12. Branchentag des "Kunststoffland NRW" bei Hennecke

Dr. Wilhelm Schäffer ist Staatssekretär im Mininsterium für Arbeit, Integration und Soziales von Nordrhein-Westfalen und sprach über den Fachkräftemangel in der Industrie.
(Bildquelle: Hennecke)

Rund 130 Teilnehmer kamen nach St. Augustin in das Techcenter von Hennecke. Von dort aus startete zunächst die Werksführung, bei der sich die Besucher einen praktischen Eindruck davon verschaffen konnten, wie ein PUR-Dosiergerät oder eine PUR-Schaumanlage, ob kontinuierlich und eine diskontinuierlich, entsteht. Daran schlossen sich die Vorträge, also der theoretische Teil der Veranstaltung an.

Nach der Eröffnung durch Rolf Trippler, Geschäftsführer Vertrieb von Hennecke, und der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vereins Kunststoffland NRW, Hartwig Meier, hauptberuflich bei Lanxess tätig, begann der Vortrag von Dr. Wilhelm Schäffer. Er ist Staatssekretär im Mininsterium für Arbeit, Integration und Soziales von Nordrhein-Westfalen und sprach über den Fachkräftemangel. Er argumentierte, dass der sogenannte demografische Wandel aus zwei Gründen nicht mehr der Hauptgrund für den Fachkräftemangel sei: Der Zuzug von Flüchtingen bringe seiner Meinung nach viele junge, potenzielle Auszubildende nach Deutschland und zudem entlaste die Industrie 4.0 die Unternehmen, da sie die Produktivität der vorhandenen Arbeitskräfte erhöhe.

12. Branchentag des "Kunststoffland NRW" bei Hennecke

Während der Werksführung sahen sich die Besucher unter anderem die einzelnen Prozessschritte beim Herstellen eines PUR-Mischkopfes an.
(Bildquelle: Hennecke)

Dennoch sieht er Handlungsbedarf dahingehend, dass die Schüler möglichst früh eventuelle fachliche Schwächen ausgleichen und so schneller ausbildungsbereit sind. Zudem sollten sie einfacher mit den Unternehmen in Kontakt kommen. Dazu startete das Land NRW eine Initiative, die frühe freiwillige Leistungstests sowie Praktika einschließt. Im Grunde soll es unter anderem dadurch gelingen, die technische Dimension der Industrie 4.0 auf arbeitspolitische Prozesse zu spiegeln: Mit den Unternehmen und untereinander vernetzte Arbeitnehmer, zum Wohle von Wirtschaft und Gesellschaft.

Anschließend referierte Prof. Dr. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV) an der RWTH Aachen, über die Herausforderungen und Chancen der Kunststoffverarbeitung vor dem Hintergrund des Leichtbaus. Um diese Herausforderungen zu meistern, biete NRW eine optimale Ausgangslage mit den vielen Unternehmen der Branche sowie dem IKV sowie den Fraunhofer Instituten. „Wir haben hier in NRW die(!)  Werkstoffkompetenz“, sagt Hopmann. Er meint damit auch die Stahlindustrie, ohne die es im zum Beispiel automobilen Leichtbau nicht geht. Vielmehr ermöglichen Materialverbünde die größten Erfolge – zumindest wenn die Kosten und die Produktivität berücksichtigt werden.

Dieser Meinung ist auch Jens Winiarz, Vertriebsleiter bei Hennecke. Er zeigte an den Beispielen einer Tür sowie einer Motorhaube, wie sich durch den Einsatz von PUR Metall und damit Gewicht einsparen lässt, ohne die Stabilität des Bauteils einzuschränken.

Den letzten Vortrag hielt Dr. Hubert Ehbing von Covestro. Neben dem PUR-Schwerpunkt seines Unternehmens – immerhin arbeitet er für einen der größten Polyurethan-Produzenten der Welt – stellte er ein Verfahren vor, wie sich CO2 in Polymerketten einbauen lässt. Das soll die Abhängigkeit von Öl als Basis für Kunststoffe verringern und den CO2-Gehalt der Atmosphäre langfristig zu senken. Derzeit gelingt es, etwa 20 Prozent an fossilen Grundstoffen auf diese Weise einzusparen. Das erklärte Ziel des Unternehmens ist es, 50 Prozent der Polymerkette aus künstlich hinzugefügtem Kohlenstoff zu erstellen.

(dl)