Rückverfolgbarkeit optimiert Prozesse

Thomas Peter ist Geschäftsführer des Herstellers von Masterbatches und Compounds Bruno Peter, Büren, Schweiz. (Bildquelle: Bruno Peter)

Den steigenden Anforderungen an die Endprodukte begegnen Sie mit Zertifikaten, die nachweisen, dass Ihre Farbbatches die Anforderungen der Verarbeiter erfüllen. Genügt das?
Thomas Peter Nein, die Zertifikate ISO 9001 (Qualitäts­management), ISO 14001 (Umweltmanagement) und ISO 50001 (Energiemanagement) sowie das OHSAS 18001 (Arbeitsschutzmanagement) bilden das Fundament, womit wir belegen, dass wir gewisse Voraussetzungen erfüllen. Es gibt natürlich noch spezifische ISO-Normen für Automobil­anwendungen, für Medizin- und Lebensmittelverpackungen und so weiter. Dann gibt es natürlich noch viele Produktnormen, das ist dann aber nicht mehr unbedingt das, was wir tun, sondern das, was dann unsere Kunden herstellen und die Produkte, und die müssen sich natürlich nach diesen Normen zertifizieren lassen.

Sind die Zertifizierungsprozesse auch ein Weg, die eigenen Prozesse im Unternehmen zu analysieren und zu verbessern?
Thomas Peter Ja aber nicht nur. Beispielsweise die 9001 haben wir seit 1995. Das leben wir natürlich stetig und es ist implementiert im Betrieb. Bei den Umwelt- und Energiemanagement-Zertifikaten gab es zwar schon einige Optimierungen, einige Abänderungen, aber das ging nicht bis hinunter zu den detaillierten Prozessen oder so. Viel wichtiger ist zum Beispiel das EDV-System, das wir letztes Jahr eingeführt haben. Damit herrscht bei uns absolute Rückverfolgbarkeit, weil wir alle ankommenden Produkte mit Barcodes versehen. Da können Sie jeden Schritt jedes ­Produktes genau verfolgen, ob es noch im Lager ist, in der Mischerei oder schon produziert. Das hat uns für die Prozessoptimierung viel mehr gebracht als die Zertifizierung.

Rückverfolgbarkeit optimiert Prozesse

Dokumentation ist wichtig. Daher fordert der Farbbatches-Hersteller regelmäßig die neuesten Datenblätter und Sicherheitsvorschriften für die Rohstoffe an – unabhängig davon, ob sich seit dem letzten Mal etwas geändert hat oder nicht. (Bildquelle: Bruno Peter)

Übertragen auf den eigentlichen Herstellprozess: Wie stellen Sie sicher, dass ausschließlich die gewünschten Produkte in der richtigen Menge in die Mischung gelangen?
Thomas Peter Der Mitarbeiter sieht alle Zutaten auf seinem Bildschirm und scannt jedes Produkt, um es vor dem Verwenden zu identifizieren. Und natürlich dokumentieren wir jeden Abwägeschritt für die Rückverfolgbarkeit. Auch bei den Maschinen hat sich gegenüber früher viel geändert. Ich sage einfach mal, früher hat man noch getippt und dann gestartet, heutzutage haben die Maschinen eine SPS-Steuerung drauf und speichern alle Parameter. Damit haben Sie viel mehr Informationen und können sicher sein, dass Sie das letzte Mal und dieses Mal genau gleich produzieren. Damit haben Sie auch in der Qualität eine gewisse Konstanz, ohne die Parameter wie früher auf ein Blatt zu schreiben, das nächste Mal wieder abzutippen und zu hoffen, dass Sie es genau gleich eingegeben haben. Heute kontrolliert das System das und wenn ein Wert abweicht, dann gibt es eine Fehlermeldung. Auf diese Weise können wir auch genau beweisen, was wir wie hergestellt haben.

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Unsere immer höheren Anforderungen an die Endprodukte schlagen sich auch in der Produktion nieder. Die Ausbildung der Mitarbeiter muss daher ebenfalls mit der Zeit gehen. (Bildquelle: Bruno Peter)

Wie hat sich vor dem Hintergrund der voranschreitenden Maschinentechnik die Rolle des Facharbeiters gewandelt?
Thomas Peter Ich denke, die Rolle des Facharbeiters hat sich nicht sehr groß geändert, aber er hat zusätzliche Aufgaben bekommen. Eben die ganze Informatik und Dokumenta­tion, die er erledigen muss. Ich denke, früher war er vielleicht noch ein Sekretär, hat noch Daten runtergeschrieben auf ein Blatt, hat das Blatt wieder irgendwo im Hängeregister archiviert für das nächste Mal. Heute muss er wissen, wie ein PC funktioniert, um die Daten einzugeben, muss die Programme beherrschen und sich mit Fehlerbehebung auskennen. Wenn man aber das rein Fachliche anschaut, das ist das plus/minus noch genau gleich wie früher. Schlussendlich müssen die Mitarbeiter das Fach oder die Materie immer noch beherrschen. Aber natürlich sind die heutigen Ausbildungen ganz anders. Ich denke, solch einen Wandel hatte man überall, wenn Sie sich den Innendienst oder Verkauf ansehen beispielsweise. Die Zeiten ändern sich eben. Aber davon wird man nicht von einem Tag auf den anderen komplett überrannt. Man muss sich einfach immer weiter informieren, sich weiterbilden.

Ist es heute schwerer, Fachkräfte anzuwerben als früher?
Thomas Peter Also wir haben hier im Betrieb keine großen Probleme, hatten wir noch nie. Wir haben eigentlich immer in anständiger Zeit jemanden gefunden. Aber die Auswahl ist sicher nicht mehr so groß.

Also existiert gar kein Fachkräftemangel?
Thomas Peter Naja, da stellt sich die Frage, was ist Fachkräftemangel? Mit der Harmonisierung der ganzen Bachelor- und Masterausbildung haben wir uns in Europa selber ein bisschen ins Bein geschnitten, denke ich. Wenn ich an früher denke, vor 30 Jahren hat man sein Ingenieurstudium in drei, vier Jahren absolviert. Heute müssen Sie für dasselbe mindestens fünf Jahre lang studieren, um einen Mastertitel zu bekommen. Damit haben wir unsere Studienzeit künstlich verlängert. Außerdem ist zum Teil der Gedanke verbreitet, wer einen Master hat, der muss nicht mehr an einer Maschine stehen. Das, denke ich, ist dann auch wieder eine Einstellungsfrage. In der Industrie haben wir sowieso das Problem, dass viele nicht mehr die schmutzige Arbeit tun wollen, also körperlich anpacken. Auch wird der Arbeitswille zum 100-Prozent-Job oder die Karriere nicht mehr unbedingt so groß geschrieben. Dazu kommt, dass das Reisen sicher eine hohe Priorität bei den Leuten hat. Die meisten unserer Praktikanten beispielsweise machen irgendein Auslandssemester, reisen nach dem Studium noch ein halbes Jahr. Und diese Leute, die fehlen natürlich dann auf dem Markt.

Was könnten die Unternehmen tun, um künftige Fachkräfte enger an sich zu binden?
Thomas Peter Da hat Deutschland von meiner Warte aus gesehen noch ein recht gutes System aufgebaut mit den Werkstudenten, mit dem man probiert die Leute zu binden. Allerdings ist das so eine Sache. Wenn Sie ein KMU sind mit 200 oder 400 Mitarbeitern, klappt das eventuell. Dann ist es aber schwierig, die Leute zu behalten. Aber bei uns mit 50 Leuten hier, ist das fast unmöglich. Es ist zwar schön, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter nach seinem Studium zurückkommt. Aber ob man dann zu diesem Zeitpunkt genau diese Stelle offen hat….

Rückverfolgbarkeit optimiert Prozesse

Hauptsache bunt. Farbbatches sorgen dafür, dass Lebensmittelverpackungen dem Betrachter ins Auge springen – er ist nämlich potenzieller Käufer. Bei medizinnahen Produkten kommt es vor allem auf deren Unterscheidbarkeit an, bei Desinfektionsmitteln beispielsweise. (Bildquelle: Bruno Peter)

Was wäre aus ihrer Sicht das ideale Ausbildungssystem?
Thomas Peter Das Ausbildungssystem, was wir haben, ist sehr gut, mit den stufenweisen Abschlüssen Bachelor und Master. Was ich aber mehr fördern würde, ist das berufsbegleitende Studium. Diese Absolventen haben nach fünf oder sechs Jahren vielleicht zu 50 Prozent gearbeitet. Deren Fachwissensrucksack ist einfach größer als der von denen, die nur studiert haben. Lieber studieren die Leute sechs Jahre und arbeiten zu 50 Prozent, als dass sie nach fünf Jahren fertig sind, aber keine Berufserfahrung geholt haben. Daher denke ich, dass man das duale System mit Arbeit und Ausbildung beziehungsweise Arbeit und Studium fördern sollte. Das ist für beide Seiten interessant. Aber natürlich ist das auch eine Mehrbelastung. Denn da Sie müssen eben zum Beispiel am Donnerstag und Freitag nach der Arbeit noch in die Schule beziehungsweise Fachhochschule von fünf Uhr bis abends um neun plus Samstag. Das wollen und können sicher nicht alle. Für einen größeren Teil wäre das aber sehr sinnvoll.

Wir haben uns vorhin über Dokumentation unterhalten. Die ist in Medizintechnikanwendungen sehr wichtig. Aber welche Aspekte müssen Sie darüber hinaus beachten?
Thomas Peter
Dazu gehören natürlich die ganzen Reinheiten, wie produziert wird, die Rückverfolgbarkeit, und auch bestimmte Zertifikate, die für diese Industrie wichtig sind.

Inwiefern ändert sich Ihr Qualitätsmanagement, wenn es ein ­Medizintechnikprodukt ist?
Thomas Peter
Da sind wir wieder bei der Dokumentation. Wir haben hier nämlich teilweise Informationspflicht. Darum kategorisieren wir die Produkte und Kunden. Wenn dann irgendeine relevante Meldung von unserem Rohstofflieferanten kommt, geben wir diese an unseren Kunden weiter. Dabei reicht die Notwendigkeit zu informieren von „sehr vorteilhaft“ bis „zwingend“. Letzteres betrifft natürlich meistens Medizinkunden, die werden prioritär informiert.

Wissen Sie denn immer, ob Ihre Farbe in einem Medizinprodukt landet?
Thomas Peter
Das bedingt natürlich die Kommunikation mit dem Kunden. Ich meine, wenn der Kunde Verschlüsse herstellt für Medizin und Lebensmittel und uns nicht sagt, dass das Medizin ist, dann ist er vielleicht erst in der zweiten Stufe in der Informationskette anstatt in der ersten. Entscheidend ist halt, wie offen der Kunde kommunizieren will und es tut. Zwingen kann man da niemanden.

Und wissen Sie denn immer genau, was in Ihren Grundstoffen enthalten ist?
Thomas Peter
Da muss man sehr intensiv auch mit den Lieferanten von Pigmenten und Additiven sowie Polymeren sprechen. Wir dürfen ja nur einsetzen, was geprüft und freigegeben ist, und da muss man natürlich auch immer die neuesten Datenblätter und Sicherheitsvorschriften anfordern. Und das ist ein aktives Anfordern. Jedes Jahr will ich das frische Datenblatt. Auch wenn es zehn Jahre das gleiche ist, aber ich will es immer mit dem neuen Datum drauf, damit ich sicher sein kann, dass nichts veraltet ist, was ich hier im Haus habe.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de