte vor diesem Hintergrund für ein gemeinsames Engagement der Akteure der Wertschöpfungskette: „Keiner kann es heute allein!“  Eine ganz andere Perspektive nahmen abschließend Rafael Radziej, Gerhardi Kunststofftechnik und Cersten Zilian, SLM Solutions ein. Beide erörterten sehr plastisch aktuelle Praxisherausforderungen aus ihrer jeweiligen Unternehmenssicht – der Kunststoffverarbeiter Gerhardi präsentierte dabei einen mittels 3D-Druck gefertigten Kühlergrill für einen Audi A8 in Originalgröße.

Eine positive Resonanz erfuhr auch die von Kunststoffland initiierte Aktion „Studierende stellen sich vor“, die in dieser Form erstmals am Rande des Innovationstages stattfand. Sie ermöglichte es den teilnehmenden Unternehmen, mit Studierenden in Kontakt zu treten, die sich für Praktika und/oder Bachelor-/Masterarbeiten in Unternehmen der Kunststoffindustrie interessieren oder gar perspektivisch dort Beschäftigungs-möglichkeiten suchen.