Qualitätsrelevante Daten jederzeit im Blick

Zentrale Qualitätssteuerung: Mithilfe dieses Moduls wählt der Anwender beispielsweise Kunden, Lieferanten, Artikel oder Maschinen aus und erhält in Echtzeit eine Rückmeldung über die jeweils bestehenden qualitätsrelevanten Daten im gesamten System.
(Bildquelle: CAQ Factory Systems)

Das 1965 gegründete Unternehmen Klein Kunststofftechnik, Dettenheim, produziert auf Maschinen mit 20 bis 250 KN Schließkraft von Arburg, Loßburg, Spritzgussteile, die ein maximales Spritzgewicht von 500 Gramm erreichen. Im Jahr 1996 erfolgte die erste Zertifizierung nach der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001. Allerdings waren schon damals einige der Hauptkunden des Unternehmens im Automotive-Bereich angesiedelt, die verlangten, dass ihre Zulieferer weitere Schlüsseltechniken der Qualitätssicherung praktizieren. Aus diesem Grund ließ sich das Unternehmen im Jahr 2000 nach dem damals noch geltenden Standard QS 9000 zertifizieren. Im Jahr 2003 folgte hierauf die ISO/TS 16949. Im Jahr 2013 gesellte sich die Umweltnorm DIN EN ISO 14001 dazu.

Qualitätsrelevante Daten jederzeit im Blick

Das CAQ-System kommuniziert auch mit dem Leitrechnersystem der eingesetzten Maschinen. Dadurch sieht der Anwender in einem zentralen Modul die Prozessparameter von den elektrischen, hybriden und hydraulischen Spritzgießmaschinen.
(Bildquelle: Klein Kunststofftechnik)

Qualitätsmanagement: den Dschungel lichten

Um die Pflege dieser Systeme sowie der dazugehörigen Techniken und Prozesse zu verbessern, begab sich das Unternehmen im Jahr 2006 auf die Suche nach einer passenden Softwarelösung. Nach einer weitreichenden Marktrecherche wurde es bei CAQ Factory Systems, Rheinböllen, fündig. Das Portfolio des Anbieters bot alle Funktionen, die der Automobilzulieferer für eine Qualitätssicherung in den Bereichen Kunststofftechnik und Automotive benötigte. Zudem ist es möglich, das bestehende System sukzessive um weitere Qualitätsmanagement-Module zu erweitern. Von Control Plan, Statistische Prozesslenkung (SPC), Prüfplanung, Chargenverfolgung und Erstmusterprüfung bis hin zu Prüfmittel-Management und dem Risikomanagement-Werkzeug FMEA (Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse) bewältigt das Unternehmen heute seine gesamte Qualitätssicherung und das Qualitätsmanagement mit diesem System.

Zentrale Qualitätssteuerung

Ein wichtiger Faktor für das Aufrechterhalten der ISO/TS-16949-Vorgaben ist die Datentransparenz. Durch das Verknüpfen der Informationen, die innerhalb der einzelnen Qualitätssicherungs-Prozesse entlang der Wertschöpfungskette gesammelt werden, kann das Unternehmen mit der Qualitätsmanagement-Software jederzeit ein klares Bild der Qualitätslage zeichnen. Beispielsweise fließen Daten über Beanstandungen aus dem Reklamations-Management in die Prüfplanung mit ein. Zudem können Mitarbeiter keine Prüfmittel verwenden, die im Prüfmittelmanagement der Software gesperrt sind. Und die FMEA ist mit dem Produktionslenkungsplan verbunden. Über das Qualitätswesen wacht letztlich das Modul QDrive.Net zur zentralen Qualitätssteuerung. Hiermit wählt der Anwender beispielsweise Personen, Kunden, Lieferanten, Artikel, Maschinen oder Prozesse aus und erhält in Echtzeit eine Rückmeldung über die jeweils bestehenden qualitätsrelevanten Daten im gesamten System.

Im Unternehmen beschränkt sich die Datentransparenz aber nicht auf die Daten aus dem CAQ-System. Dieses ist darüber hinaus mit dem hauseigenen ERP-System verbunden. Über eine Standardschnittstelle tauschen sie Stamm- und Bewegungsdaten aus. So werden beispielsweise die Artikelstammdaten synchronisiert oder die Wareneingangsprüfungen automatisch im CAQ-System angemeldet, nachdem das ERP-System einen Wareneingang registrierte. Diese direkte Kommunikation der Systeme erhöht die Prozesseffizienz im Unternehmen.

Bis hinunter auf Maschinenebene

Neben dem ERP-System kommuniziert das CAQ-System zusätzlich mit dem Leitrechnersystem der eingesetzten Maschinen. Dieses überträgt die Prozessparameter von den elektrischen, hybriden und hydraulischen Spritzgießmaschinen in das CAQ-System. Die Module des CAQ-Systems sind somit direkt mit dem Manufacturing Execution System (MES) von Arburg verbunden, dem sogenannten Arburg Leitrechnersystem (ALS). Die QDX-Schnittstelle der Qualitätsmanagement-Software ermöglicht es Klein Kunststofftechnik zudem, weitere Anforderungen des Automotive-Bereichs zu erfüllen. Mit diesem vom Verband der Automobilindustrie (VDA), Berlin, entwickelten Format können Kunden und Lieferanten unter anderem einen Erstmusterprüfbericht austauschen.

Qualitätsrelevante Daten jederzeit im Blick

Das einfache Lenken, Pflegen und Erstellen von Dokumenten mit diesem Modul ermöglicht es, rasch auf geänderte Norminhalte zu reagieren – beispielsweise bei der anstehenden ISO 9001:2015.
(Bildquelle: CAQ Factory Systems)

Unternehmensweites Dokumentenmanagement

Für das Dokumentenmanagement kommt ein zusätzliches Modul zum Einsatz, das unter anderem alle zertifizierungsrelevanten Dokumente pflegt. Das einfache Lenken, Pflegen und Erstellen von Dokumenten mit diesem Modul ermöglicht es, rasch auf geänderte Norminhalte zu reagieren. Dementsprechend blickt das Unternehmen gelassen auf die anstehende ISO 9001:2015 und die Erfüllung der darin abgebildeten Pflichten.

Kurze Einführungsphase

Dennoch erfordert die Einführung eines QM-Systems eine gewisse Einarbeitungszeit. Denn erst nachdem alle qualitätsrelevanten Prozesse laufen, die einzelnen Bestandteile ihre Daten korrekt austauschen und die Anwender geschult sind, erreicht das Unternehmen einen Zustand, in dem es jederzeit auskunftsfähig ist. Dann ist aber auch der Moment erreicht, bei dem es die Fragen von Kunden oder eines Auditors nach einem Knopfdruck beantworten kann. Begleitet von einem präzise auf die Anforderungen angepassten Formular – inklusive Kundenlogo.

Ging das Unternehmen anfangs von einer Mitarbeiter-Einarbeitungszeit von ungefähr zwei Jahren aus, war die Geschäftsleitung verblüfft zu sehen, dass die Primärziele der Systemeinführung bereits nach vier Monaten erreicht waren. Ausschlaggebend hierfür war neben der intuitiven Benutzerführung des Systems die unternehmensweite Erkenntnis des qualitätstechnischen Mehrwerts und der höheren Effizienz, die das System ermöglichte.

Vollumfängliche Qualitätssicherung im Unternehmen

Durch frühe positive Resultate und der Tatsache, dass die Mitarbeiter für Kundenfragen oder den Auditor nicht länger in Akten suchen oder MS Excel Spreadsheets bearbeiten mussten, waren die Geschäftsleitung und die QM-Abteilung des Unternehmens schnell überzeugt. Mit dem CAQ-System praktiziert der Automobilzulieferer heute eine umfangreiche Qualitätssicherung im Unternehmen, welche insbesondere im strikten Automotive-Bereich für den Geschäftserfolg entscheidend ist.

 

Standard im Detail: ISO/TS 16949

Dieser Standard basiert auf der ISO 9001 und harmonisiert die individuellen Regelungen verschiedener nationaler Automotive-Verbände und kommt mittlerweile bei etwa 30 Prozent der Automobilhersteller weltweit zum Einsatz. In Deutschland setzen diesen Standard sämtliche großen Automobilhersteller ein.

Betrachtet man die ISO/TS 16949 etwas genauer, fällt auf, dass es sich hierbei gewissermaßen um eine ISO 9001 Plus handelt. Die International Automotive Task Force (IATF) verschärfte den Standard ISO 9001 und ergänzte ihn um viele Werkzeuge. Mit Advanced Product Quality Planning (APQP), Statistische Prozesslenkung (SPC), Control Plan, Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse (FMEA), Messsystemanalyse (MSA) und Produktionsteil-Abnahmeverfahren (PPAP; Erstmusterprüfbericht) übernahm sie Werkzeuge aus der QS 9000, die letztlich auch das Erfüllen von kundenspezifischen Anforderungen (Customer Specific Requirements) stärker in den Fokus rückten. Außerdem zielt der Standard mit dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) und der Fehlervermeidung nicht nur darauf ab, Fehler zu entdecken, sondern primär darauf, sie zu vermeiden.

Halle B1, Stand 1114

Über den Autor

Manuela Oliva

ist Qualitätsbeauftragte bei Klein Kunststofftechnik in Dettenheim.