Neue Designfreiheit durch veränderte Regularien für Automobilverscheibungen

Die europäische Richtlinie für die Zulassung von Automobilverscheibungen ECE R43 wurde angepasst. (Bildquelle: Angie Lingnau – fotolia.com)

Die aktuelle Anpassung der ECE R43 ermöglicht Designern neue kreative Möglichkeiten: Seit Juni 2015 sind bestimmte Dreiecksscheiben aus Kunststoff von der bisherigen Regelung ausgenommen. Die hohen Anforderungen an Kratzfestigkeit, die eine nachträgliche Beschichtung voraussetzen, gelten also nicht mehr für die speziell in dem Nachtrag zur ECE R43 beschriebenen kleinen Dreiecksscheiben.

Betroffen von den neuen Ausnahmen sind alle Fenster aus Kunststoff, die nicht relevant für die Sicht des Fahrers sind und deren Fläche so klein sein muss, dass ein Kreis mit einem Durchmesser von max. 150 mm nicht hineinpasst. Die Fläche der gesamten Scheibe muss außerdem kleiner als 200 cm2 sein.  Eine kleine Scheibe also, durch die zwar Licht fällt, durch die der Fahrer aber nicht hindurchschauen muss. Ein Beispiel dafür ist eine kleine Dreiecksscheibe hinter der C-Säule, die als Designelement von immer mehr Herstellern aufgegriffen wird. Prinzipiell sind aber auch andere kleine Dreiecksscheiben denkbar, solange sie alle erwähnten Voraussetzungen erfüllen.

Hintergrund der neuen Bestimmungen ist eine Anpassung der Regelung ECE R 43, in der die Anforderungen für sicherheitsrelevante Automobilverscheibungen festgelegt werden. Die ECE-Regelungen sind international vereinbarte Vorschriften für Kraftfahrzeuge, die von der Wirtschaftskommission für Europa bei den Vereinten Nationen, der Economic Commission for Europe, verabschiedet werden.

Neue Designfreiheit durch veränderte Regularien für Automobilverscheibungen

BIldquelle: Fotolia.com Robert Wilson

Der Trend im Automobilbau geht zu Kunststoffen

PMMA wird so aus mehreren Gründen zum geeigneten Werkstoff für die beschriebenen Scheiben.

Der hochtransparente Kunststoff hat selbst im unbeschichteten Zustand eine sehr hohe Oberflächenhärte im Vergleich zu anderen thermoplastischen Kunststoffen. Und gleichzeitig bieten die kleinen Dreiecksscheiben Designmöglichkeiten für geschwungene Linien und ausgeprägte Kanten, die sich so nicht mit Glas realisieren lassen: „Plexiglas lässt sich durch Spritzgießen in nahezu jede beliebige 3D-Geometrie bringen“, beschreibt Uwe Löffler, Director Business Development Automotive bei Acrylic Polymers im Evonik Segment Performance Materials. „Es lassen sich also auch Windabrisskanten innerhalb der Scheiben und spitze Winkel realisieren. Und die Scheiben können um die Ecke geführt werden“, sagt Löffler.

Die hohe Designfreiheit und das geringe Gewicht  sind Vorteile, durch die Kunststoffe sich längst in vielen Bereichen etabliert haben, zum Beispiel bei der Fahrzeugbeleuchtung und bei nichttransparenten Karosserieteilen. Das große Potenzial bei Automobilverscheibungen wird mit der neuen Richtlinie noch vergrößert, denn das hochtransparente PMMA ist nicht nur halb so schwer wie Glas, sondern weist darüber hinaus auch eine hohe Bruchsicherheit, eine sehr gute Witterungsbeständigkeit und eine angenehme Akustik auf.

Systemkostenreduktion durch Wegfallen von Beschichtung

PMMA hat zwar eine sehr hohe Oberflächenhärte, benötigt aber im Falle von sicherheitsrelevanten Heck- und Seitenscheiben eine zusätzliche Kratzfestbeschichtung. „Aber mit den neuen Ausnahmen der Regelung ist nun Plexiglas speziell für diese kleinen Dreiecksscheiben der Werkstoff der Wahl“, sagt Löffler. Zu den Designvorteilen kommen noch die überaus günstigen Kostenaspekte: Aufgrund der Neuregelung braucht das PMMA für die Herstellung einer Kleinscheibe keinerlei zusätzliche Beschichtungen, da es im Gegensatz zu anderen transparenten Thermoplasten schon materialinhärent UV- und witterungsbeständig ist und Scheiben so in nur einem Arbeitsschritt hergestellt werden können.

 

Fakuma 2015

Halle/Stand A4/4117

Über den Autor

Doris Hirsch

ist im PR-Management Acrylic Polymers Performance Materials bei Evonik in Darmstadt beschäftigt.

doris.hirsch@evonik.com