Bayer spaltet Kunststoffbereich ab

Der Konzernumsatz von Bayer stieg im Geschäftsjahr 2014 um 5,2 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt entsprach das einem Zuwachs von 7,2 Prozent. Alle Teilkonzerne trugen zu diesem Anstieg bei – auch Materialscience. (Bildquelle: Bayer)

Der Umsatzzuwachs von MaterialScience resultiert aus höheren Absatzmengen bei Polycarbonaten, Polyurethanen und Beschichtungen, Adhesiven und Spezialitäten. Die Preise gingen hingegen leicht zurück.

Der Umsatz mit Rohstoffen für Schaumstoffe (Polyurethane) wuchs währungs- und preisbereinigt (wpb.) um 4,9 Prozent. Dies lässt sich auf eine gestiegene Nachfrage der Kunden in nahezu allen Hauptabnehmerbranchen zurückführen. Bei den hochwertigen Kunststoffen (Polycarbonate) erhöhte sich der Umsatz wpb. um 7,2 Prozent – insbesondere durch die höhere Nachfrage der  Automobil-, Elektro- und Bauindustrie. Im Geschäft mit Rohstoffen für Lacke, Klebstoffe und Spezialitäten legte der Umsatz wpb. um 5,5 Prozent zu. Dieser Anstieg resultierte aus höheren Absatzmengen in allen Regionen. Die Verkaufspreise lagen in dieser Geschäftseinheit auf Vorjahresniveau. Bei Industrial Operations ging der Umsatz aufgrund von geringeren Absatzmengen und -preisen wpb. um 7,2 Prozent zurück.

Unterm Strich blieb ein um 10,7 Prozent höheres EBITDA vor Sondereinflüssen von 1,19 Milliarden Euro übrig. Hierzu trugen insbesondere gestiegene Absatzmengen, Effizienzsteigerungsmaßnahmen sowie niedrigere Rohstoff- und Energiekosten bei. Jedoch belasteten die gesunkenen Preise das Ergebnis. Währungseffekte wirkten sich per saldo neutral aus.

Alle drei Teilkonzerne von Bayer mit Umsatzzuwächsen im 4. Quartal

Der Konzernumsatz erhöhte sich im 4. Quartal 2014 um 11,6 Prozent auf elf Milliarden Euro. Hierzu trugen alle drei Teilkonzerne bei. Das Ebit ging dagegen um 14,4 Prozent auf 561 Millionen Euro zurück. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg aber um 4,4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, vor allem aufgrund von Mengensteigerungen in allen Teilkonzernen. Höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb drückten allerdings auf das Ergebnis. Das Konzernergebnis verringerte sich damit im vierten Quartal auf 224 Millionen Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg hingegen auf 1,19 Euro.

Wandel zum reinen Life-Science-Unternehmen

Auch strategisch war das Jahr 2014 laut dem Bayer-Vorstand erfolgreich. Der Vorstandsvorsitzende, Dr. Marijn Dekkers, führt aus: „Wir haben Weichen gestellt, die die Zukunft unseres Unternehmens auf lange Sicht prägen werden. Wir haben die Trennung von Materialscience beschlossen und damit den Wandel von Bayer zu einem reinen Life-Science-Unternehmen in die Wege geleitet.“ Der bis spätestens Mitte 2016 geplante Börsengang von Materialscience ist seiner Ansicht nach auf Kurs. Die sogenannte Design-Phase ist mittlerweile abgeschlossen. In dieser  legte der Konzern die rechtlichen und organisatorischen Strukturen des neuen Unternehmens fest und besetzte wichtige Management-Positionen. Bis zum 31. August 2015 soll die wirtschaftliche und rechtliche Verselbstständigung von Materialscience – der sogenannte Carve-out – erfolgen. Die Entscheidung darüber, ob das dann eigenständige Unternehmen im Wege eines IPO (Initial Public Offering, dt. Börsengang) im Ganzen oder im Rahmen eines Spin-off in Teilen an die Börse gebracht werden soll, ist für die zweite Jahreshälfte geplant.

Deutliche Ergebnissteigerung für das Jahr 2015 erwartet

Für 2015 plant Bayer einen Konzernumsatz von 46 Milliarden Euro. Dies entspricht währungs- und preisbereinigt einem Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich. Bezogen auf den Umsatz erwartet das Unternehmen positive Währungseffekte gegenüber dem Vorjahr von ca. drei Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen soll um einen Faktor im unteren bis mittleren Zehnerbereich zulegen – darin sind positive Währungseffekte von ca. 2 Prozent berücksichtigt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie will der Konzern im unteren Zehner-Prozentbereich erhöhen. Diese Zahl berücksichtigt positive Währungseffekte von ca. drei Prozent.

Für das Jahr 2015 sind zudem Sonderaufwendungen in einer Größenordnung von etwa 700 Millionen Euro geplant. Diese entfallen im Wesentlichen auf die Integration der erworbenen Consumer-Care-Geschäfte sowie auf Aufwendungen in Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang von Materialscience. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung will Bayer im Jahr 2015 um ca. zehn Prozent auf mehr als vier Milliarden Euro steigern. Sachanlage-Investitionen sind mit rund 2,3 Milliarden Euro geplant und Investitionen in immaterielle Vermögenswerte mit 0,3 Milliarden Euro. Die planmäßigen Abschreibungen beziffert das Unternehmen auf etwa drei Milliarden Euro, davon 1,6 Milliarden Euro auf immaterielle Vermögenswerte. Zum Jahresende 2015 geht Bayer von einer Nettofinanzverschuldung von unter 18 Milliarden Euro aus.

Für Materialscience rechnet der Konzern für 2015 mit einem weiteren Mengenwachstum bei rückläufigen Verkaufspreisen. Dies führt insgesamt zu einem Umsatzrückgang. Das Unternehmen rechnet jedoch mit einer deutlichen Steigerung des um Sondereinflüsse bereinigten EBITDA. Die Kapitalkosten will Materialscience im Jahr 2015 wieder vollständig selbst verdienen. Für das 1. Quartal 2015 rechnet der Teilkonzern mit einem Umsatz auf Höhe des Vorquartals und mit einem deutlich höheren EBITDA vor Sondereinflüssen.

(dl)