ERP-System für Compoundierer und Kunststoffrecycler

Die Scanfunktionen der mobilen Datenerfassung sind einfach konzipiert, sodass sie Produktions- und Logistikmitarbeitern leicht bedienen können. (Quelle: Kirchhoff)

Polimarky ist ein polnischer Produzent von Kunststoffcompounds für Extrusion und Spritzguss. Gegründet 1984 hat das Unternehmen heute zwei Produktionsstätten, die mit spezialisierten Produktionslinien und einem Entwicklungszentrum ausgestattet sind. Die Zentrale befindet sich in Rzeszów, im Südosten Polens. Waldemar Purc übernahm im Januar 2012 die Geschäftsführung und damit die Aufgabe, das Unternehmen für die gesetzten Wachstumziele zu verändern. Neben personellen Erweiterungen sah er vor allem das im Einsatz befindliche Standard-ERP-System als Effzienz-Bremse.

Dieses deckte zwar Bereiche wie Finanzbuchhaltung und Kostenstellenrechnung zufriedenstellend ab, nicht aber die branchenspezifischen Anforderungen eines Kunststoffproduzenten. Operative Aufgaben wie Produktionsplanung, Materialdisposition oder Qualitätssicherung waren in nicht integrierten Sub-Systemen oder in komplexen Excel-Tabellen abgebildet, die meist schneller veralteten, als sie von den an der Planung beteiligten Mitarbeitern aktualisiert werden konnten.
Eine Software-Lösung nach Maß birgt Risiken und Chancen zugleich. Die großen Standard ERP-Systeme sind notgedrungen funktional sehr allgemein ausgelegt. Für Unternehmen mit einem breiten Spektrum an Geschäftsfeldern überwiegen unter Umständen die Vorteile eines solchen Alles-Könners. Der kunststoffproduzierende Mittelstand mit seinen sehr spezifischen Anforderungen an die Themen Bestand, Produktion und Qualität kann jedoch gewinnen, wenn er den Einsatz einer branchenspezifischen Lösung in Erwägung zieht.

Entscheidung für ein neues ERP-System

Der Kontakt von Polimarky zum Anbieter Kirchhoff Datensysteme Software entstand auf der Fakuma. Das Software-Unternehmen hat seine Produkte auf den Einsatz in der Kunststoffverarbeitung spezialisiert. Die gemeinsam mit der Polymer Chemie Gruppe entwickelte Lösung Poly.ERP und das Business-Know-How in den Bereichen Compoundierung, Masterbatches sowie Kunststoffrecycling überzeugte den Geschäftsführer Waldemar Purc. „Nicht wir mussten einem Systemanbieter erklären, wie unser Business funktioniert, vielmehr wurden uns viele interessante Ansätze für eine effizientere Prozessgestaltung in der Compoundierung gezeigt. Und das Ganze auch noch auf Basis eines Systems, das diese Abläufe zielgenau unterstützt.“ In Validierungs-Workshops wurden die Systemprozesse der neuen Software auf Konformität mit den tatsächlichen betrieblichen Prozessen und Anforderungen abgeglichen.

Modulbasierte Einführung

ERP-System für Compoundierer und Kunststoffrecycler

Der Produktionsleitstand ist direkt mit dem Auftragsbestand verbunden. (Quelle: Kirchhoff)

Mit der Einführung ging eine Vielzahl grundlegender Arbeitsprozessveränderungen einher, darunter eine barcodegeführte Bestandsverwaltung mit mobilen Datenterminals. Dabei wird jedes Gebinde von Eingang bis zum Verbrauch, von der Entstehung bis zur Auslieferung mit einem Barcode ausgezeichnet und per Scanner in seinem logistischen Lebenszyklus verfolgt. Die einfach handhabbaren Scanfunktionen sind dabei so konzipiert, dass sie Produktions- und Logistikmitarbeitern bedienen können. Der Produktionsleitstand ist direkt mit dem Auftragsbestand gekoppelt, sodass ohne unnötigen Beleglauf eine integrierte auftragsterminbezogene Produktionsplanung stattfindet. Dabei sind branchenspezifische Auftragsarten wie Lohnfertigungsaufträge, Rahmenabrufaufträge und auch produktionstechnische Besonderheiten wie Einblendprozesse und Anfahrmaterials-Steuerung berücksichtigt. Egal ob Chargenverfolgung, Rohstoffverbrauch, Materialbedarf oder Fertigwarenentstehung: Alle Prozesse in der Produktion werden direkt über Scanner erfasst und stehen im System zur Verfügung.
Nach Beschaffungs-, Auftrags- und Bestandsmanagement folgte schrittweise die Einführung der Module Produktionsplanung, Rezepturmanagement und Qualitätssicherung. Die Einhaltung von Qualitätsvorgaben geschah von da an durch das in den Gesamtprozess eingebettete QS-Modul des ERP-Systems. Abhängig von Kunden-Spezifikationen und den im System hinterlegten Prüfvorschriften erzeugt die Software automatisch die entsprechenden Prüfaufträge für die Qualitätssicherung und dokumentiert darauf aufbauend die Prüfergebnisse – inklusive Dokumentation der Spezifikationseinhaltung für den Kunden.

Change Management ernst nehmen

ERP-System für Compoundierer und Kunststoffrecycler

ERP-Systeme eignen sich für eine effetkive Steuerung der Stoffströme. (Quelle: Kirchhoff)

Die Aufgabe der Prozessumstellung und des Change Managements wurde bei Polimarky von Anfang an ernst genommen. Schon acht Wochen nach Produktivstart des Systems wertet die Projektleiterin die Einführung als Erfolg. Die insgesamt auf eine Dauer von sieben Monaten ausgelegte Umstellung verlief nicht nur „in time“ sondern auch „in budget“. Anpassungen an individuelle Prozesse des Compoundierers konnten durch Parametersteuerung ohne großen Aufwand vorgenommen werden. Heute profitiert die gesamte Organisation wie auch die Kunden von einer systematischen und durchgängigen Prozessunterstützung in einem System. Heute ist ein Teil des Unternehmens in der Ter Plastics Polymer Group aufgegangen. Unter dem Namen Terez Performance Polymers werden Hochleistungscompounds auf Basis Technischer Thermoplaste von dem Tochterunternehmen hergestellt.

Über den Autor

Simon Karl

ist Projektleiter Softwareentwicklung und Marketing bei Kirchhoff Datensysteme Software in Erfurt.