Europas Maschinenbauer auf US-Kunststoffmesse

Die alle drei Jahre stattfindende Kunststoffmesse NPE im Orange County Convention Center (OCCC) in Orlando findet nach 2012 wieder in diesem Jahr statt. Am 23. März 2015 ist es so weit. Dann treffen sich knapp 2.000 Aussteller und 60.000 Besucher auf der weltweit größten Kunststoffmesse. (Bildquelle: SPE)

Die alle drei Jahre stattfindende Kunststoffmesse NPE im Orange County Convention Center (OCCC) in Orlando findet nach 2012 wieder in diesem Jahr statt. Am 23. März 2015 ist es soweit. Dann treffen sich knapp 2.000 Aussteller und 60.000 Besucher auf der USA-weit größten Kunststoffmesse (zum Vergleich: Auf der K 2013 in Düsseldorf kamen 218.000 Fachbesucher, um sich die Produkte von rund 3.200 Ausstellern anzusehen). Die Veranstalter erwarten Kunststoffexperten aus 120 Ländern. Diese finden in den Messehallen Maschinen in vollem Betrieb, die Folien, Platten, Flaschen und Spritzgussteile fertigen. Auch komplette Produktionszellen sind dabei, die Teilehandhabung, Bedrucken, Montage und andere Funktionen beinhalten. Die Ausstellungsfläche beträgt rund 106.000 m². Allein 2.285 m² davon belegt der US-amerikanische Konzern Milacron, Batavia, USA, der damit den größten Einzelstand in der Geschichte der NPE hat. Insgesamt zeigen über 600 Unternehmen Maschinen an ihren Ständen und über 400 davon betreiben ganze Anlagen.

Neben den Maschinen und Produkten genießen die Konferenzen einen großen Stellenwert in Orlando. Mehrere Programme buhlen dabei um die Aufmerksamkeit der Besucher. Das umfangreichste davon hat die Society of Plastics Engineers (SPE) in petto. Ihre annual technical conference (Antec) beginnt bereits am Sonntag vor Messestart mit den jährlichen SPE Award und den SPE Leadership Awards. Den Anfang des eigentlichen Vortragsprogramms macht dann am Montag ein Mitarbeiter der NASA zum Thema „Die Rolle der Nanotechnology in derzeitigen und zukünftigen Weltraummissionen“. Am nächsten Tag geht es unter anderem weiter mit einem Forum zum Thema „3D-Druck mit Fokus auf Materialentwicklung“, an dem sich neben Referenten eines US-amerikanischen Onlineshops für 3D-Druck-Zubehör, Materialherstellern, Compoundeuren und Anwendern der Schwarzwälder Spritzgießmaschinenhersteller Arburg, Loßburg, beteiligt. Der dritte Messetag steht vortragsmäßig im Zeichen des Nachwuchses: Die Plastics University ermöglicht Studenten neben Vorträgen gesonderten Raum für das Austauschen von Erfahrungen und Visitenkarten. Parallel findet die sogenannte Student Speed Interview Session statt, wofür sich Unternehmen einen Tisch reservieren können, um dort Kontakte mit Studenten und Absolventen im Schnelldurchlauf zu knüpfen.

Europas Maschinenbauer auf US-Kunststoffmesse

Die Ausstellungsfläche von rund 106.000 m² teilen sich knapp 2.000 Aussteller.
(Bildquelle: SPE)

Gesonderte Ausstellungsfläche für 3D-Druck

Im NPE3D-Pavillon informieren sich die Besucher anhand von Exponaten und Demonstrationsanlagen über das Thema 3D-Druck. Gut zwei Dutzend Aussteller zeigen ihre Neuheiten. Eine zusätzliche Tagungsreihe mit sechs Präsentationen ist Bestandteil der zeit- und ortsgleich stattfindenden SPI-Tagung Business of Plastics Conference. Brad Williams, Verkaufs- und Marketingleiter der SPI, erläutert: „Von den Werkzeugmachern über die Verarbeiter bis zu den Markeneigentümern: Viele in der Kunststoffbranche müssen sich über die jüngsten Entwicklungen im 3D-Druck informieren. Darum bietet die NPE 2015 Gelegenheiten, um diese Technologie, ihre aktuellen Anwendungen und die künftigen Möglichkeiten zu besprechen.“

Recycling: Weniger Kunststoff verbrauchen, mehr wiederverwenden

Mit der Kreislauf-Wirtschaftszone widmet der Veranstalter einen eigenen Ausstellungsbereich dem Ziel der Branche, weniger Kunststoffe zu verbrauchen beziehungsweise diese wiederzuverwenden. Dort zeigen die Aussteller Recycling-Anlagen und präsentieren Produkte aus Recyclingmaterial. Zudem beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Konzept Cradle to cradle (von der Wiege zur Wiege). Im Umfeld der Kreislaufwirtschaftszone befinden sich der Recycling-Pavillon mit Ausstellungsstücken von Unternehmen und Lieferanten von Recyclingtechnik sowie der Nachhaltigkeitspavillon mit umweltfreundlichen Technologien. Unter den aus wiederverwendetem Kunststoff hergestellten Produkten gehören welche von Unternehmen wie Dell oder Terracycle. Letzteres macht mit Kunststoffmüll-Sammelaktionen auf sich aufmerksam, wie Zahnpflegeprodukte aus Privathaushalten. Daraus stellt das Schweizer Unternehmen beispielsweise Handtaschen oder Seifenspender her. Eine weitere Besonderheit ist die Wand zum Thema Kreislaufwirtschaft. Daran können Besucher ihre Visitenkarten anpinnen, um sich zur Kreislaufwirtschaft zu bekennen. Als kleines Dankeschön nehmen sie damit an der Verlosung eines Motorrades teil. Der Recycling-Sektor ist in der Südhalle des Orange County Convention Center zu finden.

Europas Maschinenbauer auf US-Kunststoffmesse

Die PET-Aufbereitungsanlage verwendet das sogenannte Liquid-State-Polycondensation-Verfahren (LSP). Dieses nutzt die Eigenschaft des PET, in der Schmelzephase und unter Vakuum nachzukondensieren. Das führt zu einer höheren intrinsischen Viskosität (IV).
(Bildquelle: NGR)

Die mitteleuropäische Kunststoffindustrie in den USA

Zum Thema Recycling präsentiert der österreichische Maschinenbauer NGR, Feldkirchen a.d. Donau, seine neue PET-Recyclingmaschine zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit. Die P:React verwendet das sogenannte Liquid-State-Polycondensation-Verfahren (LSP). Dieses nutzt die Eigenschaft des PET, in der Schmelzephase und unter Vakuum nachzukondensieren. Das führt zu einer höheren intrinsischen Viskosität (IV). Mittels Regeleinheit stellt der Anwender die gewünschten Paramter ein, die Anlage hält den IV-Wert dann automatisch stabil. Darüber hinaus ermöglicht es das Vakuum, das Material von Kontaminationen zu befreien, um es erneut mit Lebensmittelkontakt wiederzuverwenden. Im kontinuierlichen Betrieb erzeugt die Anlage in einem schmalen IV-Bereich rPellets, die sich für den Einsatz in High-End-Anwendungen, wie Faserspinnen und Folienextrusion, eignen.

Erema North America, ein Tochterunternehmen von Erema mit Sitz in Ansfelden, Österreich, nutzt das wachsende Interesse an Recycling von Post-Consumer-Kunststoffabfällen innerhalb der USA, um das Recycling-System Intarema TVE plus zu präsentieren. Es filtert die Schmelze und homogenisiert sie anschließend vor der Extruderentgasung. Der zugehörige Laserfilter eignet sich für das Verarbeiten von Materialien mit hohen Verschmutzungsanteilen wie Holz, Papier, Aluminium oder Kupfer. Die Schaber-Geometrie des Laserfilters verlängert die Siebstandzeiten und reduzieret gleichzeitig den Personaleinsatz zum Wechseln der Siebe.

Engel, Schwertberg, ebenfalls aus Österreich, legt den Schwerpunkt seines Messeauftritts auf das Thema Leichtbau und zeigt ein Organoblech-Hybrid-Bremspedal. Eine vertikale Insert-1050H/230-Single-US-Spritzgießmaschine mit Easix-Mehrachsroboter und Infrarot-Ofen produziert Bauteile, die ohne Beschnitt einbaufertig sind.

Europas Maschinenbauer auf US-Kunststoffmesse

Die Extrusionslinie besteht aus einem MRS 160-Extruder, automatischem Filtriersystem RSF Genius 175 und einen Online-Viskometer und ist die größte, die das Unternehmen jemals auf einer Messe gezeigt hat. (Bildquelle: Gneuß)

Der Extruder-Hersteller Gneuß Kunststofftechnik, Bad Oeynhausen, stellt auf der NPE unter anderem eine neue Extruder-Generation mit Multi-Rotationssystem vor. Die Extrusionslinie besteht aus einem MRS 160-Extruder, automatischem Filtriersystem RSF Genius 175 und einen Online-Viskometer. Die Anlage ist die größte, die das Unternehmen jemals auf einer Messe gezeigt hat. Nach der Messe wird die Linie an einen Kunden in Florida ausgeliefert, der mit ihr aus über 1.360 kg/h R-PET Tiefziehfolie herstellt.

Arburg, Loßburg, präsentiert zehn Exponate zur Spritzgießtechnik und industriellen additiven Fertigung. Damit deckt der Maschinenbauer das Produktionsspektrum vom Einzelteil bis zum Massenprodukt ab. Auf seinem Messestand zeigen fünf Allrounder-Spritzgießmaschinen und zwei Freeformer Anwendungen und Verfahren zu Themen wie Leichtbau, Mehrkomponenten-Spritzgießen, Automation und Flüssigsilikon-Kautschuk-Verarbeitung. Zudem startet mit dem Messebeginn am 23. März der Verkauf des Freeformer in Amerika.